Zug-Attacke IS beansprucht Angriff bei Würzburg für sich

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" verkündet, die Zug-Attacke nahe Würzburg sei von einem ihrer "Kämpfer" ausgeführt worden. Hinweise darauf, dass der Täter Kontakt zum IS hatte oder die Miliz von Anschlagsplänen wusste, gibt es nicht.


Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamiert den Axt-Angriff eines 17-Jährigen auf Zuginsassen in Bayern für sich. Der Angriff sei von einem ihrer "Kämpfer" ausgeführt worden, verkündete der IS über seine sogenannte Nachrichtenagentur Amaq. "Der mit Hieb- und Stichwaffen angreifende Täter in Deutschland ist einer der Kämpfer des Islamischen Staates", vermeldete Amaq. "Er hat diese Operation als Antwort auf unsere Aufrufe ausgeführt, die Länder der Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft".

Zu der von den USA angeführten Militärkoalition gehören unter anderem Frankreich, Großbritannien und Italien. Deutschland unterstützt die Allianz mit einer Fregatte und Aufklärungsflügen.

Ein 17-jähriger Afghane, der als Flüchtling nach Deutschland kam, hat am Montagabend in einem Regionalzug nahe Würzburg fünf Menschen verletzt - vier davon schwer. Im Zimmer des Täters wurde nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine selbst gemalte IS-Flagge gefunden.

Im Video: Bayerns Innenminister Herrmann über Zug-Attacke

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Hinweise darauf, dass der IS von den Anschlagsplänen des 17-Jährigen gewusst hat, dass der Täter in Kontakt mit den Dschihadisten stand, gibt es keine. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand gebe es "keinerlei Indizien" für eine Vernetzung des 17 Jahre alten Angreifers mit islamistischen Netzwerken, sagte Bayerns Innenminister Herrmann auf einer Pressekonferenz.

Auch den Anschlag von Nizza in der vergangenen Woche mit mehr als 80 Toten hatte der IS für sich reklamiert - mit einer fast wortgleichen Erklärung. Der Attentäter sei ein Soldat des IS gewesen, so die sogenannte Nachrichtenagentur Amaq am Tag nach dem Angriff. Er sei dem Aufruf gefolgt, Bürger der Staaten zu töten, die gegen die Organisation Krieg führten. Auch diese Amaq-Mitteilung enthielt keinerlei Täterwissen und keinen Hinweis darauf, dass der IS vorab in die Pläne des Attentäters von Nizza eingeweiht war oder der Täter anderweitig Verbindungen zum IS hatte.

Nach dem Angriff nahe Würzburg sagte Bayerns Innenminister Herrmann , er wolle sich "nicht an Spekulationen beteiligen". Motiv und Hintergründe würden noch ermittelt. Ein Zeuge habe mitgeteilt, der Täter habe "Allahu akbar" gerufen - "Allah ist groß". Die Polizei erschoss den Täter auf der Flucht.

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Bei Würzburg: Attacke im Regionalzug

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Er war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, berichtete Herrmann. Als der Jugendliche dann auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten sie das Feuer eröffnet. Der Angreifer wurde mit mehreren Schüssen getötet.

Familie aus Hongkong

Wie der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying bestätigte, stammen vier Verletzte aus Hongkong. Leung verurteilte den Angriff und sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Die "South China Morning Post" berichtete, bei den Opfern handele es sich um eine Familie - Vater, Mutter, Tochter - und deren Freund. Ein fünfter Mitreisender der Gruppe, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davongekommen, berichtete das Blatt.

SPIEGEL TV Reportage (15.6.2016)

anr/AFP/Reuters

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