Wirbel um Sylt-Urlaub Wulffs Fünf-Sterne-Freund

Partys, Promis, schicke Hotels: Produzent David Groenewold führte Christian Wulff in die Glitzerwelt der Filmstars ein. Inzwischen wird die Freundschaft für beide immer mehr zur Belastung. Ein gemeinsamer Luxus-Urlaub auf Sylt wirft neue Fragen auf.

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DPA

Berlin - Es läuft nicht gut für David Groenewold in diesen Tagen. Groenewold hat den neuen Helmut-Dietl-Film "Zettl" mit produziert, und der wird gerade zum veritablen Flop. Die Kritiken sind fast durchweg vernichtend, das Kinopublikum verschmäht den Streifen. Vielleicht liegt es daran, dass die Wirklichkeit des Hauptstadtbetriebs derzeit viel aufregender ist als die Berlin-Satire. Eine Wirklichkeit, in der auch Groenewold eine Rolle spielt. Eine unrühmliche Rolle, "ein Fall für die Staatsanwaltschaft", wie die SPD meint.

Es geht, wieder einmal, um Groenewolds Freundschaft zu Christian Wulff. "Vertuschungs-Verdacht", titelt die "Bild"-Zeitung an diesem Mittwoch und fragt: "Wer zahlte Wulffs Sylt-Urlaub?" Die vermeintliche Antwort gibt es auf der zweiten Seite: Ein Foto des Filmproduzenten ist zu sehen, gemeinsam mit dem Ehepaar Wulff. Im Text wird beschrieben, wie Groenewold mit den prominenten Freunden im Herbst 2007 ein paar Tage im schicken "Hotel Stadt Hamburg" in Westerland verbracht hat. Wie er erst die Rechnung des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten bezahlt hat. Wie Groenewold jetzt angeblich im Hotel dafür zu sorgen versucht haben soll, dass die Öffentlichkeit von alldem nichts erfährt. Wollte da jemand Spuren verwischen?

Klar ist: Groenewold, der Mann des Films, schätzt diese Art von Rampenlicht nicht. Sein Anwalt fährt am Mittwoch schweres Geschütz auf, droht mit Gegendarstellung, Unterlassung, Beschwerden beim Presserat. Der Vertuschungsvorwurf entbehre jeder Grundlage, erklärt er, verbreitet als Beleg ein Schreiben der Hoteldirektion. Aus dem geht hervor, dass Groenewold tatsächlich um "vertrauliche Behandlung" gebeten habe, "insbesondere gegenüber Journalisten". Und dass er sich vor einigen Wochen eine Kopie der damaligen Rechnung persönlich im Hotel mit dem Fünf-Sterne-Komfort abgeholt habe.

Warum? Das bleibt offen. Er habe jedenfalls nie darum gebeten, "die Unterlagen zu Ihrem Aufenthalt in unserem Hause zu vernichten, zu manipulieren oder ähnliches", bestätigt ihm das Hotel. Auch Wulffs Anwalt meldet sich zu Wort: Groenewold habe gebucht und zunächst bezahlt, der heutige Bundespräsident die Kosten seinem Freund aber umgehend erstattet - "in bar im Hotel beim Auschecken".

Man kann das alles glauben oder nicht, die Staatsanwaltschaft wird die neuen Berichte prüfen. Auf jeden Fall passt die Episode ins Bild: Auf der Suche nach ein bisschen Glamour und Luxus hat Wulff im Umgang mit seinen Freunden aus der Glitzergesellschaft schon früh den Instinkt dafür verloren, dass er als Amtsträger auch nur jeden bösen Anschein fehlender Unabhängigkeit vermeiden sollte.

