Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann lästert über Söders Kreuz-Verordnung

Wie eine Szene aus einem "Vampirfilm": So beschreibt Winfried Kretschmann das Bild seines bayerischen Amtskollegen Markus Söder mit Kreuz in der Hand. Dessen Politikstil sei "aus der Zeit gefallen".

Winfried Kretschmann
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Winfried Kretschmann


Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" über Markus Söder (CSU) lustig gemacht. Die Kreuz-Verordnung des bayerischen Ministerpräsidenten kritisierte er in dem Gespräch als Ausdruck eines "hilflosen, ja eines heillosen Konservativismus". Beim Betrachten eines Fotos von Söder mit Kreuz in der Hand habe er gar "an Vampirfilme denken" müssen, spottete Kretschmann.

Zum politischen Stil und der inhaltlichen Ausrichtung von konservativen Unionspolitikern wie Söder oder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte er im Interview weiter, dieser Ansatz sei "aus der Zeit gefallen" und "rückwärtsgewandt". Kretschmann führt in Stuttgart eine grün-schwarze Koalition.

Dort steht er gerade selbst unter Druck. Die Abwahl des grünen Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon hatte die Krise der baden-württembergischen Landesregierung noch verschärft (mehr dazu erfahren Sie hier). Die Krise hatte sich auch deshalb zugespitzt, weil die CDU-Landtagsfraktion eine gemeinsam vereinbarte Wahlrechtsreform platzen ließ. Diese sollte auf Initiative der Grünen den äußerst niedrigen Frauenanteil im Parlament erhöhen.

Nachfolge von Özdemir "durchaus vorstellbar"

Im "SZ"-Interview gibt sich Kretschmann dennoch unbeirrt. Mit Blick auf die Landtagswahl im Jahr 2021 sagte er: "Alle wollen, dass ich weitermache". Wenn er vor der nächsten Wahl gesund sei und das Gefühl habe, seine Kandidatur sei erwünscht, bestünde diese Möglichkeit durchaus. Eine Entscheidung werde er aber erst in einem bis eineinhalb Jahren treffen, sagte Kretschmann.

Schon Anfang Januar hatte er eine mögliche Kandidatur für eine dritte Amtszeit angedeutet. "Sie müssen damit rechnen, dass ich noch mal antrete", sagte Kretschmann damals. Er betonte zugleich, er wisse heute nicht, wie es ihm in zwei Jahren gehe, was dann mit der Bundespartei sei und wie ihn dann seine Enkel faszinierten.

In der "Süddeutschen Zeitung" reagierte Kretschmann auch auf Spekulationen, der frühere Grünen-Bundeschef Cem Özdemir könne ihn eines Tages beerben. Das sei "durchaus vorstellbar", sagte der Ministerpräsident, fügte aber hinzu: "Es ist nicht leicht für einen Bundespolitiker, in die Landespolitik zu wechseln."

vks



insgesamt 87 Beiträge
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kraus.roland 08.05.2018
1. Das ist es:..
..Söder hat das Kreuz genommen und zu sich heruntergezogen! Zwar nur für einen Fototermin und weil in Bayern Wahlkampf ist, aber eben darum hat er sich eine blasphemische Entgleisung geleistet und seine Ferne zur christlichen Botschaft bewiesen.
Baustellenliebhaber 08.05.2018
2.
Herr Kretschmann hatte genau meinen Gedanken, ich musste bei Söders Foto mit dem Kreuz auch an "Tanz der Vampire" denken.
emobil 08.05.2018
3. Knoblauch fehlt!
Zitat von BaustellenliebhaberHerr Kretschmann hatte genau meinen Gedanken, ich musste bei Söders Foto mit dem Kreuz auch an "Tanz der Vampire" denken.
Ja stimmt, daran musste ich auch sofort denken. Immerhin ein Vorteil: in bayerischen Behörden kann ich dann relativ sicher vor Vampiren sein. Knoblauch fehlt allerdings noch - aber gehört dies zur "deutschen Heimatkultur"?
descartes 08.05.2018
4. konservativ?
Söders Politik konservativ zu beschreiben, ist ja fast schön geredet, denn das würde ihm ja immer noch zugute halten, er versuche einen Zustand zu bewahren. Da es diesen Zustand so noch nie gegeben hat, würde ich diese Politik eher als nostalgisch rückwärtsgewandt bezeichnen. Denn Nostalgie beschreibt auch den Zustand, der so nie erlebbar war. Etwas, was er wohl nicht zufällig mit der AfD gemein hat, die Zeiten und Zustände bewahren will, die es so nie gab und sich selbst dabei als konservativ beschreibt.
klausbrause 08.05.2018
5.
Zitat von emobilJa stimmt, daran musste ich auch sofort denken. Immerhin ein Vorteil: in bayerischen Behörden kann ich dann relativ sicher vor Vampiren sein. Knoblauch fehlt allerdings noch - aber gehört dies zur "deutschen Heimatkultur"?
Wobei nicht ganz klar ist, ob Kreuze nicht nur für christlich geprägte Vampire abschreckend wirken.
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