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Wirtschaftsministerium: Merkel und Seehofer akzeptieren Glos-Rücktritt

Am Montag will Wirtschaftsminister Glos seinen Rücktritt bei der Kanzlerin einreichen - CSU-Chef Seehofer und Angela Merkel sollen der Demission bereits zugestimmt haben. Als Nachfolger im Gespräch ist CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg - und auch Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon.

Berlin/München - Nun ist es raus, nun macht er Nägel mit Köpfen: Am Montag wird Michael Glos die Kanzlerin offiziell um seine Entlassung bitten. Das gab der Noch-Wirtschaftsminister am späten Sonntagabend nach einem Treffen der Parteispitze in der Münchner Staatskanzlei bekannt. Der Name seines Nachfolgers werde am Montag vom CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer bekannt gegeben werden, sagte Glos.

Minister Glos (bei einer Gala): "Das ist etwas ganz Natürliches"
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Minister Glos (bei einer Gala): "Das ist etwas ganz Natürliches"

Die CSU-Spitze hat sich auch bereits auf einen Nachfolger geeinigt: "Es gibt eine sehr gute Lösung, die ich sehr gut mittragen kann", sagte Glos. Namen nannte er nicht. CSU- Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, es habe eine Einigung "in allerbestem Einvernehmen, völlig zielsicher" gegeben.

Glos hatte zuvor sein Rücktrittsgesuch verteidigt: Es sei ein Beitrag, verlorengegangenes politisches Vertrauen in die CSU zurückzuerobern, sagte er im bayerischen Marktleuthen beim Neujahrsempfang des Ortsverbands. Mit der Ankündigung, sein "stressiges Ministeramt" aufgeben zu wollen, habe er der Partei Gelegenheit geben wollen, vor der Bundestagswahl zu sagen, wer die Aufgabe des Wirtschaftsministers nach der Wahl wahrnehmen werde. "Das ist etwas ganz Natürliches. Ich werde alles tun, dass die CSU dadurch keinen Schaden nimmt", sagte Glos.

Der 64-Jährige hatte Seehofer am Samstag überraschend seinen Rücktritt angeboten und dafür Altersgründe angegeben. Nach dpa-Informationen aus Unionskreisen soll jedoch das seit langem zerrüttete Verhältnis von Glos und Seehofer mit Auslöser gewesen sein. Offensichtlich will Glos auch sein Amt als CSU-Bezirkschef in Unterfranken aufgeben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, habe er diesen Wunsch dem Bezirksvorstand am Samstag mitgeteilt. "Wir waren völlig überrascht", zitiert die Zeitung einen Sitzungsteilnehmer. Von seinem Rücktrittsgesuch als Wirtschaftsminister habe er nichts gesagt. Glos ist seit 1993 Bezirksvorsitzender.

Seehofer und Merkel stellten sich zwar zunächst gegen die Demission von Glos als Wirtschaftsminister, doch sie sollen seinen Abgang inzwischen akzeptiert haben. Der CSU-Chef und die Kanzlerin seien sich einig, dass Glos nicht länger im Amt bleiben solle, melden diverse Nachrichtenagenturen und die "Süddeutsche Zeitung". Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst weder in München noch in Berlin.

Der mögliche Glos-Nachfolger könnte Karl-Theodor zu Guttenberg heißen: Der CSU-Generalsekretär ist zwar gerade erst auf seinen Posten verpflichtet worden und soll eigentlich den Bundestagswahlkampf managen. Doch Seehofer schätzt ihn, hält ihn für jedes Ministeramt geeignet. Am Abend meldet die "Münchner Abendzeitung" dann, in der CSU-Spitze habe man sich auf Guttenberg verständigt.

Der Bundestagsabgeordnete aus fränkischem Adelsgeschlecht hat sich im Parlament seit 2002 einen Namen als Außenpolitiker und Amerika-Experte gemacht. Er ist Obmann der CDU/CSU- Fraktion im Auswärtigen Ausschuss und leitet zudem den CSU- Fachausschuss Außenpolitik. Der 37 Jahre alte Vorsitzende des CSU-Bezirksverbands Oberfranken ist als Kulmbacher Abgeordneter auch einer, der sich für ländliche Regionen stark macht. Guttenberg hatte sich für Seehofer als Ministerpräsident ausgesprochen. Nachfolger als CSU-Generalsekretär könnte der Europa-Abgeordnete und niederbayerische Parteichef Manfred Weber werden, heißt es.

Am Abend meldet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Unionskreise: Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon werde Glos' Ministerium übernehmen. Der einstige stellvertretende JU- Bundesvorsitzende gilt als überaus fleißiger und äußerst talentierter Finanz- und Haushaltspolitiker - und als eine der größten Zukunftshoffnungen der CSU. 2002 zog er für seine Partei in den Bundestag ein, 2007 holte ihn der damalige Ministerpräsident Günther Beckstein als Staatssekretär ins Kabinett. Unter Seehofer wurde er dann Finanzminister des Freistaats.

Bereits am Mittag hatte sich ein anderer Wirtschaftsminister-Kandidat positioniert. CSU-Schatzmeister Thomas Bauer erklärte: "Wenn die Konstellationen passen, bin ich bereit." Bauer, dessen Unternehmensgruppe mit Sitz im bayerischen Schrobenhausen rund 8100 Mitarbeiter beschäftigt, sagte, er habe in der Vergangenheit mehrmals mit Seehofer über politische Ämter gesprochen: "Seit Seehofer CSU-Chef ist, hat er mich etliche Male angesprochen, ob ich nicht ein hohes Amt in Bayern oder im Bund übernehmen wolle." Auf die Nachfrage, was mit einem hohen Amt gemeint sei, sagte Bauer: "Ein Ministeramt."

Möglicherweise gibt es zwischen den Gesprächen zwischen Bauer und Seehofer und dem Rücktrittsschreiben Glos' einen Zusammenhang. Denn in Seehofers Ingolstädter Heimatzeitung "Donaukurier" war von entsprechenden Angeboten des CSU-Chefs an seinen Schatzmeister bereits zu lesen: Der CSU-Chef stehe bereits in Verhandlungen mit Merkel, um Bauer ein Regierungsamt für die kommende Legislatur in Aussicht stellen zu können. Und: In Frage käme dabei etwa das Wirtschaftsministerium mit dem "politisch schwer angeschlagenen Michael Glos", wie die Zeitung schrieb. Glos soll entsprechend verärgert gewesen sein.

Für Seehofer kommt Glos' Rücktrittsgesuch als Wirtschaftsminister zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Gerade hat er sein Führungspersonal in Land, Partei und Fraktion neu zusammengestellt. Ein Wechsel in Berlin würde das Machtgefüge wieder durcheinanderbringen.

CSU-Mann Glos war nach den Wahlen 2005 auch für ihn selbst überraschend als Wirtschaftsminister der Großen Koalition ins Kabinett berufen worden. Die Bestellung des langjährigen CSU-Landesgruppenchefs zum Wirtschaftsminister kam zustande, weil der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl kurzfristig von seinem Vorhaben abgerückt war, als Minister ins Bundeskabinett einzusteigen.

Glos selbst hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass diese Entwicklung auch für ihn selbst nicht vorhersehbar gewesen war und er sich ihr eher aus Verpflichtung gegenüber seiner Partei denn aus Neigung gefügt habe.

flo/dpa/ddp/AP/AFP

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