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21. Januar 2013, 19:37 Uhr

Machtkampf in der FDP

Wie Rösler Brüderle austrickste

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Der Machtkampf in der FDP ist vorerst entschieden: Philipp Rösler bleibt Parteichef, Fraktionschef Rainer Brüderle wird Spitzenmann im Wahlkampf. In der internen Auseinandersetzung hat Rösler Härte und Geschick gezeigt - und seinen Widersacher bloßgestellt.

Berlin - Am Ende steht das neue Duo da und starrt in die Ferne. Es gibt in der FDP-Parteizentrale keine Fragen der Journalisten mehr. "Alles klar", murmelt Philipp Rösler. "Alles klar", murmelt wenige Sekunden später auch Rainer Brüderle. Es ist ein kurzer Augenblick der Eintracht.

Dann treten sie ab vom Podest, der 39-jährige FDP-Parteichef und der 67-jährige Fraktionschef im Bundestag. Zwei Kontrahenten, die nun miteinander auskommen müssen. Brüderle soll im Bundestagswahlkampf das "Gesicht der FDP" sein, wie es Rösler formuliert, "unser Spitzenmann". Den Begriff "Spitzenkandidat" meidet Rösler, das überlasse man lieber einer anderen Partei - gemeint ist die SPD.

Es ist eine sprachliche Petitesse am Ende eines turbulenten Tages. Aber sie umschreibt dann doch die Lage, in der sich Rainer Brüderle befindet: Er soll für die FDP die Tore schießen, wie er es selbst sagt, doch die Kapitänsbinde trägt weiter Rösler. "Rainer Brüderle ist anders als Philipp Rösler. Und Philipp Rösler ist anders als Rainer Brüderle", sagt der Parteichef. Man spreche "unterschiedliche Typen an, wir ergänzen uns". Man wolle "ja Stimmen mehren für die FDP".

Präsidium und Bundesvorstand haben das Duo ohne Gegenstimme und Enthaltung gebilligt. Nun soll die Partei, voraussichtlich Anfang März, das seltsame Paar auf einem vorgezogenen Parteitag bestätigen und das weitere Führungspersonal wählen.

Welchen Aktionsradius Brüderle künftig in einem solchen Team haben wird, das wirkt unklar. Rösler sagt, er selbst wolle das "Team" zusammenbinden, die Kampagnenfähigkeit der FDP verbessern. "Ich werde als Parteichef das ganze Team, das mit dazugehört, führen", sagt er. Er fügt hinzu: "So der Plan."

Fassungslosigkeit im Anti-Rösler-Lager

Eines ist sicher: Röslers Plan ist aufgegangen. Am Tag nach der Niedersachsen-Wahl, bei der die FDP auf sensationelle 9,9 Prozent kam, hat er seine Chance genutzt. Monatelang wirkte er wie einer, dem nur noch von seinen Gegnern der Stoß versetzt werden müsste. Nun hat er allen gezeigt, dass Brüderle, der im Herbst 40 Jahre in der FDP sein wird, nicht springt, wenn es darauf ankommt. Es ist ein Akt, der manchen in der Partei fassungslos zurücklässt. "Das ist nur noch peinlich", simst einer, der gerne Brüderle als Parteichef gesehen hätte. Guido Westerwelle habe seinen Posten als Parteichef noch abgeben müssen, nun zwinge man die FDP "zum kleinsten gemeinsamen Nenner, schlimmer geht es nicht".

Ein anderer, der darauf gesetzt hatte, dass Rösler sich auf sein Amt als Wirtschaftsminister und Vizekanzler konzentriert, sagt: "Ein solches Duo bringt uns wohl nicht den notwendigen Umkehrschub im Bund." Doch so, wie er die FDP kenne, "wird sie sich auch das wieder schönreden".

