Würzburg und Ansbach Attentäter hatten Kontakt nach Saudi-Arabien

Die Attentäter von Ansbach und Würzburg holten sich nach SPIEGEL-Informationen Rat bei mutmaßlichen IS-Mitgliedern in Saudi-Arabien. Chatprotokolle legen nahe, dass sich der Angreifer beim Musikfest versehentlich tötete.

Ermittler nach dem Anschlag von Ansbach
REUTERS

Ermittler nach dem Anschlag von Ansbach


Die Attentäter von Ansbach und Würzburg hatten mehrfach Kontakt zu mutmaßlichen Mitgliedern des "Islamischen Staats" (IS), und zwar über mehrere Telefonnummern, unter anderem in Saudi-Arabien. Das ergibt sich aus Chats, die deutschen Behörden vorliegen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 32/2016
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Der wohl aus Afghanistan stammende Attentäter von Würzburg, Riaz Khan Ahmadzai, der am 18. Juli mehrere Menschen in einem Regionalzug mit einer Axt und einem Messer schwer verletzte, habe sich vor der Tat mit den Worten verabschiedet: "Wir sehen uns im Paradies."

In den Chats zuvor hatte ein IS-Kontaktmann dem 17-Jährigen vorgeschlagen, mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Dieser lehnte das mit der Begründung ab, keinen Führerschein zu besitzen. Stattdessen, so kündigte Ahmadzai an, werde er in einen Zug steigen und die erstbesten Fahrgäste angreifen.

Bei dem aus Syrien stammenden Ansbacher Attentäter Mohammad Daleel gehen die Behörden davon aus, dass sein Tod am 24. Juli ein Unfall war. Er habe vermutlich den Rucksack, den er mit selbst hergestelltem Sprengstoff gefüllt hatte, in einer Menschenansammlung des Festivals abstellen und aus der Ferne zünden sollen. Kurz vor dem Anschlag habe sein Chatkontakt ihn aufgefordert, die Detonation und das anschließende Inferno zu filmen und dem IS zu schicken. Doch der Sprengsatz explodierte offenbar vorzeitig, tötete ihn und verletzte 15 Menschen.

In den Chats ist die Rede davon, dass Daleel danach weitere Anschläge verüben sollte. Dafür spricht, dass er sein Bekennervideo vermummt aufnahm, und Ermittler in seiner Wohnung weiteres Material zum Bombenbau fanden.

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Ansbach: Auf der Spur des Attentäters

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hmmmm4711 05.08.2016
1. Stellt sich die Frage
,woher kommt die Informationen "wir sehen uns im Paradies" ? Werden Telefonate aufgenommen? Ich dachte, wie aus den Medien zu entnehmen das beide nicht Terorrverdächtige waren ?!?...... Fragen über Fragen
Ein mündiger Bürger 05.08.2016
2. Was mir wirklich Angst macht...
...dieses monatelange "Durchwinken" von Personen, die häufig vorher ihre Papiere weggeworfen(!) hatten! Jeder deutsche Hartz-IV'ler bekommt die Härte des Gesetzes zu spüren, aber hier machte man monate(!)lang die Augen zu. Was für eine Politik A. Merkels. Und sie glaubt noch heute: Wir schaffen das... In meinen Augen müsste es heißen: Sie schafft uns! Mal sehen, was sie beim nächsten Anschlag in Deutschland, der mit Sicherheit kommen wird, sagen wird (oder auch nicht). Naja, wenigstens sind ihre Umfragewerte im Keller und hätte die Union nicht Seehofer, wäre auch der Anteil der Wähler stark im Schrumpfen begriffen, da bin ich mir sicher!!!
fatherted98 05.08.2016
3. Da muss...
..ein Irrtum vorliegen. Saudi Arabien ist einer unserer engsten Verbündeten im Nahen Osten bzw. der arab. Halbinsel...wir machen mit den S-A Waffengeschäfte und Technolgieaustausch...schicken Fach- und Führungskräfte in dieses Land, lassen die dortigen Scheichs sich von unseren Gesundheitskliniken in Deutschland (vor allem Bayern) behandeln und Kuren und unsere Politiker kommen regelmäßig dort zu besuchen vorbei...also kann es keine Kontakte zu solchen üblen Gestalten gerade in S-A geben.
dumovic 05.08.2016
4. ferngelenkte Schwachköpfe
Um sich so zu instrumentalisieren zu lassen, muss man vollkommen ohne eigene Persönlichkeit sein.
darthkai 05.08.2016
5. Wie überraschend
die Anzahl islamistischer (genauer: sunnitisch-wahabitischer) Terroristen, welche keinen Draht zum Terrorexporteur Nr.1 haben, dürften an einer Hand abzählbar sein. Zum Glück für die Saudis haben sie sich durch fleißige Waffenimporte größtenteils von Kritik jeglicher Form (Finanzierung u. Bewaffnung praktisch aller Kopfabschneider des Planeten, "vergessener" Angriffskrieg gegen den Nachbarn und ähnlich Kleinigkeiten) freigekauft.
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