Filmproduzent Groenewold taucht dabei nicht zum ersten Mal in der in der seit Wochen schwelenden Affäre um den ersten Mann im Staat auf. Bei einem weiteren gemeinsamen Sylt-Urlaub soll Groenewold ebenfalls zuerst bezahlt, dann aber das Geld bar wiederbekommen haben. Mitte Januar berichtete der SPIEGEL von einer Einladung auf das Münchner Oktoberfest. Der Ministerpräsident übernachtete im September 2008 mit seiner Gattin im Fünf-Sterne-Hotel Bayerischer Hof. Wulff zahlte zwar eine Rechnung, das 400-Euro-Upgrade für die Suite aber übernahm Groenewold. Wulff gab sich ahnungslos, versprach eventuelle Differenzen sofort zu erstatten. Auch ein Jubelbuch über Wulff warf Fragen auf. Im Jahr 2005 zahlte Groenewold dem Autor, einem CDU-nahen Journalisten, 10.000 Euro - angeblich nicht für das Buch, sondern für Rhetorik-Training. Es gibt dazu auch andere Versionen. Wulff ließ ausrichten: Er wisse von nichts.

Wulff distanziert sich von Groenewold

Kennengelernt haben sich Wulff und Groenewold bei Dreharbeiten zum "Wunder von Lengede" im Jahr 2003, einem TV-Hit, den Groenewold seinerzeit mit seinem Filmfonds GFP finanziert. Man freundete sich an, der Produzent öffnete dem frischen Ministerpräsidenten die Türen zu einer schillernden Welt. Wulff tummelte sich auf Filmpartys, Groenewold schmiss auch mal ein Fest zu seinen Ehren - und gleichzeitig entdeckte Wulff das Filmgeschäft als Thema für seine Politik.

Er setzte sich 2005 für den Erhalt von Filmfonds ein, wie Groenewold sie betrieb. Die waren seinerzeit als windige Steuersparmodelle in Verruf gekommen. Zudem gewährte die Landesregierung einer kleinen Filmfirma, an der Groenewolds Produktionsgesellschaft Odeon Mehrheitseigner war, im Jahr 2006 eine Fünf-Millionen-Euro-Bürgschaft. In einer Pressemitteilung jubelte der Freund des Landesvaters, man habe den Standort Niedersachsen "ganz bewusst" gewählt, da Wulff hier "mit viel persönlichem Einsatz wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Medienlandschaft gibt".

Meinte es Groenewold also nicht ganz uneigennützig so gut mit Wulff? Groenewolds Anwalt widerspricht am Mittwoch einmal mehr dem Eindruck, dass geschäftliche und private Interessen vermischt worden sein könnten. Wulffs Vertreter Gernot Lehr betont, dass die Bürgschaft nie zum Tragen gekommen sei. Ungewöhnlich scharf attackiert der Anwalt des Präsidenten die Medien: Die Berichterstattung sei "ein weiterer unzulässiger Versuch, das Ansehen unseres Mandanten nachhaltig zu beschädigen".

Das Staatsoberhaupt geht allerdings auch auf Distanz zu Groenewold. Von dessen Kontakten zum Hotel auf Sylt in den vergangenen Wochen habe Wulff keine Kenntnis gehabt. "Er wusste nicht, dass Herr Groenewold das Hotel aufsuchte und dort angeblich darauf drängte, anfragenden Medien keine Auskunft zu geben sowie Unterlagen über einen Aufenthalt im Jahr 2007 auszuhändigen", schreibt Lehr. "Christian Wulff hielte eine solche Vorgehensweise in jeder Hinsicht für falsch." Wulff spricht aus Erfahrung: Mit einem drohenden Anruf auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hatte er einst die Berichterstattung über den Privatkredit für sein Haus begleitet und dafür massive Kritik eingesteckt.

Filmemacher Groenewold bleibt einstweilen der Zuspruch aus der Branche. "Zettl"-Regisseur Helmut Dietl lobte seinen Produzenten zuletzt ausgiebig. "Er ist ein bisserl chaotisch, das stimmt", ließ Dietl wissen, "aber ich persönlich kann nix Negatives über ihn sagen."

