Ärger über die Kanzlerin: Wirtschaft empört über Merkels Vorstoß zu Managergehältern

Zwischen der Industrie und Schwarz-Gelb bahnt sich ein heftiger Konflikt an: Die Wirtschaft reagiert empört auf den Vorstoß der Kanzlerin, Managergehälter neu zu regeln. BDI-Präsident Grillo geißelt Merkels Pläne als "Wahlkampf-Schnellschuss" und wirft ihr vor, die eigene Politik zu konterkarieren.

Kanzlerin Merkel: Auf Konfrontation mit den obersten Firmenetagen Zur Großansicht
REUTERS

Kanzlerin Merkel: Auf Konfrontation mit den obersten Firmenetagen

Berlin - Der Vorstoß von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Regulierung von Managergehältern sorgt für massiven Ärger in der Wirtschaft. "Mit den Plänen zur gesetzlichen Neuregulierung bei der Vorstandsvergütung liefert die Regierung einen echten Wahlkampf-Schnellschuss", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, SPIEGEL ONLINE. "In Deutschland besteht kein Bedarf für eine gesetzliche Neuregulierung."

Die Kanzlerin hatte zuvor die "Maßlosigkeit" einiger Managergehälter kritisiert. Es habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, das Thema ausschließlich der Selbstregulierung der Wirtschaft zu überlassen, sagte die Kanzlerin in einem Interview. Merkel hatte sich dafür ausgesprochen, nun nach Lösungen zu suchen, wie nicht mehr nur die Aufsichtsräte, sondern auch die Aktionärshauptversammlungen die Vergütungen festlegen können.

Grillo warf der Bundesregierung vor, ihre eigene Politik in Frage zu stellen. "Damit konterkariert sie ihre bisherigen Bemühungen", so der BDI-Präsident. "Vor einigen Jahren hat sie die Verpflichtung des Aufsichtsrats auf die Einhaltung der Angemessenheit noch weiter geschärft. Mit Erfolg, denn die Sensibilität bei den Verantwortlichen in Deutschland ist ausgeprägt. Vorstände und Aufsichtsräte agieren verantwortungsbewusst, die Durchschnittsgehälter für Vorstände in deutschen Unternehmen sind erheblich niedriger als bei vergleichbaren Unternehmen in der Schweiz oder den USA."

Im Übrigen könne schon heute die Vergütung durch die Hauptversammlung diskutiert werden. Dabei würden regelmäßig "hohe Zustimmungsergebnisse" erzielt, sagte Grillo.

Die Debatte über gesetzliche Maßnahmen zur Begrenzung von Spitzengehältern hatte sich an einem Volksentscheid in der Schweiz entzündet. Besonders aus der Opposition waren zuletzt Rufe nach einem Einschreiten des Gesetzgebers laut geworden. Die Koalition hatte vor diesem Hintergrund angekündigt, noch vor der Sommerpause eine Regelung zur Begrenzung der Vergütungen von Top-Managern beschließen zu wollen. Im Gespräch ist eine Änderung des Aktienrechts, bei der die Hauptversammlung über die Gehälter entscheiden soll. Die Wirtschafts- und Rechtspolitiker in der Koalition wurden mittlerweile damit beauftragt, entsprechende Schritte vorzubereiten.

vme

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Unverschämt
Unterthan 14.03.2013
Seltsamerweise empört sich "die Wirtschaft" nicht, wenn ihre Billigjobs von der Regierung subventioniert werden. Auch sonstige grenzwertige Zuwendungen werden gerne angenommen.
2. Grillo?
CafeAuLait 14.03.2013
war beim lesen des Abstraktes kurz ins Stocken geraten. Auf jeden Fall gibt es jemanden, mit dem sich der BDI-Präsident mal zusammenaetzen sollte ...
3. Gibt es in der....
aprilapril 14.03.2013
Zitat von sysopZwischen der Industrie und Schwarz-Gelb bahnt sich ein heftiger Konflikt an: Die Wirtschaft reagiert empört auf den Vorstoß der Kanzlerin, Managergehälter neu zu regeln. BDI-Präsident Grillo geißelt Merkels Pläne als "Wahlkampf-Schnellschuss" und wirft ihr vor, die eigene Politik zu konterkarieren. Wirtschaft empört über Merkels Vorstoß zu Managergehältern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wirtschaft-empoert-ueber-merkels-vorstoss-zu-managergehaeltern-a-888719.html)
deutschen Wirtschaft auch eine Clown Grillo? Wenn der aufschreit, ist klar, dass das Richtige geplant ist. Wir sind ds Volk und wir brauchen eine Regulierung der Selbstbedienungsläden.
4.
Thaeve 14.03.2013
Na, da hat der BDI jetzt ja eine Alternative. Ich finds putzig. Je mehr die Kanzelerin nach den Umfragewerten schielt und ein Thema der linken Lagers nach dem anderen rechtzeitig vor dem Wahlkampf zu mopsen versucht, desto bröckelt ihr der rechte Rand ihrer Partei weg. Beweist einmal mehr, das die Kanzlerin nur an einem Interessiert ist: Machterhalt um jeden Preis. Aber war das nicht schon immer der Markenkern der CDU? Kanzlerwahlverein eben. Den allermeisten "Konservativen" ist doch klar, daß man seine Ziele hinter verschlossenen Türen besser in einer regierenden großen Volkspartei erreichen kann, als als oppositionelle Splitterpartei am Rand.
5. Alles reiner Populismus
u.loose 14.03.2013
Der Ruf nach dem Gesetzgeber ebenso, es kann für ein "moralisches" Problem das auch nur für bestimmte Bevölkerungsgruppe samt ihren Wortführern besteht, kein Gesetz geben. Wie soll das denn aussehen? Gesetzlicher Höchstlohn? In einem Rechtsstaat? Mir Bestand vor dem Verfassungsgericht?
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