Grüne Kretschmann stellt Doppelspitze infrage

Eine Frau, ein Mann; ein Linker, ein Realo - vielen Grünen ist das Prinzip Doppelspitze heilig. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann nennt so eine Konstellation jetzt "Schönwetterveranstaltung".

Winfried Kretschmann
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Winfried Kretschmann


Der Wahlsieger von Baden-Württemberg und der laut Umfragen derzeit beliebteste Politiker Deutschlands hat eine Grundüberzeugung seiner eigenen Partei in einem Interview scharf kritisiert: Winfried Kretschmann sagte der "Süddeutschen Zeitung" , es sei eine "Schönwetterveranstaltung", wenn die Grünen "ein Quartett" anbieten würden mit Doppelspitzen in Partei und Fraktion.

Die Lehre aus seinem Wahlsieg im Südwesten sei, dass die Wähler eine eindeutige Personalisierung wollen, so Kretschmann. Ja, früher sei die paritätische Besetzung von Spitzenposten mit Frauen und Männern richtig gewesen. "Jetzt heißt Doppelspitze aber immer auch: Realo - Linker. Nur, in der Politik muss man sich für den einen oder den anderen Weg entscheiden", zitiert die SZ den Grünen. 30 Jahre habe er gegen diese Konstruktion gekämpft, "in manchen Dingen muss man als Politiker auch mal resignieren".

Kretschmann argumentiert aus einer Position der Stärke heraus. Mit ihm an der Spitze waren die Grünen bei der baden-württembergischen Landtagswahl im März mit 30,3 Prozent der Stimmen erstmals als stärkste Kraft in ein Parlament eingezogen. Kretschmann verhandelt mit der CDU über die Bildung einer grün-schwarzen Regierung, ist aber in seiner Partei nicht unumstritten.

Derzeit konkurrieren vier Grüne um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2017: Parteichef Cem Özdemir tritt bei einer Urwahl gegen den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Anton Hofreiter , und den stellvertretenden Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, an. Auch Hofreiters Co-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt erklärte ihre Kandidatur. (Alle Hintergründe zur Spitzenkandidatur bei den Grünen lesen Sie hier. )

Wenn die Grünen, anders als es Kretschmann jetzt fordert, bei einer Doppelspitze mit mindestens einer Frau bleiben, hat Göring-Eckardt natürlich im Vergleich mit ihren männlichen Mitbewerbern die besten Chancen.

otr

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insgesamt 96 Beiträge
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jkrose 19.04.2016
1. Einmal mehr
wo er (Kretschmann) Recht hat.
Kepchen 19.04.2016
2. Optional
Kretschmann ist wahrhaftig ein wahrer Konservativer. Grüne Ideale scheinen ihm immer fremder zu werden... Ich frage mich immer, wo diese Beliebtheitsstatistiken herkommen. Wen außer die Baden-Württemberger interessiert, was Kretschmann da so macht? Bundespolitisch ist er bisher recht wenig aufgefallen. Außerdem noch eine Bitte an den Autor dieses Textes: Bitte den Artikel erst Korrektur lesen, bevor er veröffentlicht wird. Zweimal "Gründe" statt "Grüne" und zu sagen, Kretschmann sei "aber in seiner Partei nicht umstritten" sind ein paar viele Fehler in so einem kurzen Artikel...
paul_a.stevens 19.04.2016
3. Jawohl!
Recht hat er! Mann-Frau, Realo-Fundi, links-rechts, wir wollen alle einschließen, keinem Weh tun. Und was kommt dabei raus? Profillosigkeit. Beliebigkeit. Langeweile. Abwahl!
Atheist_Crusader 19.04.2016
4.
"Schönwetterveranstaltung" ist noch nett ausgedrückt, für ein ekelhaft biogottes Prinzip, das die angeblich liberale Agenda der Grünen als als Ideenträger der dämlichsten Auswüchse des revanchistischen Radikalfeminismus gebraucht. Das Schlüsselwort fällt am Ende: "Doppelspitze mit mindestens einer Frau". Es geht ohne Männer, aber nicht ohne Frauen. Wie Jemand dem angeblich etwas an Gleichberechtigung liegt so einen Schwachsinn verzapfen kann, werde ich nie begreifen. Aber gut, ich bin auch kein Grünen-Wähler. Und werde es wohl auch nie werden.
neutralwald 19.04.2016
5. Warum überrascht?
Kretschmann ist Merkels oberster CDU-Mann bei den Grünen. Er ist der Ansicht, dass diese Meinung öffentlich zu äußern ihm hilft. Wenn es seiner Position nützen würde, würde er behaupten der Himmel sei grün. Er würde mit SPD, FDP, der Linken, CDU, CSU etc. koalieren.
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