Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wettkampf im Spreewald: Feuerwehr trat mit Hitler-Zitat auf T-Shirts an

Von und

"Flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl": So wünschte sich Adolf Hitler die Jugend. Tolle Eigenschaften, fand die Feuerwehr im brandenburgischen Groß Gaglow und druckte das Zitat auf ihre T-Shirts. Erst interessierte es niemanden - jetzt herrscht große Aufregung.

Berlin/Hamburg - Für die Top-Ten hat es nicht gereicht: Nur auf einem abgeschlagenen 11. Platz landete die Truppe der Freiwilligen Feuerwehr von Groß Gaglow am Samstag beim ersten Spreewald-Cup in der Disziplin "Löschangriff nass" im brandenburgischen Klein Radden. Und dennoch: Zumindest in der Nachbetrachtung des Wettstreits ziehen die Brandbekämpfer aus dem 1500-Seelen-Dorf bei Cottbus die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Feuerwehrleute aus Groß Gaglow: "Wir haben die T-Shirts geschenkt bekommen"
H.-Joachim Schiemenz

Feuerwehrleute aus Groß Gaglow: "Wir haben die T-Shirts geschenkt bekommen"

Wie die "Lausitzer Rundschau" (LR) berichtet, traten die jungen Feuerwehrmänner aus Groß Gaglow zum Kräftemessen mit der lokalen Wehr-Konkurrenz mit T-Shirts an, auf denen ein Hitler-Zitat zu lesen war. "Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl" - dieser Spruch schmückt die blauen Polo-Hemden der Gaglower Wehr, wie auf einem Foto zu sehen ist. Mit eben jenen Worten brachte Adolf Hitler im Dritten Reich gern zum Ausdruck, wie er sich die Hitler-Jugend wünschte.

Dem Bericht der "LR" zufolge konnten die die Feuerwehrmänner ihren unpassenden Spruch während der Wettkämpfe unbehelligt zur Schau tragen. Erst jetzt macht sich Empörung breit - etwa bei der CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier, die die Veranstaltung selbst besuchte. Sie habe die Shirts "nicht registriert", zitiert die "LR", die Politikerin, weil sie die Mannschaften nur von vorn gesehen habe. "So ein Aufdruck ist ein Schlag ins Gesicht für alle Feuerwehrleute", sagte Schier weiter.

Auch der SPD-Abgeordnete Werner-Siegwart Schippel war dem Bericht zufolge vor Ort. Er habe am Rande "von den T-Shirts Wind bekommen", glaube aber eher an "Unkenntnis bei den jungen Feuerwehrleuten". Warum er nichts unternommen hat? Er halte es für schwierig, "wenn man dann einschreitet und damit die so engagiert vorbreitete Veranstaltung stört".

"Geschickt mit Hosenträgern verdeckt"

Das sieht Hans-Joachim Schiemenz, Pressesprecher der Stadt Lübbenau anders. "Man hätte die Männer sofort vom Platz verweisen müssen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Auch er war am Wochenende beim "in der Region beliebten" Wettbewerb und fühlte sich vom heiklen Wortgut auf der Oberbekleidung "völlig überrumpelt". Noch nie hätten die Feuerwehrvereine der umliegenden Gemeinden Probleme mit rechtsradikalem Gedankengut gemacht, sagt Schiemenz.

Eigentlich wollte er nur ein paar Fotos für die Rathauszeitung knipsen, als ihn ein Lokalredakteur auf den heiklen Schriftzug ansprach. "Ich dachte, ich bin im falschen Film", empört sich Schiemenz. Alle acht Teilnehmer aus Groß Gagelow traten geschlossen mit den gleichen T-Shirts an. Doch während des sogenannten "simulierten Löschangriffs" gegen Mittag, als alle Augen auf die Mannschaft gerichtet war, versteckten die Männer die Schrift "geschickt mit Hosenträgern", berichtet Schiemenz.

Als der Veranstalter die Männer schließlich zur Rede stellte, sollen diese mit vorgeblicher Ahnungslosigkeit reagiert haben. Sie hätten die T-Shirts "geschenkt bekommen" und nichts von der Bedeutung der Worte gewusst, hörte Schiemenz nach der Veranstaltung. "Wichtig ist jetzt, dass wir offen mit dem Problem umgehen und weiter aufklären". Aus dem Publikum kam an diesem Samstag jedenfalls kein Protest: Die meisten Menschen wüssten mit dem Spruch einfach wenig anzufangen - oder könnten schlichtweg "die Frakturschrift nicht entziffern", so Schiemenz.

Die Landesregierung ist alarmiert

Die Freiwillige Feuerwehr von Groß Gaglow selbst war am Montagabend für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Auf der Website der Feuerwehr sind indes Bilder von einer früheren Veranstaltung im vergangenen Jahr zu sehen, die die Vermutung nahe legen, dass die Männer die Hemden auch dort getragen haben. Zwar ist das Zitat nicht zu entziffern, Farbe und Anordnung des Schriftzuges lassen jedoch diesen Schluss zu.

Die Empörung über die Hitler-Shirts hat inzwischen sogar die Landesregierung erreicht. "Hier mangelt es an politischer Bildung und Unkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge", sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bei der Vorstellung des Brand- und Katastrophenschutzberichts 2007 in Potsdam. Doch der Minister ist sich gleichzeitig sicher, dass die Graswurzelstrategie rechtsextremer Parteien wie der NPD in seinem Land keinen Erfolg hat. Für Rechtsextreme, die die Freiwilligen Feuerwehren infiltrieren wollten, bestehe bei den Behörden und Feuerwehrverbänden "ein Problembewusstsein".

Inzwischen ermittelt offenbar auch die Polizei gegen die Feuerwehrleute von Groß Gaglow. Die "Bild"-Zeitung berichtet, der Cottbuser Ordnungsdezernent Lothar Nicht (Linke) habe bestätigt, dass die Ermittlungen wegen Verbreitung von Propagandamitteln eingeleitet worden seien. Die Feuerwehrleute hätten am Montagabend ihre Hemden abgeben müssen.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: