Grüner Minister Hermann: "Ich fahre zu offiziellen Terminen mit dem Rad"

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann gilt als Vorkämpfer für die Belange von Fahrradfahrern. Im Interview spricht der Grüne über steuerlich absetzbare Dienstfahrräder, rücksichtslose Radler - und kritisiert Bundesverkehrsminister Ramsauers Radverkehrsplan.

Verkehrsminister Hermann: "Mit gutem Beispiel voranfahren" Zur Großansicht
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Verkehrsminister Hermann: "Mit gutem Beispiel voranfahren"

SPIEGEL: Vergangene Woche hat Verkehrsminister Peter Ramsauer von der CSU den Bundesradverkehrsplan vorgestellt - das müsste Sie als Grünen und passionierten Fahrradfahrer doch freuen.

Hermann: Wenn es denn ein konkreter Plan wäre, wenn Herr Ramsauer eine Strategie hätte, wäre das ja auch toll. Das Papier ist eine gute Zustandsanalyse mit vielen Ideen. Aber konkrete Ziele und Maßnahmen habe ich vergeblich gesucht.

SPIEGEL: Der Plan sieht etwa vor, dass der Radverkehrsanteil bundesweit bis 2020 von heute zehn auf 15 Prozent steigen soll.

Hermann: Aber es wurde versäumt, Schritte zu formulieren, wie das denn konkret geschehen könnte. Warum gibt es denn keine Leuchtturmprojekte wie die Förderung von Stellplätzen für E-Bikes oder von Radschnellwegen? Da soll etwas wachsen, und gleichzeitig kürzt Herr Ramsauer die finanziellen Mittel dafür. In zehn Jahren wurde der Etat für den Radverkehr im Bund halbiert, 2013 soll er nur noch rund 60 Millionen Euro umfassen. Bei einem Gesamtbudget für Verkehrsinvestitionen von rund zehn Milliarden Euro. Das ist doch lächerlich.

SPIEGEL: In Baden-Württemberg hat die grün-rote Regierung die Mittel aufgestockt, Sie haben jetzt im Ministerium sogar ein eigenes Radler-Referat geschaffen. Klassische Klientelpolitik?

Hermann: Das ist Quatsch, es fahren doch auch CDU-Wähler mit dem Rad. Uns geht es darum, landesweit Fuß- und Radverkehrskonzepte zu entwickeln. Wir fördern nicht ins Blaue hinein, damit dann plötzlich ein Radweg mitten auf einer Kreuzung endet. Mit den rund sechs Millionen Euro, die wir jetzt eingeplant haben, kommt man im Schienenverkehr oder Straßenbau nicht weit, aber im Radverkehr können wir damit viel bewegen. Radverkehr ist preisgünstig.

SPIEGEL: Für Ihr Ministerium wurden auch vier Elektrofahrräder angeschafft, sogenannte Pedelecs. Nutzen Sie die selbst?

Hermann: Klar, das funktioniert doch nur, wenn man mit gutem Beispiel voranfährt. Wenn möglich komme ich auch zu offiziellen Terminen mit dem Rad. Wie oft Herr Ramsauer seinen Dienstwagen gegen das Rad tauscht, weiß ich nicht.

SPIEGEL: Ramsauer nimmt in seinem Papier auch die Kampfradler ins Visier - zu Recht?

Hermann: Es gibt rücksichtslose Autofahrer, und natürlich gibt es auch unfaire Fahrradfahrer. Wichtiger als polemische Äußerungen wäre eine Kampagne zur Förderung der Radkultur oder zum Tragen von Helmen. Herr Ramsauer sollte sich eher darum kümmern, dass Firmen nicht nur Dienstwagen, sondern auch Diensträder für ihre Mitarbeiter steuerlich absetzen können. Wir hatten das im Bundesrat beantragt, fanden aber leider keine Mehrheit. Das wäre aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Das Interview führte Simone Kaiser

