Weyrauch-Bericht Hessische Schwarzgelder flossen angeblich an Bundespartei

Bislang wurde es immer bestritten. Doch jetzt gibt es offenbar Hinweise, dass von ausländischen Geheimkonten der hessischen Union Gelder in die Kassen der Bundespartei geleitet wurden. Das soll aus dem Bericht des ehemaligen CDU-Finanzberaters Horst Weyrauch hervorgehen.


Berlin - Die "Welt am Sonntag" berichtet, im Dezember 1992 habe Weyrauch von einem Geheimkonto bei der Metallbank in zwei Tranchen 900.000 Mark abgehoben, für die es seitens der hessischen CDU keinen Verwendungsnachweis gebe. Das Konto sei von Weyrauch und dem früheren Schatzmeister der Hessen-CDU, Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein eingerichtet worden.

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Die abgehobene Summe entspreche genau der Summe bislang unbekannter Herkunft vom 25. Januar 1993 auf einem für die Bundes-CDU von Weyrauch geführten Konto beim Frankfurter Bankhaus Georg Hauck&Sohne, berichtet das Blatt unter Berufung auf Insider der CDU-Spendenaffäre. Die Prüfung der Reisekostenabrechnungen Weyrauchs habe ergeben, dass er unmittelbar nach seinen Schweiz-Reisen in Sachen hessischen Auslandsvermögens in Bonn vorstellig geworden sei.

Die CDU-Pressestelle erklärte in Berlin: "Allein aus der Tatsache zeitnaher gleicher Summen von Ein- und Auszahlungen" lasse sich noch "nicht der Beweis dafür herstellen, dass es solche Verbindungen gibt". Die Wirtschaftsprüfer der CDU in Hessen und der Bundespartei stünden jedoch in engem Kontakt, um mögliche Verbindungen zu prüfen.

Weyrauch wird die Verschiebung von wahrscheinlich knapp 18 Millionen Mark in die Schweiz 1983 vorgeworfen. Das Schwarzgeldsystem der hessischen CDU soll er mit Prinz Wittgenstein und mit Wissen des ehemaligen Landesparteichefs Manfred Kanther installiert haben. Der frühere Bundesinnenminister verteidigte sich gegen den Vorwurf, die in die Schweiz transferierte Summe mit acht Millionen Mark falsch angegeben zu haben. Ihm hätten keine zuverlässigen Daten vorgelegen, sagte er "Focus".



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