Baden-Württemberg Kretschmann kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik

Ministerpräsident Kretschmann galt als großer Verteidiger Merkels. In einem Interview sagt der Grüne nun, in der Flüchtlingskrise müsse man langfristig denken - und das sei "nicht so sehr der Beritt der Kanzlerin".

Winfried Kretschmann
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Winfried Kretschmann


In einem Zeitungsinterview hat der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisiert. "Man muss in längeren Linien denken", sagte der Grünen-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das sei seinem Eindruck nach "nicht so sehr der Beritt der Kanzlerin". Er habe großen Respekt vor Angela Merkel, aber: "Nur Karl Popper, nur Stückwerktechnologie reicht nicht."

In der Vergangenheit hatte Kretschmann Merkels Umgang mit der Flüchtlingskrise in teils höchsten Tönen gelobt und offensiv verteidigt. In einem Interview hatte er sogar gesagt, er bete täglich für die Gesundheit der Kanzlerin.

Über die rechtspopulistische AfD sagte Kretschmann in dem FAZ-Interview, man müsse deren Wählerschaft differenziert sehen: "Ein Teil der AfD ist rechtsradikal, den muss man in der Tat dämonisieren, aber alle anderen nicht."

Kretschmann stellt sich am Donnerstag im Landtag zur Wiederwahl. Nach der Einigung von Grünen und CDU auf eine Koalition unter seiner Führung soll der 67-Jährige Regierungschef der ersten grün-schwarzen Landesregierung werden. Auch das neue Kabinett soll vom Parlament bestätigt werden.

Am Mittwoch war die 50-jährige Grünen-Abgeordnete Muhterem Aras mit großer Mehrheit zur neuen Landtagspräsidentin gewählt worden. Sie ist die erste Muslimin an der Spitze des baden-württembergischen Landesparlaments.

aar



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