Angriff von Würzburg Axt-Attentäter wollte Spuren verwischen

Neue Ermittlungsergebnisse nach dem Angriff von Würzburg: Nach SPIEGEL-Informationen versuchte der Attentäter, sein Handy zu zerstören - mit der Axt, die er auch für seinen Anschlag verwendete.

Gleisbett in der Nähe des Tatorts bei Würzburg-Heidingsfeld
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Gleisbett in der Nähe des Tatorts bei Würzburg-Heidingsfeld

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Offenbar wollte der Axt-Attentäter aus der Regionalbahn bei Würzburg eine nähere Aufklärung seiner Taten vereiteln. Nach SPIEGEL-Informationen sind sowohl die Sim-Karte als auch der Speicher seines Mobiltelefons beschädigt. Dies dürfte die Auswertung des sichergestellten Geräts deutlich erschweren.

In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass Riaz Khan Ahmadzai das Gerät selbst zertrümmerte - und zwar mit der Axt, die er auch für seinen Anschlag verwendete. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der 17-Jährige, der sich in Deutschland als afghanischer Flüchtling ausgegeben hatte, hatte am Montagabend in einem Regionalzug vier Mitglieder einer chinesischen Familie angegriffen und schwer verletzt. Später attackierte er bei seiner Flucht eine Spaziergängerin. Polizisten hatten den Täter schließlich erschossen.

Am Tag nach dem Angriff war ein Bekennervideo aufgetaucht, in dem Riaz Khan Ahmadzai angibt, der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) anzugehören. Innenminister Thomas de Maizière erklärte, der Fall des Axt-Attentäters liege "im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror". Einen direkten Auftrag von den IS-Terroristen hatte Ahmadzai nach bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht erhalten.

Attentäter Ahmadzai in seinem Internetvideo
DPA

Attentäter Ahmadzai in seinem Internetvideo

Aber war er in der Terrorszene vernetzt? Und wenn ja, wie genau? Genau das prüfen nun die Ermittler. Nach SPIEGEL-Informationen konnten die Fahnder Ahmadzai zwei Facebook-Profile zuordnen. Die dort enthaltenen Informationen sollen mehrere Tausend Seiten füllen.

"Wer Sympathien für die Feinde des Islams und der Einzigartigkeit Allahs hegt, sich mit ihnen solidarisiert, ist kufr", also ungläubig - dies soll der letzte Facebook-Eintrag des Axt-Attentäters am Montag, dem Tag des Angriffs, gewesen sein, hatte zuletzt die "Bild"-Zeitung berichtet. Aber bereits Monate zuvor fanden sich offenbar radikale Gedanken auf einem Profil. Am 24. April schrieb Ahmadzai der Zeitung zufolge: "Offener Hass ist besser als heuchlerische Beziehungen zu pflegen."

Das Würzburger Attentat und der Terror in Frankreich scheinen sich auch auf das Bedrohungsgefühl der Deutschen auszuwirken. Laut ZDF-Politbarometer befürchten 77 Prozent der Befragten, dass es in nächster Zeit in Deutschland Anschläge geben wird - vor zwei Wochen waren es noch 69 Prozent. 59 Prozent der Befragten sind aber der Meinung, dass in Deutschland genug zum Schutz vor Terroranschlägen getan wird.

Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 19. bis 21. Juli 1271 Wahlberechtigte.

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