Wulff-Freund Egon Geerkens: Reich mit Schrott und Diamanten

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Egon "Bubi" Geerkens gilt als so schillernd wie medienscheu - und als väterlicher Freund des Bundespräsidenten. Mit Schmuck, Schrott und Immobilien machte der Osnabrücker Unternehmer Millionen. Nun gerät Christian Wulff wegen der Verbindung zu ihm in Bedrängnis.

Egon Geerkens (mit Ehefrau Edith): "Das war ein ganz sauberes Geschäft" Zur Großansicht
STAR PRESS/ aedt

Egon Geerkens (mit Ehefrau Edith): "Das war ein ganz sauberes Geschäft"

Hamburg - Es gibt eine schöne Anekdote über Egon Geerkens. Als sich "Bubi", wie ihn seine Freunde nennen, in den siebziger Jahren ein Penthouse in Osnabrück bauen ließ, kam für ihn nicht irgendeine Badewanne in Frage. Groß sollte sie sein, riesig am liebsten, mit goldenen Wasserhähnen. Ein Baukran musste anrücken, um das wuchtige Planschbecken in den sechsten Stock zu befördern. So berichten es Augenzeugen in der niedersächsischen Stadt, über die Jahre ist die Geschichte zur Legende geworden.

Egon "Bubi" Geerkens lebt schon seit längerem nicht mehr in Osnabrück. Dort hat er zwar sein Vermögen gemacht, verwalten und vermehren mag er es jedoch lieber in der Schweiz und in Florida. Er besitzt unter anderem ein Haus am Vierwaldstätter See und eine Villa in dem US-Sonnenstaat. Immer wieder lässt Geerkens dort Freunde logieren. An Weihnachten 2009 war ein besonders enger und langjähriger Vertrauter zu Gast: Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, heute Bundespräsident.

An den Urlaub dürfte sich Wulff mit Grausen erinnern, schließlich sorgte die Flugaffäre rund um den Florida-Trip im Januar 2010 für erhebliche Schlagzeilen. Nun muss sich Wulff erneut unangenehme Fragen gefallen lassen. Wulff hatte zwar nicht mit Geerkens, dafür aber mit dessen Ehefrau Edith im Oktober 2008 einen privaten Kreditvertrag über eine halbe Million Euro zu einem Zinssatz von vier Prozent geschlossen.

Freundschaft seit Wulffs Jugendjahren

Laut "Neuer Osnabrücker Zeitung (NOZ)" besteht die Verbindung der beiden schon seit Wulffs Jugendjahren, Geerkens wurde zum väterlichen Freund für den späteren Politiker. Auch als gastfreundlich hatte sich der Unternehmer schon vor der Florida-Affäre erwiesen: Als Wulff im Jahre 1988 seine erste Frau Christiane heiratete, durfte der CDU-Mann das luxuriöse Penthouse Geerkens' in Osnabrück nutzen. "Wulff hatte damals nicht das Geld für ein teures Restaurant", sagte Geerkens, der auch Trauzeuge war, 2010 im SPIEGEL.

Und auch die neuen Vorwürfe gegen Wulff kann Geerkens nicht nachvollziehen. Anfang 2008 seien die Zeiten schwierig gewesen für Geldanlagen, erinnert sich der Osnabrücker Unternehmer heute. "Die Bankenkrise begann, und man wusste doch nicht, wem man eigentlich noch Geld leihen konnte", sagte der 67-Jährige SPIEGEL ONLINE. Dabei hätten er und seine Frau damals gerade eine Investitionsmöglichkeit gesucht. Und so floss das Geld: Edith Geerkens überwies den Betrag auf ein deutsches Konto ihres Mannes in Osnabrück, der stellte dem CDU-Politiker einen Scheck aus. "Das war ein ganz sauberes Geschäft", so Geerkens.

Reich mit Schmuck, reicher mit Immobilien

Der gelernte Elektriker hat eine schillernde Karriere hinter sich. Dabei machte er sein erstes echtes Geld mit Schrott, wenn auch mit wertvollem Schrott. Geerkens reparierte teure Unfallautos und ließ sich seine Dienste gut entlohnen. Noch heute hält diese Liebe zum Automobil: 2009 tauchte er auf der Startliste einer Oldtimer-Rallye im norditalienischen Trento auf. Später handelte Geerkens mit Antiquitäten und betrieb äußerst erfolgreich einen Juwelierladen. 1972 übernahm er laut "NOZ" ein kleines Schmuckgeschäft mit An- und Verkauf in der Osnabrücker Innenstadt und baute es zum florierenden Unternehmen aus. Wirklich reich wurde Geerkens jedoch erst mit geschickten Immobilien-Geschäften, er besitzt etliche Objekte in Osnabrück und anderen deutschen Städten.

Von seiner Verbindung zu Wulff will Geerkens jedoch nie finanziell profitiert haben. "1978 habe ich zuletzt öffentliche Gelder für eine Immobilie bekommen", so der Bauunternehmer im SPIEGEL. Als er den Ministerpräsidenten einmal bei einer Auslandsreise nach China begleitet habe, sei er selber für die Kosten aufgekommen.

