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Wirtschaftskrise: Neu-Minister Guttenberg verspricht schnellen Aufschwung

Der frisch ernannte Wirtschaftsminister verbreitet Aufbruchsstimmung: Karl-Theodor zu Guttenberg erwartet nach eigenen Worten, dass die Konjunktur im Herbst wieder anspringt, spätestens. Für 2010 wünscht er sich eine Steuerreform. Seine Frau plaudert derweil über Humor und private Sparsamkeit.

Hamburg - Karl-Theodor zu Guttenberg gibt den Optimisten: "Machen wir uns nichts vor, wir stecken mitten in einer sehr harten Krise. Aber wir haben ein sehr gutes Konjunkturpaket geschnürt. Nicht zuletzt deshalb erwarten wir, dass es spätestens ab Herbst wieder aufwärts geht." Der neue Wirtschaftsminister verbreitet Aufbruchstimmung per "Bild"-Zeitung.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: "In der Krise, da ist Kreativität gefragt"
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Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: "In der Krise, da ist Kreativität gefragt"

Und lobt die Vorteile der schwierigen Lage: "In der Krise, da ist Kreativität gefragt. Fette Jahre verleiten gelegentlich zur Trägheit." Selbstbewusst stellt er sich in die Tradition von Ludwig Erhard. Deutschland benötige weiterhin "eine vernehmbare ordnungspolitische Stimme und die Kanzlerin wünscht offenbar eine solche am Kabinettstisch". Dies sei "eine meiner Aufgaben". Nach Krise und Konjunkturpaketen müsse das Land "schnell auf den Pfad der Tugend zurückkehren". Und den gebe "im Wesentlichen immer noch Ludwig Erhard vor", so der CSU-Politiker.

"Brauchen 2010 eine große Steuerreform"

Der 37-Jährige hat große Pläne: "Auch ich meine, wir brauchen ab 2010 eine große Steuerreform." Er lasse jetzt "diverse Modelle durchrechnen" und sei gespannt, "ob etwa die Vorschläge der FDP einer solchen Prüfung standhalten". Spielräume für Entlastungen sehe er vor allem bei der sogenannten kalten Progression: "Durch die kalte Progression steigt die Steuerlast schneller als die Löhne. Dadurch fallen dem Staat ohne jede Berechtigung Milliarden an zusätzlichen Steuereinnahmen in den Schoß", sagte Guttenberg.

Steuerentlastungen und große Steuereform sind zentrale CSU-Forderungen. Parteichef Seehofer hatte gemeinsam mit dem damaligen Generalsekretär Guttenberg Kanzlerin Angela Merkel wochenlang vor sich hergetrieben. Zuletzt drohten CSU-Granden mit einem eigenen Wahlprogramm für die Bundestagswahl, obwohl die Schwesterparteien seit 2002 immer ein gemeinsames vorlegten. Schließlich gab Merkel nach, sagte grundsätzlich eine Steuerreform für die Zeit nach der Wahl zu. Darauf Seehofer zum SPIEGEL: "Es beginnt jetzt die Epoche der Gemeinsamkeit."

Nicht nur politisch sondern auch privat gab Karl-Theodor zu Guttenberg an diesem Wochenende Einblicke, assistiert von seiner Frau Stephanie, einer Nachfahrin des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Vom Stress erhole er sich beim Klavierspielen, sagte Guttenberg der "Bild am Sonntag" (BamS): "Zum Abreagieren spiele ich Boogie-Woogie, zum Auftanken Mozart - und manchmal auch Bruce Springsteen."

Seine Ehefrau zeigte sich sparsam: "Ich würde mir nie etwas kaufen, egal ob MP3-Spieler oder Waschmaschine, bevor ich nicht im Internet die Preise verglichen habe." Es ärgere sie "maßlos, wenn ich mehr ausgebe als nötig". Ihr Mann kaufe sich statt Maßanzügen Kleidung von der Stange. Er koche leidenschaftlich gerne und putze seine Schuhe selbst.

Die geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen kellnerte laut "BamS" während der Schulzeit in einem Münchner Lokal, während des Studiums jobbte sie als Sekretärin oder auf Messen. An ihrem Mann, den sie wie CSU-Parteifreunde "KT" nennt, liebt sie vor allem den Humor: "Er lacht gern über sich." Zudem bewundere sie "seine Ausgeglichenheit und seine Gelassenheit, besonders in schwierigen Situationen". Sie selbst sei für Guttenberg "nicht nur seine Frau, sondern vor allem seine beste Freundin. Bei mir ist er zu Hause. Ich gebe ihm Distanz zum politischen Geschäft, und ich habe keinen Ehrgeiz, was seine Karriere angeht."

sef/dpa/Reuters/AP

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Forum - Der neue Wirtschaftsminister - eine gute Wahl?
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1.
capu65, 09.02.2009
Zitat von sysopDie Entscheidung steht: CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird Nachfolger von Michael Glos - diese Entscheidung will Parteichef Horst Seehofer am Vormittag bekannt offiziell geben. Eine gute Wahl für die Regierung und die CSU?
Hier scheint ein Mißverständnis vorzuliegen. Das Amt des Außenministers stand nicht zur Disposition.
2.
Brummi36 09.02.2009
Zitat von sysopDie Entscheidung steht: CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird Nachfolger von Michael Glos - diese Entscheidung will Parteichef Horst Seehofer am Vormittag bekannt offiziell geben. Eine gute Wahl für die Regierung und die CSU?
Den Job kann auch Hein de Buhl der Jongleur machen, solange er das ausfuehrt und umsetzt was die Wirtschaftslobby von ihm erwartet. Namen sind dabei Schall und Rauch.
3.
Callimero 09.02.2009
Zitat von sysopDie Entscheidung steht: CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird Nachfolger von Michael Glos - diese Entscheidung will Parteichef Horst Seehofer am Vormittag bekannt offiziell geben. Eine gute Wahl für die Regierung und die CSU?
Die Wirtschaftslobby wird ihm schon sagen, was er zum "Wohl des Landes" zu tun hat... Wenn er selbständig atmen, geradeaus laufen und sich halbwegs verständlich artikulieren kann (als Bayer ist das ja oftmals schwierig), ist er qualifiziert genug.
4. Armes Deutschland
Optimisten, 09.02.2009
Zitat von sysopDie Entscheidung steht: CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wird Nachfolger von Michael Glos - diese Entscheidung will Parteichef Horst Seehofer am Vormittag bekannt offiziell geben. Eine gute Wahl für die Regierung und die CSU?
Es ist bedrückend, dass in der größten Wirtschaftskrise seit fast 100 Jahren die fachliche Kompetenz des Wirtschaftsministers überhaupt keine Rolle spielt. Hauptsache er ist aus Franken und hat ein CSU Parteibuch. Mein Vorschlag: Schafft den Bundes-Wirtschaftsminsiter einfach ab - so einen brauchen wir nicht - das spart uns Steuerzahlern viel Geld und den CSU Politikern in Franken viel Arbeit mit der Prüfung von Stammbäumen und Parteibüchern.. Aus welchem Bezirk kommt eigentlich Obamas Wirtschaftsminister?
5. Fingerspitzengefühl
Robert Hut, 09.02.2009
Großartig! Einen 37 Jungspund, der sich bisher vor allem als Aussenpolitiker hervorgetan hat ( wo eigentlich?) zum Wirtschaftsminister gemacht. Nachdem man ihm zugesichert hat, auch im Falle einer Abwahl der Union, ein Toppöstchen innerhalb der Partei zu bekleiden.. Also alles wie bisher: kein Plan!
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