Wulff-Freund Geerkens: "Christian musste sein Leben neu ordnen"

Von Michael Fröhlingsdorf

Wie genau kam es zu dem Privatkredit für Christian Wulff? Der Unternehmer Egon Geerkens erklärt SPIEGEL ONLINE, warum seine Frau dem CDU-Politiker nach dessen Scheidung Geld für einen Hauskauf lieh.

Egon Geerkens (mit Ehefrau Edith): "Jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind" Zur Großansicht
STAR PRESS/ aedt

Egon Geerkens (mit Ehefrau Edith): "Jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind"

Hamburg - Christian Wulffs Freund Egon Geerkens findet nichts dabei, dass seine Frau Edith dem Politiker eine halbe Million Euro geliehen hat. Anfang 2008 seien die Zeiten schwierig gewesen für Geldanlagen, erinnert sich der Osnabrücker Unternehmer heute. "Die Bankenkrise begann, und man wusste doch nicht, wem man eigentlich noch Geld leihen konnte", sagt der 67-Jährige zu SPIEGEL ONLINE. Dabei hätten er und seine Frau damals gerade eine Investitionsmöglichkeit gesucht.

Wie gut, dass beide einen guten Freund hatten, der ein wenig klamm war: Christian Wulff, damals Ministerpräsident in Niedersachsen. Der CDU-Politiker hatte sich von seiner ersten Ehefrau in Osnabrück geschieden und plante einen Neuanfang mit seiner neuen Liebe Bettina.

"Christian musste sein Leben neu ordnen, und jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind", begründet der frühere Schmuckhändler einen Deal, der jetzt seinen Freund, den Bundespräsidenten, in Erklärungsnot bringt. Statt bei einer Bank lieh sich das neue Paar nämlich bei Geerkens Ehefrau Edith im Oktober 2008 Geld für ein neues Haus. Die Wulffs schlossen mit ihr einen Darlehensvertrag über 500.000 Euro. Für 415.000 Euro hatte das Paar ein Haus in Burgwedel bei Hannover gekauft. Im Vertrag allerdings ließ Geerkens den beiden freie Hand: Eine Zweckbindung gab es in der Vereinbarung nicht, die Laufzeit betrug fünf Jahre, der Zinssatz vier Prozent. Die Wulffs allerdings durften das Darlehen jederzeit vorzeitig tilgen, sollten sie eine günstigere Bankfinanzierung finden, sagt er. "Das war ein Zugeständnis an Wulff."

Das Geld kam aus der Schweiz, wohin Geerkens und seine Ehefrau 2003 wegen einer Krebserkrankung des Mannes übersiedelten. Edith Geerkens überwies das Geld auf ein deutsches Konto in Osnabrück. Ihr Mann stellte dem CDU-Politiker einen Scheck aus. "Das war ein ganz sauberes Geschäft", sagt Geerkens. "Uns war geholfen und ihm auch." Pünktlich einmal im Monat habe Wulff 1666 Euro Zinsen überwiesen, bis dieser im Juni 2010 ein laut Geerkens "erheblich besseres Angebot" der BW-Bank erhalten habe.

Obwohl Wulff 2008 eine Grundschuld auf seine neue Immobilie hatte eintragen lassen, brauchte er Geerkens laut dessen Angaben keine Sicherheiten zu geben. Wulff habe nämlich neben seinem Gehalt noch eine lukrative Immobilie in Osnabrück, die ihm ein sicheres Einkommen garantiere.

Die Aufregung um eine angeblich falsch beantwortete Anfrage im niedersächsischen Landtag zur Beziehung zwischen ihm und Wulff kann der 67-Jährige nicht nachvollziehen. "Es gab und gibt keine Geschäftsbeziehung zwischen mir und ihm", beharrt Egon Geerkens: "Erstens stammt das Geld von meiner Frau. Zweitens hat das Ganze nichts mit unserem Geschäft zu tun. Ich bin schließlich kein professioneller Geldverleiher."

Ganz getrennt scheinen die Geschäfte der Eheleute aber nicht zu sein. Im Jahr 2010 floss das Geld von den Wulffs laut Geerkens auf ein Konto, das ihm und seiner Frau gemeinsam gehört, räumt er ein.

Geerkens und Wulff kennen sich aus einer gemeinsamen Zeit in Osnabrück. Geerkens betrieb dort ein Schmuckgeschäft und baute Anfang der achtziger Jahre eine Einkaufspassage. Wulff startete dort seine politische Karriere.

