Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsidenten Wulff bat Siemens um Geld für Groenewold-Film 

Ein Bittbrief an Siemens-Chef Peter Löscher bringt Ex-Bundespräsident Christian Wulff in neue Bedrängnis. Nach Informationen des SPIEGEL soll Wulff darin um Geld für ein Filmprojekt seines Freundes David Groenewold geworben haben.

Ex-Bundespräsident Wulff: Neuer Ärger?
dapd

Ex-Bundespräsident Wulff: Neuer Ärger?


Die Staatsanwaltschaft Hannover geht nach Informationen des SPIEGEL im Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff einer neuen Spur nach. Demnach hat Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident beim Siemens-Konzern um finanzielle Unterstützung für den Film "John Rabe" seines Freundes David Groenewold geworben.

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Heft 40/2012
Was Menschen über sich hinauswachsen lässt

In dem Werk geht es um das Schicksal eines Siemens-Managers, der während des Zweiten Weltkriegs in China Tausenden Menschen das Leben rettete. In einem persönlichen Brief an Siemens-Chef Peter Löscher schrieb Wulff am 15. Dezember 2008: "Ich habe die Bitte, dass die Siemens AG sich stärker als bisher in das Projekt einbringt." Er könne sich unter anderem eine Beteiligung bei der "Auswertung des Films" vorstellen. Löscher lehnte das Ansinnen aber im Januar 2009 ab.

Nach den Unterlagen, die den Ermittlern vorliegen, geht das Engagement Wulffs offenbar auf eine Bitte von David Groenewold zurück. Dieser hatte Wulff in einem Schreiben ("lieber Christian") Ende September 2008 gebeten, mit seinen "Kontakten" eine Verbindung zu dem Konzern herzustellen. Seine eigenen Vorstöße seien leider gescheitert.

Nur zwei Tage zuvor hatten Wulff und seine Frau an einer Feier auf dem Münchner Oktoberfest teilgenommen, die von Groenewold bezahlt worden war. Die Ermittler vermuten nun, es könnte ein Zusammenhang zwischen der Gefälligkeit und dem Treffen im Bierzelt bestehen. Geprüft werden zudem gemeinsame Aufenthalte Wulffs und Groenewolds auf Sylt und Capri.

Der neue Sachverhalt könnte zu einer Ausweitung des Verfahrens wegen Vorteilsannahme gegen Wulff und zu einer Verlängerung der Ermittlungen bis in den Winter führen. Wulff und Groenewold bestreiten die Vorwürfe und wollen sich zu dem konkreten Sachverhalt nicht äußern.

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