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Kanzler Faymann: "Wir wollen nicht die Pufferzone für Deutschland sein"

Österreichischer Kanzler Werner Faymann Zur Großansicht
AFP

Österreichischer Kanzler Werner Faymann

Österreichs Bundeskanzler Faymann hat seine deutsche Kollegin Merkel erneut scharf kritisiert. Deren Kurs in der Flüchtlingskrise erzeuge eine "Magnetwirkung" - zu Lasten anderer Länder.

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat schon oft klargemacht, dass er kein Freund von Angela Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik ist. Nun übt er erneut scharfe Kritik am Verhalten der Kanzlerin. "Ich habe ein persönlich gutes Verhältnis zu ihr. Aber ein politisch sehr gespanntes", sagte Faymann der "Presse am Sonntag".

Anfang März hatte Faymann Deutschland erneut dazu aufgefordert, eine Jahresobergrenze für Flüchtlinge einzuführen. Merkel lehnt das weiterhin ab.

Deutschlands Verhalten sei Österreich gegenüber "ausgesprochen unfair", beschwerte sich Faymann in dem Interview. Merkels Politik könne dazu führen, dass Österreich Schaden nehme. "Wir wären auf der Balkanroute das erste Land, in dem die Flüchtlinge auch Asyl sagen wollen", sagte er. "Wir wollen aber nicht die Pufferzone für Deutschland sein." Die Magnetwirkung aufrechtzuerhalten, sei europäisch ein Fehler, "weil es die Balkanländer und andere - etwa Italien als Ausweichroute - unter Druck setzt."

Deutschland könne an seiner Grenze relativ einfach einen Rückstau von Flüchtlingen auslösen, die durch Österreich wollten, sagte Faymann. Er wünsche sich, dass Merkel klar sage, dass Menschen nicht über illegale Wege einreisen könnten.

In den vergangenen Monaten habe sich herausgestellt, dass die angestrebte europäische Lösung nicht funktioniere. Deshalb habe Österreich mit eigenen Obergrenzen handeln müssen. Auch Deutschland sollte diesem Beispiel folgen, so Faymann.

kry/dpa

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