Kretschmann kritisiert NRW-Grüne "Gesinnungsethischer Überschuss"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann übt nach der Niederlage der Grünen in Nordrhein-Westfalen Kritik: Die Partei müsse sich auf Kernthemen konzentrieren - und aufhören, Koalitionen auszuschließen.

Winfried Kretschmann
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Nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen läuft bei den Grünen die Aufarbeitung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann tadelte nun in einem Interview den Wahlkampf seiner Parteifreunde: "Wir haben dort einen eher vom linken Flügel dominierten Landesverband", sagte Kretschmann der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Da gibt es immer einen gesinnungsethischen, einen idealistischen Überschuss. Das kann leicht nach hinten losgehen."

Die Grünen hatten ihr Ergebnis im Vergleich zu 2012 fast halbiert (6,4 nach zuvor 11,3 Prozent) und müssen in die Opposition. NRW-Bildungsministerin und Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann konnte beim Wähler nicht punkten - im Gegensatz zu Robert Habeck und Monika Heinold eine Woche zuvor in Schleswig-Holstein.

Kretschmann fordert von seiner Partei mehr Konzentration auf grüne Kernthemen. Man dürfe sich "nicht immer an Themen abarbeiten, bei denen wir nichts gewinnen können - wie etwa die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer auf die Maghreb-Staaten", sagte er den Zeitungen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte Kretschmann, es gelte zu verhindern, dass die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir "in dieselbe Situation kommen wie der SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vor vier Jahren". Da habe das Programm nicht zum Kandidaten gepasst. Steinbrück musste bei der Bundestagswahl 2013 als pragmatisch geltender Kanzlerkandidat eher linke Wahlversprechen seiner Partei vertreten.

Als "Unsinn" bezeichnete es Kretschmann, vor einer Wahl bestimmte Koalitionen auszuschließen. "Wir Grüne haben schon in sieben verschiedenen Konstellationen regiert", sagte er: "Ich habe noch nie den Vorwurf gehört, wir hätten in einer dieser Koalitionen unsere Kernthemen verraten." Die Grünen in Nordrhein-Westfalen hatten vor der Landtagswahl erklärt, kein Bündnis mit CDU und FDP eingehen zu wollen.

cte/dpa

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insgesamt 172 Beiträge
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Seite 1
kurt-aus-kienitz 19.05.2017
1. Gute Tipp, ...
... immer schön das Fähnchen nach dem Wind hängen, damit man mitregieren kann.
ulrich_loose 19.05.2017
2. Auch bei Kretschmann
die ZK Vokabel "Wir Grünen" um das kuschelige Wir Gruuuppengefühl zu vermitteln. Aber zur Sache - das Mann irrt. Natürlich kann man Koalitionen ausschließen, ja, man muss das sogar um ernst genommen zu werden. Wenn die GrünInnen mit jedem - natürlich außer der AfD - ins Bett gehen kann, dann ist das negativ zu bewerten. Wenn also die GrünInnen genau so gerne mit der "kommunistischen" DIE LINKE kann, wie auch mit der "neoliberalen" FDP, dann sagt das nichts über die "Weltoffenheit" der GrünInnen aus, das macht nur deren "Machtgeilheit" deutlich zur Not auch mit Unpassendem zu koalieren, Hauptsache man kommt an die Macht und vor allem an Pöstchen.
querdenker1964 19.05.2017
3. Wo er recht hat, hat er recht -
der Herr Kretschmann. Der NRW Landesverband ist geistig offensichtlich in den 80gern stecken geblieben - bei Brockdorf und Startbahn West - so machen sich Grüne selbst überflüssig. Was Kretschmann fordert, nennt man Politikfähigkeit - was Frau Löhrmann bietet ist genau das, was nicht gebraucht wird - Ideologie!!
Jobuch 19.05.2017
4. Ohne Kretsch
sind die Grünen auch in Baden-Württemberg wieder bei 7% plusminus - grüne Kern-Themen hin oder her. Ich weiß es nicht, an was es liegt, aber bei Nennung der Partei "Die Grünen", kommt mir immer unweigerlich ein Komposthaufen in den Sinn - und mithin dessen leicht modriger Geruch.
think-twice! 19.05.2017
5. Grünes Drehbuch für einfache Gemüter
ein bisschen parteiinterne Kritik vom grünen CDUler Kretschmann, abgestimmt und orchestriert. Dann Ruf nach stärkerer Rolle von ihm im BT Wahklkampf und möglicher (fake news) Ministerrolle. Dieses Possenspiel soll 5% verlorene Wähler zurück gewinnen. Das mag klappen mit einfachen Gemütern, also dem typischen naiven deutschen Michel, aber die Partei bleibt wie sie ist: weltfremd und unwählbar.
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