Putin zu Cyberangriffen "Auf staatlicher Ebene machen wir so etwas nicht"

Von Moskau gesteuerte Cyberangriffe vor der Bundestagswahl werde es nicht geben, beteuert Wladimir Putin. Alleingänge russischer "Patrioten" wollte er aber nicht ausschließen.

Wladimir Putin
AP/ Sputnik/ Kremlin

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Eine Einmischung Russlands vor der Bundestagswahl im September werde es nicht geben, sagte Wladimir Putin in St. Petersburg. Moskau plane keine Hackerangriffe auf die Wahl. "Auf staatlicher Ebene machen wir so etwas nicht, und wir haben es auch nicht vor", beteuerte der Präsident. Dass unabhängig agierende Hacker tätig werden, könne er jedoch nicht ausschließen. Wenn die ein "patriotisches Gemüt" hätten, würden sie "ihren Beitrag leisten wollen, etwa, wenn jemand schlecht über Russland spricht. Theoretisch ist das möglich".

Im SPIEGEL hatte der Geheimdienstexperte Andrej Soldatow kürzlich gesagt, er rechne damit, dass russische Hacker im Auftrag Putins versuchen würden, die Bundestagswahl zu manipulieren.

Ob künftig weiter Kanzlerin Angela Merkel oder der SPD-Kandidat Martin Schulz sein deutscher Verhandlungspartner sein wird, sei nicht wichtig, behauptete Putin. "Wir ziehen niemanden vor." Das Wichtigste sei, dass alle für eine konstruktive Zusammenarbeit seien.

"Angela und ich kennen uns schon lange. Wir haben Meinungsverschiedenheiten, aber wir haben auch viel gemeinsam", sagte er. "Herrn Schulz kenne ich fast nicht". Schulz sei aber ein erfahrener Politiker.

Putin beklagte ein hohes Niveau an Russlandfeindlichkeit in der westlichen Welt. "Das hängt damit zusammen, dass eine multipolare Welt entsteht, und das gefällt den Monopolisten nicht", sagte er an die Adresse unter anderem der USA. Putin spricht seit Langem von seiner Vision einer Weltordnung, in der es viele kooperierende Machtzentren gibt anstelle von einer globalen Führungsmacht.

Mehrere westliche Staaten würden eine Eindämmungspolitik gegen Russland führen, kritisierte er. "Doch jetzt sehen sie, dass das nicht funktioniert." Nach der russischen Einverleibung der ukrainischen Halbinsel Krim hatten die EU und die USA Sanktionen etwa im Finanzsektor gegen Russland verhängt. Diese verschärften eine mehrjährige Rezession. Moskau reagierte mit Gegensanktionen.

Trotz aller Spannungen warb Putin für eine Rückkehr zur Kooperation - international und auch mit Deutschland. An den Wirtschaftsbeziehungen hingen in Deutschland und Russland "Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Arbeitsplätze". Die zuverlässige Belieferung mit günstigen Rohstoffen stärke die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. "Ich hoffe, dass an der Spitze der Bundesrepublik jene sein werden, die in der Lage sind, die Bedeutung unserer komplexen Beziehungen zu verstehen", sagte der russische Präsident.

Für Donald Trump hatte Putin ein Lob parat: Dieser sei eine "offene Person". Während andere dem US-Präsidenten seine mangelnde politische Erfahrung vorhielten, sehe er das anders. Trump habe einen "frischen Blick" auf die Dinge.

als/dpa/AP



insgesamt 48 Beiträge
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HeisseLuft 01.06.2017
1. Ach du liebe Zeit
... wen interessiert es noch, was Zar Münchhausen in der Angelegenheit zu vermelden hat?
CancunMM 01.06.2017
2.
Meint er die Patrioten, die auch in der Ostukraine kämpfen ?
CaptainEntropy 01.06.2017
3. Radio Eriwan?
Im Klartext: "Im Prinzip machen wir das nicht, aber wir können nicht für unsere Fans garantieren, über die wir leider keine Kontrolle haben." Danke, Wladimir Putin.
totalmayhem 01.06.2017
4.
Wie die gutmeinenden "patriotischen Gemueter", die sich schon mal in russischen Uniformen mit Panzern und schwerer Artillerie auf die Krim und in die Ost-Ukraine verirren.
Binschonklug 01.06.2017
5. Und wie bitte soll das passieren?
Ich dachte wir sind hier alles mündige Bürger, die sich weder von den Staatsmedien ARD, ZDF, etc noch von den privaten Medien, die alle ins gleiche Anti-Russland-Horn blasen, noch von RT oder Sputnik beeinflussen. Will man etwa die Briefwahl manipulieren? Ich dachte das geht nicht. Ok, die Linke hat auch nur in NRW durch die Briefwahl verloren, aber das heisst ja nichts. Oder wollen die Russen in den Wahllokalen unter den Augen der Beobachter die Wahlzettel vertauschen. Wie bitte genau soll denn hier die Manipulation von statten gehen? Oder sollen noch ein paar Schweinereien aufgedeckt werden? darüber würde ich mich dann doch nur freuen. Aber das wäre ja eigentlich die Aufgabe der hiesigen Medien. Davon merkt man aber nicht viel. Insofern sind alle willkommen, die mir z.B. noch ein paar Bundesbankkonten, die von Schäuble eingerichtet wurden, in Panama zu zeigen oder die mir erklären, durch welche Methoden genau ich vollständig rechtswidrig abgehört werde.
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