Die Stimmung in Teilen der Partei wechselt zwischen sarkastischen Kommentaren und der Hoffnung, es werde schon irgendwie gehen. Klar ist: Viele haben Rösler unterschätzt. Und Brüderle überschätzt. Rösler hat geschickt taktiert. Am Montagmorgen, das Präsidium tagt gerade eine halbe Stunde, laufen die ersten Meldungen über die Agenturen. Rösler hat gerade einen vorgezogenen Parteitag vorgeschlagen, da geht er noch einen Schritt weiter - und bietet Brüderle nicht nur eine führende Rolle im Wahlkampf an. Er sei auch bereit, "zur Seite zu treten", wenn Brüderle Parteivorsitzender werden wolle. "Mal gucken, was Brüderle jetzt macht", simst ein Liberaler wenig später, als er von der Nachricht hört.

Doch Brüderle will nicht.

Der Fraktionschef, so erzählen es Teilnehmer der Runde später, habe überrascht auf Röslers Vorstoß reagiert. Das sei so nicht abgesprochen gewesen, habe Brüderle zu Rösler und in die Runde gesagt. Noch in der Wahlnacht hatten sich Brüderle und Rösler zu einem Vier-Augen-Gespräch in der Parteizentrale zurückgezogen. Was genau dort besprochen wurde, darüber gibt es am Montag unterschiedliche Versionen - je nachdem, mit wem man spricht. Im Brüderle-Lager wird kolportiert, Brüderle habe nur den Spitzenmann geben wollen, nie den Parteivorsitz angestrebt. Röslers Vorstoß sei daher nicht fair gewesen, wirke durch die Durchstechereien an Agenturen während der Präsidiumssitzung wie generalstabsmäßig geplant. Im Rösler-Lager heißt es wiederum, Rösler habe nach dem Gespräch mit Brüderle in der Wahlnacht keine Klarheit gehabt und deshalb den Vorstoß für einen Verzicht auf das Parteiamt unternommen, um Ruhe in die Personaldebatte zu bekommen.

Brüderle verteidigt sich

Auch viele im Präsidium sind überrascht über die Kaltschnäuzigkeit Röslers. Entwicklungsminister Dirk Niebel meldet sich im Gremium zu Wort, er hat seit dem Dreikönigstreffen in Stuttgart am 6. Januar einen Kurs gegen Rösler gefahren. Er fordert, Brüderle solle auch den Bundesvorsitz übernehmen. Nach einer Debatte im Präsidium ziehen sich Rösler und Brüderle zurück zu einem weiteren Vier-Augen-Gespräch - danach steht die Entscheidung fest: Brüderle wird das Gesicht der Partei im Wahlkampf, Rösler bleibt Parteichef.

Den Schlag Röslers, so viel darf wohl sicher sein, wird ein Mann wie Brüderle so schnell nicht vergessen. Schon einmal hat ihn Rösler um ein Amt gebracht - als Westerwelle als Parteichef im Mai 2011 abgelöst wurde, verlangte Rösler auch das Wirtschaftsministerium von Brüderle. Er musste auf den Fraktionsvorsitz wechseln. Auf den jüngsten Vorgang bei der Pressekonferenz angesprochen, wendet er sich lächelnd an den Parteichef: Wenn er in 20 Jahren seine Memoiren schreibe, werde er alles aufschreiben, dann sei "Philipp 50".

Brüderle hat gezögert und gezaudert. So sieht es das Rösler-Lager und hat sich das zunutze gemacht. Sein Vorstoß am vergangenen Freitag, als er einen vorgezogenen Parteitag verlangte und damit indirekt die Spekulationen über eine Ablösung Röslers befeuerte, habe nur einer "schnellen Klärung" gedient, verteidigt sich Brüderle und fügt hinzu: "Es war nicht meine Absicht, Parteivorsitzender zu werden. Sie kriegen zwischen uns beide keinen Keil. Wir wissen klar, was wir wollen."

Es ist ein bizarrer Satz an einem bizarren FDP-Tag.

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