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1.
herr wal 08.09.2012
Zitat von sysopDer baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann gilt als Vorkämpfer für die Belange von Fahrradfahrern. Im Interview spricht der Grüne über steuerlich absetzbare Dienst-Fahrräder, rücksichtslose Radler - und kritisiert Bundesverkehrsminister Ramsauers Radverkehrsplan. Winfried Hermann: Grüner Verkehrsminister im Interview zum Radfahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854649,00.html)
„Der Plan sieht etwa vor, dass der Radverkehrs-Anteil bundesweit bis 2020 von heute 10 auf 15 Prozent steigen soll. Aber es wurde versäumt, Schritte zu formulieren, wie das denn konkret geschehen könnte.“ Stimmt nicht ganz. Die Schritte werden zwar nicht formuliert, aber immerhin praktiziert (wenn auch nicht vom BundesVerkehrsMinister persönlich). Einfach mal beim Vorbeifahren an einer Tankstelle auf die Preisschilder gucken, da steht es doch. Würde das gerne noch genauer erläutern, aber keine Zeit: Muß mit dem Radl zum Bahnhof. Tschüß.
2. Die Chinesen kopieren nur das Beste
peterwmeisel 08.09.2012
Wir hinken mit unserer 130 Jahre alten Technologie, Verbrennungsmotor hinterher? 800 Mio Chinesen fahren Rad. Dank unserer Technik Auto-Mobil vergiften sie ihre Welt. Wir können mit angewandter Öko-Logie neue Ideen leben und dann diese Technik exportieren? Auf dem Hbf S21 sollten wir den Stern durch einen Baum ersetzen: ein Zeichen für Zukunft.
3.
eduardschulz 08.09.2012
Zitat von sysopDer baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann gilt als Vorkämpfer für die Belange von Fahrradfahrern. Im Interview spricht der Grüne über steuerlich absetzbare Dienst-Fahrräder, rücksichtslose Radler - und kritisiert Bundesverkehrsminister Ramsauers Radverkehrsplan. Winfried Hermann: Grüner Verkehrsminister im Interview zum Radfahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854649,00.html)
Der soll seine Arbeit richtig machen, besser gesagt, endlich damit beginnen seine Arbeit überhaupt zu tun; dann ist es mir egal, ob er mit dem Fahrrad oder dem Dienstwagen zu offiziellen Terminen fährt. Vor allem sollte der Hermann endlich erkennen, dass er als Verkehrsminister auch für Pkw- und Lkw-Fahrer zuständig ist. Alleine in unserem Landkreis hat er Finanzierungszusagen für Ortsumfahrungen in zwei Fällen gestrichen. Angeblich hätte die alte Regierung die Sache nicht richtig durchgerechnet, meint er. Jetzt fängt die Gutachteritis also wieder von vorn an. Außerdem fehle das notwendige Geld. Für die Auslagerung seines Ministeriums aus dem Umweltministerium samt mehr als zwei Dutzend zusätzlichen Mitarbeitern war allerdings Geld vorhanden.
4. Empfehlung an Herrn Hermann:
green-grey 08.09.2012
Machen Sie doch einfach den Motorradführerschein! Und fahren Sie Motorrad statt Pedelec. Sie könnten dann endlich - ganz stressfrei die von Ihnen geförderten Radwege links liegen lassen - einen richtigen Helm tragen statt einer Attrappe ohne nennenswerte Schutzwirkung allerdings sollten Sie den Umgang mit Zweirädern dann auch beherrschen. Und bitte, halten Sie sich doch zu Themen zurück, von denen Sie nichts verstehen. Danke.
5. Es sind die Menschen
Eschenbürger 08.09.2012
Zitat von sysopEs gibt rücksichtslose Autofahrer, und natürlich gibt es auch unfaire Fahrradfahrer. Winfried Hermann: Grüner Verkehrsminister im Interview zum Radfahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854649,00.html)
Herr Hermann hätte noch ergänzen sollen: " .. und oft sind es dieselben Personen.". Damit wäre klargestellt, dass eine Eigenschaft wie "Rücksichtslosigkeit" zum jeweiligen Menschen gehört und nicht zu dessem aktuell benutzten Fortbewegungsmittel. Allerdings lässt sich mit Autos ein ungleich größerer Schaden anrichten als mit Fahrrädern.
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