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Seite 1
MarkusW77 08.02.2012
1. hahaha
Zitat von sysopDAVIDSPartys, Promis, schicke Hotels: Produzent David Groenewold führte Christian Wulff in die Glitzerwelt der Filmstars ein. Inzwischen wird die Freundschaft für beide immer mehr zur Belastung. Ein gemeinsamer Luxus-Urlaub auf Sylt wirft neue Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814042,00.html
biiiittteeee aufhören! ich kann bald nicht mehr vor lachen!!! "in bar bezahlt!!!???" welchen Sinn ergibt es, das erst der Groenwald die Rechnung bekommt, und Wulff das isn Bar begleicht??? Entweder Steuerhinterziehung vom Groenewald- Spesen absetzen und das natürlich mit Wulffs wissen (so blöd ist auch der nicht) oder aber WC lügt schon wieder. Das ist alles tausendmal lustiger als Nuhr sein Satiregipfel;-)) besser wie der Wulff Krieg gehts nicht ;-))))
zürich-münchen 08.02.2012
2. Was für ein Trauerspiel
Glaubt dieser Bundespräsident tatsächlicht, dass er sich in seinem Amt halten und von den Deutschen als geachteter und legitimer Vertreter weiterwuffeln kann? Der Mann scheint völlig realtitätsfremd und intelligenzmässig unterdotiert zu sein.
altundgrau 08.02.2012
3. ...was ist an dem jammervollen Benehmen neu?
Zitat von sysopDAVIDSPartys, Promis, schicke Hotels: Produzent David Groenewold führte Christian Wulff in die Glitzerwelt der Filmstars ein. Inzwischen wird die Freundschaft für beide immer mehr zur Belastung. Ein gemeinsamer Luxus-Urlaub auf Sylt wirft neue Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814042,00.html
Beindruckend ist eigentlich nur, daß die gesamte politische Klasse sich eigenartig bedeckt hält - von ein paar Pflichtkommentaren abgesehen. Es gibt gar keine Alternative zum Rücktritt - politisch nicht (auch wenn's die politischen Kreise stört), moralisch schon gar nicht. Wenn er erst durch einen Richterspruch aus dem Amt gefegt werden will, auch gut, denn dann ohne "Ehrensold". Schon die Bezeichnuhng i.Z. mit Wulff ist ein perfektes Paradoxon - eine Realsartire unterhielte/belustigte ja wenigstens noch. Mal sehen was unsere Politker sich von diesem Möchtegern-Reichen noch alles auf ihr ohnehin schon unterirdisches Gesamtimage packen lassen, bevor ihnen klar wird, welche dramatischen Folgen diese Causa und ihr beredtes Schweigen auch auf sie haben wird.....
produster 08.02.2012
4.
Zitat von sysopDAVIDSPartys, Promis, schicke Hotels: Produzent David Groenewold führte Christian Wulff in die Glitzerwelt der Filmstars ein. Inzwischen wird die Freundschaft für beide immer mehr zur Belastung. Ein gemeinsamer Luxus-Urlaub auf Sylt wirft neue Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814042,00.html
Hören Sie endlich auf, diesen Mann durch immer neue Affärchen hochzuschreiben. Sie geben Wulff eine Aufmerksamkeit, die ein trivialer Typ wie er gar nicht verdient hat. Soll er doch mit seinen reichen Freunden segeln gehn: wenn es danach ginge, wer mit wem rumkungelt, saufen geht, wer wem Gefälligkeiten erweist oder vom wem entgegen nimmt, dann könnten doch alle zurück treten. Das gilt auch für Journalisten, die sind nämlich die Weltmeister im wahrnehmen von Vorteilen, Sonderrabatten und gesponserten Einladungen. Nähe zu Politik und Wirtschaft heißt das dann. Die Frage ist doch: wie kann ein gesichtsloser Apparatschik wie Wulff, wie kann ein lebloser Roboter wie Westerwelle überhaupt in solche Positionen kommen?
altmannn 08.02.2012
5. Wohl dem,
Zitat von sysopDAVIDSPartys, Promis, schicke Hotels: Produzent David Groenewold führte Christian Wulff in die Glitzerwelt der Filmstars ein. Inzwischen wird die Freundschaft für beide immer mehr zur Belastung. Ein gemeinsamer Luxus-Urlaub auf Sylt wirft neue Fragen auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814042,00.html
der immer genug Bares dabei hat. Bargeld lacht.
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