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05. August 2016, 12:11 Uhr

Würzburg und Ansbach

Attentäter hatten Kontakt nach Saudi-Arabien

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Die Attentäter von Ansbach und Würzburg holten sich nach SPIEGEL-Informationen Rat bei mutmaßlichen IS-Mitgliedern in Saudi-Arabien. Chatprotokolle legen nahe, dass sich der Angreifer beim Musikfest versehentlich tötete.

Die Attentäter von Ansbach und Würzburg hatten mehrfach Kontakt zu mutmaßlichen Mitgliedern des "Islamischen Staats" (IS), und zwar über mehrere Telefonnummern, unter anderem in Saudi-Arabien. Das ergibt sich aus Chats, die deutschen Behörden vorliegen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Der wohl aus Afghanistan stammende Attentäter von Würzburg, Riaz Khan Ahmadzai, der am 18. Juli mehrere Menschen in einem Regionalzug mit einer Axt und einem Messer schwer verletzte, habe sich vor der Tat mit den Worten verabschiedet: "Wir sehen uns im Paradies."

In den Chats zuvor hatte ein IS-Kontaktmann dem 17-Jährigen vorgeschlagen, mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Dieser lehnte das mit der Begründung ab, keinen Führerschein zu besitzen. Stattdessen, so kündigte Ahmadzai an, werde er in einen Zug steigen und die erstbesten Fahrgäste angreifen.

Bei dem aus Syrien stammenden Ansbacher Attentäter Mohammad Daleel gehen die Behörden davon aus, dass sein Tod am 24. Juli ein Unfall war. Er habe vermutlich den Rucksack, den er mit selbst hergestelltem Sprengstoff gefüllt hatte, in einer Menschenansammlung des Festivals abstellen und aus der Ferne zünden sollen. Kurz vor dem Anschlag habe sein Chatkontakt ihn aufgefordert, die Detonation und das anschließende Inferno zu filmen und dem IS zu schicken. Doch der Sprengsatz explodierte offenbar vorzeitig, tötete ihn und verletzte 15 Menschen.

In den Chats ist die Rede davon, dass Daleel danach weitere Anschläge verüben sollte. Dafür spricht, dass er sein Bekennervideo vermummt aufnahm, und Ermittler in seiner Wohnung weiteres Material zum Bombenbau fanden.

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