"Wieder einer weniger" Empörung über Plakat mit toten Bundeswehrsoldaten

"Geschmacklos" und "menschenverachtend": Die Bundeswehr und Politiker sind empört über ein Plakat von Militärgegnern im Internet, auf dem der Tod von deutschen Soldaten gutgeheißen wird. Die Organisation distanzierte sich inzwischen von der Aktion.


Berlin - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kritisierte die Aktion als "Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen". Das Plakat sei "geschmacklos und verantwortungslos", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Umstrittenes Plakat: "Geschmacklos und peinlich"
bamm.de

Umstrittenes Plakat: "Geschmacklos und peinlich"

"Schritt zur Abrüstung - wieder einer weniger", heißt es auf einem im Internet veröffentlichten Plakat der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Darauf sind drei Soldaten abgebildet, die den Sarg mit der Leiche eines Kameraden tragen. "Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren", heißt es weiter.

Empört reagierte auch der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD): "Das ist eine menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu überbieten ist." Für CDU-Vize Roland Koch zeigt das Plakat "ein Ausmaß an Unmenschlichkeit, ja Menschenverachtung, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte". Nach Ansicht des CSU-Wehrexperten Christian Schmidt ist das Plakat "geschmacklos und peinlich" und zeigt, "dass Ideologie offensichtlich in Verwirrung führen kann".

Nach Angaben der DFG-VK wurde das Plakat von einem "Büro für antimilitaristische Maßnahmen" (bamm) entworfen und ist bereits seit fünf Jahren abrufbar. Die Zusammenarbeit zwischen dem Landesverband Berlin-Brandenburg und bamm sei ausschließlich eine Entscheidung des Landesverbandes. Dennoch wolle der Bundessprecherkreis "den Berliner Landesverband dazu auffordern, dieses Plakat von der Seite zu nehmen", sagte DFG-VK-Sprecher Monty Schädel dem Sender N24.

"Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich", heißt es in einer Mitteilung der Organisation. "Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen auch in Form einer satirischen Darstellung." Der Verband halte "das satirische Plakat für eine unangemessene Form der Auseinandersetzung mit der Problematik deutscher Kriegsbeteiligung und deren Folgen".

als/ddp/dpa



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