Neue CDU-Führung Schäuble trieb Kandidatur von Merz voran

Friedrich Merz hat einen mächtigen Förderer: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat nach SPIEGEL-Informationen von langer Hand und hinter den Kulissen Merz' Kandidatur als CDU-Chef vorbereitet.

Merz und Schäuble: Der Pakt der Merkel-Rivalen
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Merz und Schäuble: Der Pakt der Merkel-Rivalen


Ex-Parteichef Wolfgang Schäuble hat die Kandidatur von Friedrich Merz für den CDU-Vorsitz mit vorbereitet und befördert.

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Nach SPIEGEL-Informationen riet Schäuble seinem Freund Merz schon seit geraumer Zeit, sich auf die Nachfolge von Angela Merkel vorzubereiten und bestärkte ihn in diesem Vorhaben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Spätestens bis zum Nachmittag am Tag der Hessenwahl müsse Merz für sich geklärt haben, ob er antreten wolle, riet Schäuble Merz. Zudem verschaffte er ihm Termine, um seine Kandidatur in christdemokratischen Kreisen in Deutschland und Europa vorzubereiten und seine Chancen auszuloten.

Zum Beispiel unterstützte Schäuble ein Treffen mit dem Vorsitzenden des europäischen konservativen Parteienbündnisses EVP, Joseph Daul, Mitte Oktober in Brüssel. Daul wiederum informierte im Anschluss an das Treffen mit Merz Bundeskanzlerin Angela Merkel über Merz' Pläne.

So war diese früh über dessen Absichten im Bilde. Ein Umstand, der ihren Rückzug vom Parteivorsitz mit beeinflusst haben könnte.

Stimmenfang #72 - Merkels Rückzugsplan und wer ihn torpedieren kann

Nach SPIEGEL-Informationen hatte sich Merkel auch schon während ihres Sommerurlaubs Ende Juli mit ihrer Vertrauten Annette Schavan darüber ausgetauscht, zu welchem Zeitpunkt sie notfalls den CDU-Vorsitz aufgeben könnte. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer erfuhr nach SPIEGEL-Informationen erst am Montagvormittag von Merkels Entscheidung.

Noch am späten Sonntagabend hatte ihr Merkel versichert, dass sich ihre Haltung zur Frage der Trennung von Parteivorsitz und Kanzleramt nicht geändert habe.

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ama



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Seite 1
johann.schmieder 02.11.2018
1. Die alten Zombies...
....kommen aus den Gräbern. Ob sich die CDU damit einen Gefallen bereiten wird, darf bezweifelt werden. Das Potential an Stimmen, die bei einem Rechtsruck der CDU an die Grünen gehen könnten, ist vermutlich erheblich grösser, als das Potential möglicher Stimmengewinne auf Kosten der AfD.
abudhabicfo 02.11.2018
2. Auf Wolfgang Schäuble ist Immer Verlass!
Wolfgang Schäuble ist kein Egomane. Wenn Merz die CDU Führung übernimmt und Merkel im Januar als Kanzlerin zurücktritt (sie möchte ja keine Unruhe während der Weihnachtszeit und auch noch die "Wir schaffen das" Neujahrsansprache halten, dann kann Wolfgang Schäuble Kanzler werden. Zusammen mit Merz wird die CDU wieder auf Vordermann gebracht und ein Kanzlerkandidat vorbereitet, welcher jünger ist um zwei Perioden zu regieren.
cyberpommez 02.11.2018
3. Schäuble?
War das nicht der Politiker, der sich dagegen aussprach, dass sich deutsche Firmen international an Menschenrechte halten? Na dann wissen wir jetzt ja wohin die Reise mit Merz gehen soll.
balticseacoast 02.11.2018
4. Friedrich Merz? Für Deutschland denkbar ungeeignet!
Friedrich Merz wird zur Gefahr der Deutschen Demokratie; vor allen Dingen würde er die soziale und wirtschaftliche Existenz der "kleinen Leute" durch seine pro-amerikanistischen, brutal-kapitalistischen Einstellungen in Frage stellen und entsprechende Maßnahmen zugunsten der Wohlhabenden und zu Lasten der Ärmeren ergreifen. Er ist und bleibt ein Hardliner; insofern ist er bei Blackrock bestens aufgehoben. Ich monierte immer schon die Ämterhäufung, die mit der Person Friedrich Merz im Zusammenhang steht. Dieser Mann will überall seine Finger im Spiel haben (ist in unzähligen Aufsichtsräten vertreten) und sich keinesfalls in die Karten schauen lassen. Eigentlich müsste er, als Verschleierer (will seine persönlichen Einkommensverhältnisse während seiner politischen Laufbahn nicht offenlegen, obwohl er dazu verpflichtet wäre etc.), ein guter Freund Putins sein. Geheimniskrämereien sind Seins. Ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen wie angespannt, kalt und herzlos er bei Pressekonferenzen und anderen öffentlichen Auftritten wirkt? Die Gesichtszüge sind zu Eis erstarrt. Da fröstelt es mir jetzt schon! Ich hoffe, dass sich die CDU-Mitglieder nicht vom Rechtsruck und Konservativismus Friedrich Merz´ einfangen lassen. Zum Schluss könnte man den Spruch der 1970er Jahre anführen; dort hieß es: Gott schütze mich, mein Hof, mein Haus - vor Carstens, Dregger, (Kohl) jetzt Merz und Strauß!
Tauschwert 02.11.2018
5. Klug durchdacht Herr Schaeuble.
Sie sind Ihrer Partei verbunden und haben einen guten Vorschlag unterbreitet. Sie werden mit Herrn Merz Waehler wiedergewinnen. Er sollte sich aber auch gleichzeitig um das Kanzleramt bemuehen, denn eine Aemtertrennung waere unguenstig. In diesem Punkt hatte A. Merkel recht.
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