Wirtschaftskrise: Merkel fordert längere Arbeitszeit

Als Ausweg aus der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise hat CDU-Chefin Angela Merkel längere Arbeitszeiten in Deutschland vorgeschlagen. Sie sei sich sicher, dass die meisten Bürger bereit seien, ein bis zwei Stunden mehr pro Woche zu arbeiten.

Hofft auf Verständnis der Bundesbürger: Angela Merkel
DPA

Hofft auf Verständnis der Bundesbürger: Angela Merkel

Frankfurt am Main - Die meisten Mensch würde die Notwendigkeit einsehen, "weil damit ihr Arbeitsplatz sicherer würde und sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten", sagte Merkel der "Bild am Sonntag".

Merkel erklärte, zur Sicherung des Wohlstands brauche es eine Aufbruchstimmung in Deutschland. Die Bundesrepublik müsse endlich weg vom Tabellenende in Europa bei Wachstum und Investitionen. "Jeder wird dazu seinen Teil beitragen müssen", sagte sie. Schließlich würden auch den Beamten gerade längere Arbeitszeiten verordnet.

Umbau bei der Bundesanstalt

Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, will seine Behörde stärker umbauen als bislang bekannt. Zwischen dem Kerngeschäft für die Beitragszahler und öffentlichen Aufgaben, wie die Betreuung von Langzeitarbeitslosen, müsse künftig stärker unterschieden werden, sagte Gerster der Tageszeitung `Die Welt". Er forderte zugleich einen steuerfinanzierten zweiten Arbeitsmarkt für Ostdeutschland. Der Beitragszahler sei damit überfordert.

Den Streik der IG Metall im Osten Deutschlands für die 35-Stunden- Woche nannte die CDU-Chefin "fern jeglicher Realität". Die Geschichte werde "über die Gewerkschaften hinweggehen, wenn sie sich den Realitäten nicht stellen". Mit einem Streik würde "in einer Phase größter wirtschaftlicher Probleme der letzte Standortvorteil Ostdeutschlands zerstört und die Metall verarbeitende Industrie mit samt ihren Jobs ins Ausland getrieben."

Statistikänderung könnte Hunderttausende zu Erwerbstätigen machen

Die SPD-Bundestagsfraktion plant indes, die monatliche Zählung der Arbeitslosen in Zukunft dem Statistischen Bundesamt zu übertragen. Aus einem internen Papier des arbeitsmarktpolitischen Sprechers Klaus Brandner, das dem SPIEGEL vorliegt, geht hervor, dass durch eine an die Praxis anderer EU-Staaten angepasste Zählweise die Zahl der Arbeitslosen auf einen Schlag um rund 800.000 sinken könnte.

In den meisten anderen Staaten Europas in regelmäßigen Umfragen und nach anderen Kriterien als in Deutschland erhoben. So gilt in den meisten Ländern jeder als erwerbstätig, der mehr als eine Stunde pro Woche arbeitet; in Deutschland dagegen liegt die Schwelle bei 15 Wochenstunden.

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