Hilfen und Vorsorge Grüne wollen Milliarden für Klimaschäden

Sonnig, trocken, heiß - die Hitzewelle geht an diesem Wochenende weiter. Die Kommunen sind alarmiert: Städte und Gemeinden müssten angesichts des Klimawandels vorsorgen.

Maispflanzen bei Köln
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Maispflanzen bei Köln


Aus Sicht der Grünen hat Deutschland zu wenig getan, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. "Man hat die Klimaanpassung in Deutschland ignoriert", sagte Parteichefin Annalena Baerbock. Die Grünen fordern deswegen die Einrichtung eines milliardenschweren Fonds.

Daraus sollten unter anderem Entschädigungen an Menschen gezahlt werden, deren Existenz durch extreme Wetterereignisse bedroht sei, heißt es in einem Konzept der Partei. Auch für die Gesundheitsvorsorge, den Hitzeschutz in Städten, den Waldbrand- und Hochwasserschutz sowie die Anpassung der Landwirtschaft solle der Fonds Geld bereitstellen. Baerbock geht davon aus, dass mindestens zwei Milliarden Euro in den Fonds fließen müssten.

Im Video: Wie ein Biobauer der Dürre trotzt

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Diese Forderung dürfte bei den Kommunen gut ankommen. "Der Klimawandel schreitet voran. Wir müssen uns in Zukunft darauf einstellen, dass die Sommer sehr heiß und niederschlagsarm werden", sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, dem "Handelsblatt". "Sinnvoll wäre, einen Aktionsplan zu entwickeln, wie die Städte und Gemeinden sich für die Zukunft besser auf solche Hitzeperioden vorbereiten können."

Konkret schlug Landsberg demnach eine Optimierung der Wasserversorgung, zusätzliche Speicherkapazitäten, mehr Grün in der Stadt sowie den Anbau von Pflanzen in Grünanlagen und in den kommunalen Wäldern vor, die für den Klimawandel besser gewappnet seien. "Die Planung und Umsetzung eines solchen Aktionsplanes setzt natürlich zusätzliche Mittel voraus", fügte er hinzu. Dabei seien Bund, Länder und Kommunen "gemeinsam gefordert".

Laut Landsberg stellt die lang anhaltende Hitze nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Kommunen eine Belastung dar. "Wasser sparen ist in vielen Städten und Gemeinden angeraten, auch wenn die Situation in Deutschland insgesamt entspannt und die Versorgung mit Trinkwasser nicht gefährdet ist", sagte er. Allerdings gebe es hinsichtlich der Versorgungslage regionale Unterschiede. Das könne teilweise zu Einschränkungen beim Wasserverbrauch führen.

Sonnig, trocken und heiß

Auch in den kommenden Tagen soll es in Deutschland "sonnig, trocken und heiß" bleiben. Für den Rhein-Neckar-Raum und für den Oberrhein sagt der Deutsche Wetterdienst für Samstag bis zu 38 Grad voraus, im Südosten werden kräftige Gewitter erwartet.

Sehr hoch ist am Samstag außerdem deutschlandweit die Waldbrandgefahr: Der entsprechende Index des DWD weist für viele Flächen die höchste Gefahrenstufe 5 aus - darunter für mehrere Gebiete in Ostdeutschland sowie für Teile Bayerns, Baden-Württembergs und Südhessen. Der Waldbrandgefahrenindex setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Neben der Lufttemperatur, Luftfeuchte und Sonneneinstrahlung spielen auch Wind, Niederschlag und Bodenfeuchte bei der Berechnung eine Rolle.

Nach Einschätzungen von Klimaforschern werden infolge der Erderwärmung nicht nur Hitze und Dürre zunehmen, sondern auch Kälte und Unwetter wie Stürme, Hagel und Starkregen. Für Grünen-Chefin Baerbock sind die vergangenen Wochen ein Alarmsignal: "Dieser Sommer macht klar, so kann es nicht weitergehen."

