Rückführung Neue Abschiebungen nach Afghanistan geplant

Trotz des eskalierenden Kriegs in Afghanistan wollen Bund und Länder erneut abgelehnte Asylbewerber nach Kabul abschieben. Der Flug soll am Dienstagabend starten.

Polizeibeamte führen einen jungen Mann ab, der sich zuvor mit etwa 40 anderen Demonstranten an einer Protestkundgebung in Darmstadt beteiligt hatte.
DPA

Polizeibeamte führen einen jungen Mann ab, der sich zuvor mit etwa 40 anderen Demonstranten an einer Protestkundgebung in Darmstadt beteiligt hatte.


In den vergangenen Wochen häufen sich die Berichte über Terroranschläge in Afghanistan. Allein am Zuckerfest-Wochenende - das ist das traditionelle Fastenbrechen-Fest - sind mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Trotzdem wollen Bund und Länder abgelehnte Asylbewerber nach Kabul abschieben. Der Flug solle am Dienstagabend in München starten, teilten Mitarbeiter des Bayerischen Flüchtlingsrats und der Organisation Pro Asyl mit.

Auch Kranke sollen laut Flüchtlingsrat abgeschoben werden

Seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 beschränken die Behörden Abschiebungen auf Straftäter, terroristische Gefährder und Menschen, die "die Mitwirkung an der Identitätsfeststellung hartnäckig verweigern". Allerdings dringt die Union darauf, die bisherigen Beschränkungen wieder aufzuheben.

Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat sagte der Nachrichtenagentur dpa, er wisse allein von zwölf Kandidaten aus Bayern. "Darunter sind Jungs, die in die Integrationsklasse gingen - mindestens zwei - und mehrere, die krank sind."

"Um jeden Preis in ein Kriegs- und Krisengebiet abschieben"

Bisher sind seit der ersten Sammelabschiebung im Dezember 2016 mehr als 230 Männer auf direktem Weg wieder nach Afghanistan zurückgebracht worden. Die Abschiebungen sind umstritten. Die radikalislamischen Taliban kontrollieren nach Militärangaben heute wieder mehr als 14 Prozent des Landes. Mehr als 30 Prozent sind umkämpft.

Pro Asyl warnte: "In der jetzigen Stimmung der Flüchtlingsabwehr zählen nicht die Fakten, sondern der politische Eifer, um jeden Preis in ein Kriegs- und Krisengebiet abzuschieben."

höh/dpa

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