Glaeseker-Prozess Wulff erinnert sich plötzlich wieder

Überraschung im Prozess um verdächtige Urlaubstrips: Ex-Bundespräsident Wulff hat im Zeugenstand zugegeben, doch von den Reisen seines früheren Sprechers Glaeseker gewusst zu haben. 2012 hatte er dies noch bestritten - nun sei es ihm "wieder eingefallen".

Ex-Präsident Wulff: "Inzwischen wieder eingefallen"
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Ex-Präsident Wulff: "Inzwischen wieder eingefallen"


Hannover - Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat im Prozess gegen seinen früheren Sprecher Olaf Glaeseker seine Aussage von 2012 revidiert. Anders als damals bestätigte Wulff im Korruptionsverfahren gegen Glaeseker nun, von den Urlauben seines einstigen Vertrauten beim mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt sowie von deren Freundschaft gewusst zu haben.

"Olaf erzählte gelegentlich, dass er sich mit Manfred getroffen hat", sagte Wulff am Montag vor dem Landgericht Hannover. Die im Mittelpunkt des Prozesses stehenden Reisen seien ihm "inzwischen wieder eingefallen". In dem seit Dezember laufenden Prozess gegen Glaeseker hatten zuvor bereits mehrere Zeugen erklärt, Wulff sei immer über die Aktivitäten Glaesekers informiert gewesen. Dem hatte Wulff bislang widersprochen.

Im Jahr 2012 hatte Wulff jegliche Kenntnis von den Urlaubsgewohnheiten seines engen Mitarbeiters bestritten. Der Ex-Bundespräsident, selbst unter enormem Druck, distanzierte sich damals soweit wie irgend möglich von Glaeseker. Bei seiner Vernehmung hatte er nach SPIEGEL-Informationen angegeben, er sei kein Vertrauter seines ehemaligen Sprechers gewesen und habe wenig gewusst.

Glaeseker wird Bestechlichkeit vorgeworfen: Er habe sich von Schmidt im Gegenzug für sein Engagement für eine Prominentenfeier einladen lassen, so die Anklage. Wulff hatte Glaeseker am 22. Dezember 2011 ohne offizielle Angabe von Gründen entlassen. Einen Tag später erschienen erste Medienberichte über Glaesekers umstrittene Urlaube bei Partymanager Schmidt.

Glaeseker wird von der Anklage vorgeworfen, sich zwischen 2007 und 2009 bei den Prominentenfesten "Nord-Süd-Dialog" über Gebühr bei der Sponsorensuche engagiert zu haben. Dies alleine wäre keine Straftat - im Gegenzug soll Glaeseker aber vom mitangeklagten Partymanager Schmidt zu Flugreisen und Urlauben in Südfrankreich und Spanien eingeladen worden sein. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Streitwert auf rund 12.000 Euro. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe von sich und erklären die Reisen mit ihrer langjährigen Freundschaft.

Schirmherrn des "Nord-Süd-Dialogs" waren Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident und sein baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger (ebenfalls CDU).

fab/jok/dpa/AFP

insgesamt 88 Beiträge
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jonas4711 10.02.2014
1. Donnerwetter
ist der Mann gut. Kann sein Gedächtnis aus und einschalten, wie es beliebt....
der-schlafende-kaiser 10.02.2014
2. Ist der Ruf erst ruiniert.....
.....lebt sich's völlig ungeniert.
nettermensch 10.02.2014
3. Na klar,
bevor er vereidigt wird, fällt ihm das plötzlich wieder ein. Das jedenfalls hat er aus der Jurazeit mitgenommen. ;-)
Semmelbroesel 10.02.2014
4. Was...
Zitat von sysopGetty ImagesÜberraschung im Prozess um verdächtige Urlaubstrips: Ex-Bundespräsident Wulff hat im Zeugenstand zugegeben, doch von den Reisen seines früheren Sprechers Glaeseker gewusst zu haben. 2012 hatte er dies noch bestritten - nun sei es ihm "wieder eingefallen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wulff-erinnert-sich-jetzt-doch-an-glaeseker-urlaube-a-952542.html
...für eine Farce. Kein Wunder, dass Richter Rosenow keinen Bock mehr auf noch mehr Wulff-Prozeß hat.
les2005 10.02.2014
5.
So viel zur Glaubwürdigkeit unseres Ex-Bundespräsidenten. Vielleicht war es falsch oder zum Scheitern verurteilt, ihn wegen Bestechlichkeit zu belangen. Aber allein diese Aussage sollte Jedem wieder in Erinnerung rufen, warum sein Rücktritt überfällig war.
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