Wiederwahl des CSU-Vorstands Seehofer besteht die Machtprobe

Bayerns Ministerpräsident kann aufatmen: Die Delegierten des CSU-Parteitags haben Horst Seehofer mit 89,9 Prozent der Stimmen als Vorsitzenden wiedergewählt. Euro-Kritiker Gauweiler unterlag bei der Wahl zum Vize seinem Rivalen Ramsauer.

CSU-Vorsitzender Seehofer in Nürnberg: "Ich kann Vollzug melden"
DPA

CSU-Vorsitzender Seehofer in Nürnberg: "Ich kann Vollzug melden"


Hamburg - Im Vorfeld hatte er tiefgestapelt: Er würde sich "schon wünschen", so gut bewertet zu werden wie beim letzten Mal, sagte Horst Seehofer im Vorfeld der Abstimmung auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg. Vor zwei Jahren hatten ihn die Delegierten mit 88,1 Prozent der Stimmen bestätigt. Nun konnte der Vorsitzende leicht zulegen: 89,9 Prozent der gültigen Stimmen entfielen auf ihn - 747 von 831 gültigen Stimmen, 84 Delegierte stimmten gegen ihn. Seehofer war der einzige Kandidat.

Peter Gauweiler ist mit seiner Kandidatur als stellvertretender CSU-Chef gescheitert. Gauweiler unterlag am Samstag auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg knapp Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Auf Gauweiler entfielen 419 Stimmen (48,8 Prozent), auf Ramsauer 440 (51,2 Prozent).

Gauweiler hatte zuvor gesagt, er wolle mit seiner Kandidatur für einen Vize-Posten der CSU zu alter Stärke verhelfen. "Mein Beitrag soll sein, dass die CSU und Bayern eine Einheit bleiben", sagte der Euro-Skeptiker bei seiner Kurzvorstellung. Gauweilers Kandidatur hatte wegen seiner wiederholten Kritik an der Europapolitik Angela Merkels für Spannung gesorgt. Gauweiler warb hingegen mit seinen Einflussmöglichkeiten in der Bundespolitik.

In seiner Grundsatzrede hatte Seehofer versucht, seiner Partei Stolz und Zuversicht einzuimpfen und sie damit auf den Kampf um den Machterhalt in Berlin und München 2013 einzuschwören.

"Bayern steht so gut da wie noch nie zuvor in seiner Geschichte", betonte der bayerische Ministerpräsident. "Ich kann Vollzug melden: Auch in den letzten drei Jahren unter meiner Verantwortung ist Bayern die Nummer eins in Deutschland und unter den Top Ten in Europa." Er betonte: "Die CSU ist lebendig, sie ist voller Energie, sie ist die wahre und einzige Volkspartei in Bayern."

Zudem attackierte Seehofer - ohne ihn ein einziges Mal namentlich zu nennen - seinen SPD-Herausforderer für die Landtagswahl, den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, aber auch den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Die Stadt München verdanke ihre gute Situation den Investitionen des Freistaats. "Mit fremdem Geld lässt sich gut stinken."

"Bayern ist nicht stark geworden durch Wehklagen"

Seehofer wies den SPD-Vorwurf zurück, die CSU habe mit der Privatisierung früherer Staatsunternehmen Milliarden verschleudert: "Mit dieser Privatisierung wurde Zukunft finanziert." Bayern habe mit Privatisierungserlösen allein vier Milliarden Euro in Wissenschaft und Bildung investiert. "Wer hier von einer Verschleuderung von Volksvermögen spricht, verkauft die bayerische Bevölkerung für dumm." Wer alles schlechtrede und madigmache, habe es nicht verdient, Bayern zu führen. "Bayern ist nicht stark geworden durch Wehklagen und Jammern, sondern durch aktive und mutige Arbeit."

Steinbrück warf er vor, als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen die Verschuldung in die Höhe getrieben zu haben. "Drei Jahre Steinbrück in NRW - das waren 20 Milliarden neue Schulden", sagte er und rief unter dem Applaus der Delegierten: "Steinbrücks NRW, das ist Griechenland und nicht Bayern." Und dieser "Schuldenkönig" wolle nun erzählen, wie man aus der europäischen Schuldenkrise herauskomme, kritisierte der CSU-Chef.

han/dpa/dapd

insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hardliner 1, 08.10.2011
1. Zauderer und Zögerer
Zitat von sysopEs war zugleich eine Abstimmung über*die*Führungsqualitäten des bayerischen Ministerpräsidenten: Die Delegierten des CSU-Parteitags haben Horst Seehofer mit 89,9 Prozent der Stimmen als Vorsitzenden wiedergewählt. Er konnte*sein Ergebnis vom letzten Mal damit*leicht verbessern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,790679,00.html
Ramsauer hat knapp gegen Gauweiler gewonnen. Die CSUler haben Angst vor der eigenen Courage bekommen. Ich denke, Franz-Josef Strauß dreht sich im Grabe herum. Die Zauderer und Zögerer haben auch bei der CSU das Szepter übernommen.
styxx66 08.10.2011
2. xxx
Seehofer ist ein Lippenmüllproduzent allererster Güte. Er ist ein wankelmütiger Charakter, der schon immer sein Fähnchen in den Wind gehalten hat. Deshalb bin ich der Meinung, Peter Gauweiler wäre die bessere Wahl gewesen.
stanislaus2 08.10.2011
3. Welche Machtprobe?
Seit wann ist eine durchgewunkene Wahl eine Machtprobe? Eine Machtprobe könnte es nur gewesen sein, wenn es einen Gegenkandidaten gegeben hätte.
bansin 08.10.2011
4. Standing Ovation für Merkel
Zitat von styxx66Seehofer ist ein Lippenmüllproduzent allererster Güte. Er ist ein wankelmütiger Charakter, der schon immer sein Fähnchen in den Wind gehalten hat. Deshalb bin ich der Meinung, Peter Gauweiler wäre die bessere Wahl gewesen.
Die Seehofer Schau ist ein Blendwerk für das Wahlvolk. Erst ein wenig Europakritik an der Bundesregierung, dann aber Standing Ovation für Merkel. Dieses durchsichtige Spiel merkt hoffentlich jeder. Wie die hier: http://rundertischdgf.wordpress.com/2011/10/08/csu-parteitag-nur-eurokritisches-blendwerk/
Hardliner 1, 08.10.2011
5. Merkelisierung der CSU geht weiter
Zitat von bansinDie Seehofer Schau ist ein Blendwerk für das Wahlvolk. Erst ein wenig Europakritik an der Bundesregierung, dann aber Standing Ovation für Merkel. Dieses durchsichtige Spiel merkt hoffentlich jeder. Wie die hier: http://rundertischdgf.wordpress.com/2011/10/08/csu-parteitag-nur-eurokritisches-blendwerk/
Der viel gescholtene Stoiber war um Klassen besser als der Herz-Jesu-Sozialist Seehofer. Die Merkelisierung der CSU geht weiter. Die CSU ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.