Bundestagswahl 2017 Kretschmann plädiert für Schwarz-Grün im Bund

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht sich im SPIEGEL für eine schwarz-grüne Koalition im Bund aus. Die Kanzlerin empfing den Grünen-Politiker jüngst zum vertraulichen Abendessen.

Angela Merkel und Winfried Kretschmann (im Oktober 2013)
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Angela Merkel und Winfried Kretschmann (im Oktober 2013)

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Es ist kein Geheimnis, dass Angela Merkel und Winfried Kretschmann schon im Herbst 2013 gern ein schwarz-grünes Bündnis geformt hätten, das erste im Bund. Damals aber waren der linke Flügel der Grünen und weite Teile der CSU dagegen. Das Projekt scheiterte.

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Gegner einer Koalition aus Union und Grünen im Bund gibt es noch immer - meist sind es dieselben wie damals. Nach der Bundestagswahl 2017 aber wollen Merkel und Kretschmann besser vorbereitet sein. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Am vorigen Sonntag trafen sich die beiden, mitten in Kretschmanns Urlaubszeit, zum vertrauten Abendessen im Kanzleramt. Über die Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart, aber man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass es dabei auch um ihr schwarz-grünes Projekt ging. Mehrere Stunden saßen die Kanzlerin und der Ministerpräsident aus Baden-Württemberg beisammen, der Abend dauerte länger als geplant.

Gerade Kretschmann, der im Südwesten seit einigen Monaten gemeinsam mit der CDU als Juniorpartner regiert, macht inzwischen keinerlei Hehl mehr aus seiner Meinung, dass Union und Grüne auch im Bund die beste Koalition abgeben würden. Im SPIEGEL spricht er sich nun klar für ein solches Bündnis nach der Wahl im kommenden Jahr aus. Schwarz-Grün passe einfach in unsere Zeit, die geprägt sei von Unsicherheit und Krisen, sagt Kretschmann.

Schwarz-grüne Aufgabenteilung

Über den gesellschaftlichen Über- oder Unterbau für diese Koalition hat sich der Ministerpräsident bereits etliche Gedanken gemacht. Begründen ließe sich das Bündnis aus seiner Sicht problemlos. "Es kommt jetzt darauf an, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern", sagt er dem SPIEGEL. "Es geht darum, Freiheit und Individualismus zu erhalten und zugleich dem wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit gerecht zu werden." Freiheit und Individualismus werden dabei aus Kretschmanns Sicht von den Grünen verkörpert - für das Versprechen auf Sicherheit stünde bei dieser Aufgabenteilung die Union.

Für Merkel ist Kretschmann die zentrale Figur in der Vorbereitung eines schwarz-grünen Bündnisses - insbesondere, weil er ein gutes Verhältnis zu CSU-Chef Horst Seehofer pflegt.

Verstehen sich: CSU-Chef Horst Seehofer und Winfried Kretschmann
DPA

Verstehen sich: CSU-Chef Horst Seehofer und Winfried Kretschmann

Allerdings gibt es viele Grüne, die Kretschmanns Vorliebe für Schwarz-Grün und die Kanzlerin so nicht teilen. Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin etwa wirbt offensiv für ein rot-rot-grünes Bündnis - weil "die Schnittstellen mit den Sozialdemokraten und auch mit weiten Teilen der Linken einfach höher sind als mit der CDU und vor allem der CSU". So hatte Trittin seine Präferenz jüngst im SPIEGEL begründet. Im Zweifel koaliere er lieber mit Sahra Wagenknecht als mit Horst Seehofer, der "kaum noch von Viktor Orban zu unterscheiden" sei.

Kretschmann als Bundespräsident?

Diese unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der Grünen spielen auch bei der nun anstehenden Suche nach einem Nachfolger von Joachim Gauck als Bundespräsident eine Rolle. Viele Parteilinke wünschen sich einen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Linken und Grünen. Als Name wird der Schriftsteller Navid Kermani genannt, der wohl für alle drei Parteien akzeptabel wäre.

Kretschmann erteilt derlei Überlegungen im SPIEGEL nun eine klare Absage: Er sprach sich gegen die Idee aus, einen Kandidaten ohne politische Erfahrung zu nominieren. "Es sollte ein ausgewiesener, erfahrener Politiker sein", sagt er. "Es ist jetzt nicht die Zeit für Experimente. Er sollte politisch versiert und zugleich in der Lage sein, das Land parteiübergreifend zusammenzuhalten."

Merkel versucht derzeit, ein möglichst breites Bündnis für den künftigen Bundespräsidenten zu finden, der im Februar 2017 von der Bundesversammlung gewählt wird. Genannt wird dabei auch immer wieder Kretschmann selbst. Allerdings darf bezweifelt werden, dass Merkel ihrer Partei einen grünen Kandidaten zumuten wird, egal wie konservativ der auch sein mag.

Kretschmann selbst sagt, dass er nicht nach dem Präsidentenamt strebe. Aber eine große Ehre wäre es ihm wohl schon.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 328 Beiträge
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Seite 1
Bürger Icks 26.08.2016
1. Da wär ja jetzt nun...
...wirklich Niemand drauf gekommen... xD
brotfresser 26.08.2016
2. Der Mauschler
will wohl Bundespräsident werden. Übridens aus dem Duden: Synonyme zu mauscheln: betrügen, täuschen
Meskiagkasher 26.08.2016
3.
Schwarz-Grün im Bund? Hat Kretschmann Ambitionen Vizekanzler zu werden? Dann wäre BaWü ihn wenigstens los, und der buchstäbliche Christ-Demokrat mit dem Hang zur Predigt versteht sich mit der Pfarrerstochter ja eh schon prima. Dann hätten die Grünen in BaWü wieder eine Chance auf eine grüne Politik, anstatt für den de-facto schwarzen Kretschmann auf echte grüne Positionen verzichten zu müssen.
kevin.alleinzuhaus 26.08.2016
4. Kanzlerkanditat
wäre er auch ein guter Kanzler ?
horstotto 26.08.2016
5. Na denn man los
Grün ist das neue Gelb. Aber nach dem Hamburger Verrat (CDU+Grün) wundert einen nichts mehr, die möchten auch gerne aus goldenen Becherchen trinken ...
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