Lawinen-Vergleich Maas wirft Schäuble verbale Brandstiftung vor

Wolfgang Schäubles Lawinen-Vergleich sorgt beim Koalitionspartner SPD für Fassungslosigkeit. "Menschen in Not sind keine Naturkatastrophe", sagt Justizminister Maas.

SPD-Politiker Maas: "Sollten die Flüchtlingsdebatte sehr besonnen führen"
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SPD-Politiker Maas: "Sollten die Flüchtlingsdebatte sehr besonnen führen"


Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigt sich bestürzt angesichts des Lawinen-Vergleichs von Finanzminister Wolfgang Schäuble. "Wir sollten die Flüchtlingsdebatte sehr besonnen führen", sagte Maas SPIEGEL ONLINE. "Menschen in Not sind keine Naturkatastrophe."

CDU-Mann Schäuble hatte am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in Berlin die massiven Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland mit einer Lawine verglichen. "Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt", sagte er. "Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist, oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht", sagte Schäuble.

Dazu erklärte Maas: "Niemand sollte Schwierigkeiten verschweigen oder schönreden, aber genauso sollte auch niemand mit seinen Worten Öl ins Feuer gießen."

"Solidarität und christliche Nächstenliebe stärkt man jedenfalls nicht mit dramatischem Katastrophenvokabular", betonte Maas. "Stattdessen müssen wir uns weiter an die Arbeit machen und das tun, was die Menschen zu Recht von uns erwarten." Er sagte weiter: "Wir sollten das, was wir gemeinsam beschlossen haben, jetzt sehr zügig und konsequent umsetzen."

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte auf einer Pressekonferenz zu Schäubles Äußerungen zunächst: "Nichts." Nach einer kurzen Pause ergänzte er: "Ich kann mir das Bild nicht zu eigen machen." Er würde einen solchen Vergleich nicht wählen, sagte Gabriel.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich. Pessimistische Äußerungen in der Flüchtlingsdebatte seien wenig hilfreich. "Es werden Vermutungen geäußert, es werden Stereotype gemacht. Das ist gefährlich", sagte das Staatsoberhaupt am Donnerstag in Bergisch Gladbach. "Es werden Horrorszenarien für die Zukunft entwickelt. Und diese Horrorszenarien und diese negativen Stereotype haben alle eines gemeinsam: Sie entmächtigen uns", sagte Gauck. Denn sie suggerierten, dass man nicht in der Lage sei, den kommenden Herausforderungen zu entsprechen.

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