Geld vom Staat für seine Projekte habe er nie bekommen, versichert der Privatier. Er habe zwar an drei Auslandsreisen des damaligen Ministerpräsidenten teilgenommen, aber auf eigene Kosten. Regen Kontakt würde er auch zu Wulff in seiner neuen Aufgabe als Bundespräsident halten. Auf Reisen habe er das Staatsoberhaupt aber nicht begleitet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand: "Edith Geerkens überwies das Geld auf ein deutsches Konto ihres Mannes in Osnabrück." Nach Angaben von Egon Geerkens muss es heißen: "Edith Geerkens überwies das Geld auf ein deutsches Konto in Osnabrück."

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1. Nachzufragen...
fatherted98 13.12.2011
Zitat von sysopWie genau kam es zu dem Privatkredit für Christian Wulff? Der Unternehmer Egon Geerkens erklärt gegenüber SPIEGEL ONLINE, warum seine Frau dem CDU-Politiker nach dessen Scheidung Geld für einen Hauskauf lieh. Wulff-Freund Geerkens: "Christian musste sein Leben neu ordnen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803424,00.html)
...wäre noch ob das Geld das man aus der Schweiz schickte in Deutschland ordentlich versteuert wurde....wäre doch echt ein Witz wenn sich Wulff Schwarzgeld geliehen hätte....
2. Unser Politikstil: Leugnen bis der Arzt kommt
watermark71 13.12.2011
Aha - mal in der Schweiz anfragen: wurden die Einnahmen aus den Zinsen denn korrekt versteuert? Auch ein halbprofessioneller Geldgeber sollte diese Einkünfte angeben müssen. Und die Einlassung: "Ich habe keine Geschäftsbeziehung mit ihm - es war seine Frau..." - die ist nur abenteuerlich und ähnelt sehr dem "die Vorwürfe sind abstrus" Stil des Herrn von und zu G. PS: Und wie kann er überhaupt die Zinsen kassieren -für sein DArlehen, das seine Frau gegeben hat? Und überhaupt - wurden die Zinsen auf ein DE oder ein CH Konto überwiesen...? Hier stellen sich doch noch einige Fragen zum Geldtransfer, die ein kritisches FA mal durchleuchten könnte...
3. An alle kreditnehmer: Auf zur BW-Bank!
Michael KaiRo 13.12.2011
Zitat von sysopDer Unternehmer Egon Geerkens: ".. , die Laufzeit betrug fünf Jahre, der Zinssatz vier Prozent." Pünktlich einmal im Monat habe Wulff 1666 Euro Zinsen überwiesen, bis dieser im Juni 2010 ein laut Geerkens "erheblich besseres Angebot" der BW Bank erhalten habe
Besser als 4 % pro Jahr? Wow, solche Konditionen möchten wir einfachen Bürger auch mal bekommen. Also, an alle Kreditnehmer: Auf zur BW-Bank!
4. ist doch alles in Ordnung...
Woolloomooloo 13.12.2011
500000 ohne Sicherheiten bei 4% sind doch eine Lappalie. Ok, ein kleiner Beamte muesste den Hut nehmen und etwas in der Preislage bei Sarrazin hätte man damals auch gerne als Vorlage gehabt. Aber egal, als Bundespräsident ist er auch nur dritte Wahl...
5. "Gefälligskeitsbescheinigung"
Fettnäpfchen 13.12.2011
Zitat von sysopWie genau kam es zu dem Privatkredit für Christian Wulff? Der Unternehmer Egon Geerkens erklärt gegenüber SPIEGEL ONLINE, warum seine Frau dem CDU-Politiker nach dessen Scheidung Geld für einen Hauskauf lieh.
Nette Gefälligkeitsbescheinigung vom Kreditgeber. Herr Wulff hätte seinen Freund für diese Aussage nicht vor die Presse bemühen müssen. Wir haben sie uns genau so vorgestellt und früher oder später erwartet. Die Frage ist, ob Herr Geerkens irgendwann irgendwelche privaten und/oder geschäftlichen Vorteile durch Wulffs politische Ämter und Funktionen hatte, so dass er ihm möglicherweise einen Gefallen schuldete und ihm deswegen das Darlehen gab. Das wiederum wird wohl nicht nachprüfbar sein.
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