"Anfrage wahrheitsgemäß verneint"

Gleiches hatte Wulff auch über die verhängnisvolle Flugreise nach Florida um Weihnachten 2009 behauptet. Tatsächlich hatte er den Trip von Düsseldorf nach Miami für sich, seine Frau und die beiden Kinder selbst bezahlt - allerdings in der Economy-Class. In Wirklichkeit reiste das Quartett jedoch in der bequemem Business-Class. Wulff hatte damals erklärt, sein Büro sei drei Tage vor dem Abflugtermin am 20. Dezember von Air Berlin über ein kostenloses Upgrade unterrichtet worden. Er selbst habe aber erst am Abflugtag davon erfahren, die Vorzugsbehandlung sei nicht mehr zu ändern gewesen. Die Preisdifferenz für die besseren Plätze, mehrere tausend Euro, hatte Wulff nachgezahlt.

Auch der folgende Aufenthalt in der Geerkens-Villa war für Wulff gratis, sorgte jedoch im Zuge der "Air-Berlin-Affäre" für neugierige Fragen. Unter anderem hatten die Grünen im Hannoverschen Landtag wissen wollen, ob es geschäftliche Beziehungen zwischen dem Ministerpräsidenten und Geerkens gegeben habe. Genau diese Anfrage sorgt jetzt für Unruhe. Denn Wulff ließ damals antworten, er unterhalte keine geschäftliche Beziehung zu Geerkens.

An diesem Dienstag teilte Wulff über einen Sprecher noch einmal mit, er habe die "unmissverständliche" Anfrage der Grünen damals "wahrheitsgemäß verneint". Schließlich habe es nur mit Geerkens Ehefrau eine Vereinbarung zu dem Darlehen gegeben.

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1. Einer wie der Andere
sIggy Pop 13.12.2011
Zitat von sysopEgon "Bubi" Geerkens gilt als so schillernd wie medienscheu - und als väterlicher Freund des Bundespräsidenten. Mit Schmuck, Schrott und Immobilien machte der Osnabrücker Unternehmer Millionen. Nun gerät Christian Wulff wegen der Verbindung zu ihm in Bedrängnis. Wulff-Gönner Egon Geerkens: Reich mit Schrott und Diamanten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803463,00.html)
Leben neu ordnen? Hunzinger lässt grüssen! Vielleicht steht uns jetzt das nächste Sabbatical in den USA bevor? Da wird doch gerade wieder was frei im Unions Exil. Oder frag den Cem!
2.
ignazwrobel 13.12.2011
Zitat von sysopEgon "Bubi" Geerkens gilt als so schillernd wie medienscheu - und als väterlicher Freund des Bundespräsidenten. Mit Schmuck, Schrott und Immobilien machte der Osnabrücker Unternehmer Millionen. Nun gerät Christian Wulff wegen der Verbindung zu ihm in Bedrängnis. Wulff-Gönner Egon Geerkens: Reich mit Schrott und Diamanten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803463,00.html)
Ein Vorgang wie viele andere auch. Wir sollten damit aufhören, jeden Vorgang als grundsätzlich schlecht zu bewerten. *Ist hier irgend jemand zu schaden gekommen ? Nein* Wenn wir so weiter machen, dann gehen uns bei Zeiten die Leute aus, die sich irgendwie in der Öffentlichkeit engagieren. Die ganze Diskussion schürt nur Neid in der Bevölkerung und macht negative Stimmung. Zudem ist von Aufbruchstimmung rein gar nichts zu spüren, wenn wir immer alles in ein schlechtes Licht rücken.
3. Will hier jemand den Posten haben
Spiegelwahr 13.12.2011
Wenn hat Herr Wulff auf die Füsse getreten, dass jetzt so eine Medienhetze veranstaltet wird. Reich werden ist in Deutschland noch keine Schande und reiche Freunde haben auch nicht. Ob ein Privatkredit eine geschäftliche Beziehung ist, na ja, eher was persönliches, aber manche machen nur Geschäfte und kennen nichts persönliches. Wenn daraus ein Vorteilsnahme für den Kreditgeber entstanden ist, dann muss man neu nachdenken, aber sonst durchhalten. Nur wer ist auf den Posten scharf?
4. Zu Schaden gekommen...
mainzelmännchen 1 13.12.2011
Zitat von ignazwrobelEin Vorgang wie viele andere auch. Wir sollten damit aufhören, jeden Vorgang als grundsätzlich schlecht zu bewerten. *Ist hier irgend jemand zu schaden gekommen ? Nein* Wenn wir so weiter machen, dann gehen uns bei Zeiten die Leute aus, die sich irgendwie in der Öffentlichkeit engagieren. Die ganze Diskussion schürt nur Neid in der Bevölkerung und macht negative Stimmung. Zudem ist von Aufbruchstimmung rein gar nichts zu spüren, wenn wir immer alles in ein schlechtes Licht rücken.
...ist das Amt des Bundespräsidenten. Wer Wulff´s Verhalten verteidigt, dem ist nicht mehr zu helfen.
5. Gewiss kein Wulff-Fan
hairforce 13.12.2011
Zitat von sysopEgon "Bubi" Geerkens gilt als so schillernd wie medienscheu - und als väterlicher Freund des Bundespräsidenten. Mit Schmuck, Schrott und Immobilien machte der Osnabrücker Unternehmer Millionen. Nun gerät Christian Wulff wegen der Verbindung zu ihm in Bedrängnis. Wulff-Freund Egon Geerkens: Reich mit Schrott und Diamanten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803463,00.html)
Was will man denn mit aller Gewalt in diese Sache hineininterpretieren. Klingt doch bis jetzt vollkommen normal. Wenn nicht noch mehr hinzukommt war das ganze ein Schuss in den Ofen. Das dieser Geerkens mit Schrott und Diamanten Millionen gemacht hat, Hut ab, flexibel der Mann.
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