Die Erde wärmt sich auf

Auch wenn einzelne Wetterereignissen nicht direkt auf den Klimawandel zurückzuführen sind - der aktuelle Jahresbericht der US-Klimabehörde NOAA zeigt, dass sich der Planet im Klimatrend aufwärmt. Demnach waren die vergangenen vier Jahre die wärmsten seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert.

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Die Erwärmung wirkt sich auf die Erde aus: Die Konzentrationen an Treibhausgasen wie CO2 und Methan stiegen 2017 auf neue Höchstwerte, auch in Deutschland. Der durchschnittliche Meeresspiegel stieg im vergangenen Jahr ebenfalls zu einem neuen Höchststand und lag 7,7 Zentimeter über dem von 1993, als die Höhenmessung per Satellit eingeführt wurde. Seit 1993 sei der Meeresspiegel im Durchschnitt etwa drei Zentimeter pro Jahrzehnt gestiegen, schreiben die Autoren.

brk/dpa

insgesamt 37 Beiträge
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Riven 04.08.2018
1.
Haben die Grünen irgendetwas nennenswertes gegen den Klimawandel beigetragen, zB in BaWü, wo sie immerhin den Ministerpräsidenten stellen? Im tagespolitischen Geschäft kann man doch die Grünen in BaWü nicht von den Schwarzen unterscheiden. Also was soll diese lächerliche Forderung?
hansw 04.08.2018
2. Die Grünen sind nicht zu bekehren
Den Klimawandel leugne ich nicht. Die Aktivitäten der umweltbesorgten Grünen kritisiere ich heftig. Die Grünen fummeln wie alle anderen auch an Symptomen herum und lösen damit nicht ein Problem. Was wichtig für die Akzeptanz der Klimavorsorge ist ganz einfach "mehr Geld im Beutel des einzelnen Menschen". Wie das? Hier ein Vorschlag, der nicht der beste sein muss: Es besteht Einigkeit darüber, dass das heutige Lohn- und Einkommensteuersystem nicht mehr sehr lange funktionieren wird. Was aber anstelle der Besteuerung von Arbeitseinkommen? Ganz simpel. Kapital erwirtschaftet sehr hohe Erträge. Spitzenreiter sind die High Tech Unternehmen einschliesslich der künftigen Handelsformen á la Amazon. Es wird dazu kommen, dass die Erträge in dem Land, in dem sie anfallen, besteuert werden. Lassen wir Einzelheiten einfach mal im Raum stehen, denn ich bin kein Prophet. Wer sich mit den Zahlen der Riesen beschäftigt, weiss, dass die Gewinnbesteuerung des Kapitals viel mehr Erträge in die Staatskasse spült, als das jetzige System der Besteuerung von Arbeit. Werden die Gewinne dort besteuert, wo sie entstehen, lohnt es nicht mehr, Kapital in Niedrigsteuer Länder umzuschichten. Solche praktischen Lösungsvorschläge würden mir die Grünen als vernünftige Leute erscheinen lassen.
mucschwabe 04.08.2018
3. @ Riven
Okay, dann machen wir weiter wie bisher mit dem Argument, dass wir ja alle bisher nix gemacht haben? Können Sie auch sachlich auf die einzelnen Vorschläge eingehen? Was genau ist an einer Optimierung der Wasserversorgung und zusätzlicher Speicherkapazität lächerlich? Bitte erläuern Sie mir das genauer.
huckzuck 04.08.2018
4. Jetzt warten wir doch erst mal den Sommer ab
Und schauen uns das nächste Jahr an und noch eines. Parallel überlegen wir uns genau, was wir wie fördern und von wem was fordern. Ein Jahr macht noch kein Klima.
Erythronium2 04.08.2018
5.
Dass die Grünen neue Ideen zur Subventionierung und Umverteilung haben, überrascht mich nicht, auch wenn das seit vielen Jahren meist nicht gut ankommt. Die lächerlich geringe Mindesthöhe des vorgeschlagenen Fonds von gerade mal 2 Milliarden Euro versteheich allerdings nicht.
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