Wirtschaftsboom Brüderle wirbt für kräftiges Lohnplus

Die Wirtschaft meldet Rekordzahlen, Deutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Der Aufschwung ist im Moment so stabil, dass sogar FDP-Mann und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle deutliche Lohnsteigerungen fordert. Als Vorbild nennt er den Abschluss in der Stahlbranche - mit 3,6 Prozent mehr.

Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Brüderle: "Konjunkturlokomotive für Europa"
dpa

Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Brüderle: "Konjunkturlokomotive für Europa"


Hamburg - Kaum eine Nation hat sich so schnell von den Folgen der Weltwirtschaftskrise erholt wie Deutschland - und das soll sich laut Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle auch auf die Löhne auswirken. "Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich", sagte der FDP-Politiker dem "Hamburger Abendblatt".

Brüderle machte zwar deutlich, dass allein die Tarifpartner über die Höhe der Löhne entschieden und die Politik sich nicht einmischen solle, nannte aber die Stahlindustrie als Vorbild. Dort mündeten die Tarifverhandlungen in der vergangenen Woche in einen vergleichsweise hohen Abschluss. Die 85.000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen bekommen von Oktober an 3,6 Prozent mehr Gehalt. Brüderle sagte: "Der Abschluss in der Stahlbranche hat gezeigt, dass ein fairer Ausgleich möglich ist, an dem sich vielleicht andere Branchen orientieren könnten."

Der Wirtschaftsminister deutete an, dass die Regierung ihre Wachstumsprognose annähernd verdoppeln werde. "Die wirtschaftliche Entwicklung ist erfreulicherweise viel kräftiger und viel nachhaltiger, als es im Frühjahr den Anschein hatte. Damals haben wir 1,4 Prozent Wachstum vorhergesagt", so Brüderle. "Eines kann ich bereits mit Sicherheit sagen: Es wird mindestens eine Zwei mit einer hohen Zahl nach dem Komma sein."

Einen genauen Wert könne er noch nicht nennen, doch habe Deutschland beste Chancen, wirtschaftlich auch längerfristig einen guten Weg zu gehen. "Wir sind die Konjunkturlokomotive für ganz Europa", sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende.

Diese Einschätzung hatte am Mittwoch bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) abgegeben. Der aktuellen Prognose des IWF zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands in diesem Jahr um 3,3 Prozent wachsen. Kein anderes westliches Industrieland verzeichnet laut IWF solch hohe Zuwachsraten. Weltweit bleiben einzig China und Indien mit Wachstumsraten um die zehn Prozent unerreichbar.

hut/dpa



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