Ex-Bundespräsident Wulff zahlte 10.000 Euro Preisgeld auf Privatkonto

In seiner Zeit als Staatsoberhaupt wurde Christian Wulff mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. In der Regel stiften die Geehrten das Geld für den guten Zweck. Wulff ließ die 10.000 Euro nach SPIEGEL-Informationen seinem Privatkonto gutschreiben. Jetzt erst hat er die Spende nachgeholt.

Christian Wulff: Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro auf dem Konto
dapd

Christian Wulff: Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro auf dem Konto


Hamburg - Das Preisgeld über 10.000 Euro offenbart einmal mehr die Schwäche des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, zwischen Privatem und Dienstlichem sauber zu trennen. Im vergangenen Herbst war der Christdemokrat vom Zentralrat der Juden mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Im Rahmen ihrer Finanzermittlungen war die Staatsanwaltschaft Hannover bei der Durchsicht von Wulffs privaten Kontoauszügen auf das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro gestoßen.

Die Behörde untersucht nach SPIEGEL-Informationen den Vorgang. Es werde geprüft, "ob aufgrund der Verwendung des Preisgeldes ein strafprozessualer Anfangsverdacht besteht", erklärte ein Sprecher. Zwar gibt es keine rechtlich verpflichtende Regelung für das Staatsoberhaupt; gleichwohl gehört es zum guten Ton für Bundesminister und Bundespräsidenten, Preisgelder gleich zu stiften. Frühere Preisträger wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Bundespräsident Johannes Rau, die Schauspielerin Iris Berben oder die Verlegerin Friede Springer erklärten bereits während der Verleihung, wohin sie das Geld zu spenden beabsichtigten.

Nachdem die Staatsanwaltschaft auf den Eingang von 10.000 Euro auf Wulffs Privatkonto gestoßen war, bat sie am 4. Juni das Bundespräsidialamt um Auskunft. Doch die Beamten fanden keine Akten zum Verbleib des Preisgeldes. Darum schickten sie laut SPIEGEL am 13. Juni einen Brief mit der Bitte um "Vervollständigung von Aktenbeständen" zum Leo-Baeck-Preis an Wulff.

Auf Anfrage ließ Wulff ausrichten, er habe den Betrag an den Freundeskreis des Chaim Sheba Medical Center in Israel überwiesen. Die Anfrage beim Zentralrat der Juden, ob der Stifter des Leo-Baeck-Preises damit einverstanden sei, wenn Wulff die 10.000 Euro an das Krankenhaus spende, stellte sein Büro laut SPIEGEL allerdings erst am vergangenen Dienstag - sieben Monate nach der Preisverleihung.

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insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
ozzoid 24.06.2012
1. Der gute Mann...
Zitat von sysopdapdIn seiner Zeit als Staatsoberhaupt wurde Christian Wulff mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. In der Regel stiften die Geehrten das Geld für den guten Zweck. Wulff ließ die 10.000 Euro seinem Privatkonto gutschreiben. Jetzt hat er die Spende flugs nachgeholt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,840613,00.html
... muß echt chronisch knapp bei Kasse gewesen sein. Offensichtlich gehobener 'lifestyle' und da oben mit der haute volée mithalten zu wollen/müssen ist nicht ganz so einfach...
jenzy 24.06.2012
2.
konsequent ist der mann ja immerhin. wo es die taschen zu füllen gibt, da findet sich diese person ein. und lacht sich nun ins fäustchen, auf unsere kosten, ein leben lang. alleine für diese personalie gehört die merkel auf den mond geschossen.
axel_roland 24.06.2012
3. peinlich...
schade - ich finde die bürger in deutschland hätten es verdient gleich einen präsidenten wie gauck zu bekommen. er war bereits zum zeitpunkt der wahl wulffs der mit abstand seriösere kandidat. schröder, wulff, berlusconi - der schritt vom einen zum anderen ist denk ich kleiner als man denkt
spon_2114428 24.06.2012
4.
...gibt's da denn noch etwas, das man hinzufügen sollte? Der Artikel spricht doch schon für sich. Jeder kann sich seinen Teil dazu denken. Eine Diskussion über Anstand und Moral loszutreten ist doch mittlerweile echt langweilig. Dazu gibt es solche "Verstöße" einfach viel zu oft. Es wäre einfach einmal an der Zeit, dieser Art von Mitmenschen zu zeigen, dass dieses Verhalten nicht mehr von der Bevölkerung geduldet wird. Wir sind das Volk...und damit haben wir die Macht darüber, wer uns als Volk vertitt!
rainer_daeschler 24.06.2012
5.
Was die Staatsanwaltschaft hier zu ermitteln hat, ist mir schleierhaft. Die sollte nur bei Rechtsverstößen aktiv werden. Vorteil für Wulff, eine neue Einstellung des Verfahrens in seiner Sammlung. Dem Urteil der Öffentlichkeit, damit ist nicht nur der Nur-Bildzeitungsleser gemeint, sondern auch die Kollegen aus der Politik bis zu den Alt-Bundespräsidenten, entgeht er damit nicht. Es wird ein weiterer Mosaikstein in dem Bild eines Bundespräsidenten, der die Würde für die Würde des Amtes nicht ins Schloss Bellevue mitbrachte.
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