Wulff-Auftritt im TV Das war nichts

Der Präsident versucht den Befreiungsschlag: Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne. Das ist dreist, aber auch geschickt. Gut möglich, dass er damit durchkommt.

Ein Kommentar von

AP/ Bundesregierung

Ehrlichkeit, darum geht es Christian Wulff in dieser Affäre. Also gut, sind wir ehrlich: Christian Wulff ist ein mittelmäßiger Politiker, der ein paar ziemlich mittelmäßige Probleme hat, die zum Teil auf mittelmäßigem Niveau breitgetreten werden und die er nun auf ziemlich mittelmäßige Art im Fernsehen aus der Welt zu räumen versucht. Willkommen in Deutschland im Jahr 2012.

Wulffs Auftritt zur besten Sendezeit bei ARD und ZDF hat etwas erschreckend Banales. Zu besichtigen ist keine präsidiale Lichtgestalt, sondern ein Präsident, der förmlich um Gnade bettelt. Statt wirklich aufzuklären, simuliert er Transparenz, Offenheit, Ehrlichkeit - 21 Minuten lang. Das ist nicht einmal Staatsschauspiel, das ist Osnabrücker Puppentheater.

"Ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann", sagt der Präsident (das komplette Interview im Video und im Wortlaut). Man möchte ihm entgegenrufen: Wer will Bürger in einem Land sein, in dem der Präsident solche Sätze im Fernsehen sagt?

Ehrlich: Es ist möglich, dass Wulff damit durchkommt. Jeder weiß: Angela Merkel, Horst Seehofer, und wie sie alle heißen, wollen jetzt keine neue Präsidentenwahl. Zu lästig, zu nervig, zu groß ist für sie die Gefahr des Scheiterns. Deshalb darf Wulff bleiben. Erst mal.

Es ist durch und durch mittelmäßiges Machtkalkül, zu dem Merkel und Co. den passenden Präsidenten haben. Wulff ist entschlossen, die Affäre auszusitzen. Das sieht nun jeder.

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Präsident in Erklärungsnot: Wulffs TV-Auftritt
Wulffs Auftritt ist nichts weiter als die Suche nach Verbündeten. Er will das Fernsehvolk für sich mobilisieren. Der Präsident bittet die Bürger, mit ihm einen Pakt zu schließen. Sie sollen weiter zu ihm halten - gegen die Medien, gegen die kritischen Nachfrager. Wir gegen die, das ist die Parole.

An wirklicher Offenheit ist er nicht interessiert. Zwar entschuldigt er sich für Fehler. Doch im gleichen Atemzug stilisiert er sich zum Opfer, verfolgt von angeblich so grausamen Journalisten, die in seine Privatsphäre eindringen und sogar wissen wollen, wer das Hochzeitskleid seiner Frau bezahlt habe. Die Botschaft seines Auftritts lautet: Seht her, ich bin ein guter Präsident, und meine Kritiker übertreiben maßlos.

Das ist dreist, war aber nicht anders zu erwarten. Wulff mimt einmal mehr die Unschuld vom Lande. Spätestens seit seinen "Ich bin der Präsident"-Anrufen beim Springer-Verlag müsste nun auch dem Letzten klar sein, dass er so ganz unschuldig nicht ist. Aber wen interessiert's?

Ehrlich: Wer das schluckt, hat es nicht besser verdient. Die öffentlich-rechtlichen Journalisten machen ernste Gesichter, als sie die böse politische Einflussnahme von oben auf Berichterstattung da unten verteufeln. Ausgerechnet. Man könnte laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Ein Präsident und seine Leistungen müssten am Ende der Amtszeit gemessen werden, also nach fünf Jahren, befindet Christian Wulff. Auch das noch. Es liegen fade, mittelmäßige Jahre vor ihm - und vor uns. Früher war der Präsident ein Ersatz-Kaiser, heute ist er ein Ersatz-Präsident. Mal sehen, ob es jemand bemerkt.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1049 Beiträge
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Seite 1
janne2109 04.01.2012
1. .......
Zitat von sysopDer Präsident versucht den Befreiungsschlag: Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne.*Das ist dreist, aber auch geschickt. Gut möglich, dass er damit durchkommt. Wulff-Auftritt im TV: Das war nichts - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807236,00.html)
na ja das Opfer einer Kampagne ist er ja auch geworden, nur leider auch durch seine Mithilfe. Zusammengefasst; hat er gut gemacht, mehr ging wirklich nicht, nun sollte das Thema erst wieder auf der Bildfläche erscheinen wenn es wirkliche handfeste Beweise für Fehlverhalten gibt. Soviel Eier wie er heute gezeigt hat, hat bisher noch niemand gezeigt.
holger_s. 04.01.2012
2. es tut weh
Zitat von sysopDer Präsident versucht den Befreiungsschlag: Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne.*Das ist dreist, aber auch geschickt. Gut möglich, dass er damit durchkommt. Wulff-Auftritt im TV: Das war nichts - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807236,00.html)
rÜcktritt, sofort!
flexscan 04.01.2012
3.
Zitat von sysopDer Präsident versucht den Befreiungsschlag: Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne.*Das ist dreist, aber auch geschickt. Gut möglich, dass er damit durchkommt. Wulff-Auftritt im TV: Das war nichts - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807236,00.html)
Das ist nicht dreist, sondern entspricht der Wahrheit.
janne2109 04.01.2012
4. .......
nu is aber auch mal gut, sollte er unter dem Büßerhemd noch die Hose runter lassen? Mehr ging nicht.
Toe Jam 04.01.2012
5.
Zitat von sysopDer Präsident versucht den Befreiungsschlag: Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne.*Das ist dreist, aber auch geschickt. Gut möglich, dass er damit durchkommt. Wulff-Auftritt im TV: Das war nichts - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807236,00.html)
Wulff gibt Fehler zu, damit ist er der Presse einen riesigen Schritt voraus. Die hat ja noch nie für Fehler entschuldigt.
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