Wulffs Sylt-Urlaub: Finanzspritze von der Schwiegermama

Christian Wulff muss erklären, wer zwei Sylt-Reisen für ihn und seine damalige Freundin Bettina nach Sylt bezahlte. Nach SPIEGEL-Informationen verteidigt sich der ehemalige Bundespräsident damit, dass die Mutter seiner Freundin das Geld geschenkt habe.

Christian Wulff, Bettina Körner (2008): Kostbares Geburtstagspräsent Zur Großansicht
dapd

Christian Wulff, Bettina Körner (2008): Kostbares Geburtstagspräsent

Nicht von Filmproduzent David Groenewold sollen zwei Urlaube Christian Wulffs auf Sylt finanziert worden sein, sondern von Wullfs heutiger Ehefrau - aus Bargeldgeschenken ihrer Mutter. So jedenfalls verteidigt sich Wulff nach SPIEGEL-Informationen in seinem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Das ergibt sich aus dem Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover auf Aufhebung der Immunität.

Demnach hat die Mutter von Bettina Körner schriftlich erklärt, ihrer Tochter zu deren 34. Geburtstag am 25. Oktober 2007 in bar 1000 Euro geschenkt zu haben. Sechs Tage später checkten Wulff und seine damalige Lebensgefährtin im Sylter "Hotel Stadt Hamburg" ein. Den dreitägigen Aufenthalt verbrachten sie gemeinsam mit Groenewold, der die Reise gebucht und mit seiner Kreditkarte vorfinanziert haben will. Anschließend, so Wulff und Groenewold, habe der Politiker die Kosten von 774 Euro in bar erstattet. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft korreliert die Rückerstattung allerdings nicht mit Bargeldabhebungen von einem Konto der Wulffs. Dies erklärt Wulff nun mit dem Geburtstagspräsent.

Ein weiteres Geldgeschenk über 2500 Euro soll seine spätere Frau von ihrer Mutter laut deren schriftlicher Erklärung Weihnachten 2007 erhalten haben - in bar. Die Scheine habe sie bis zu einem weiteren Sylt-Urlaub im August 2008 aufbewahrt, den ebenfalls Groenewold buchte und vorfinanziert haben soll. Auch in diesem Fall will Wulff die Kosten von 1540 Euro bar erstattet haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erscheint eine so lange Aufbewahrung des Bargelds "zumindest wirtschaftlich als unvernünftig", da Wulffs Konto jedenfalls im Juli 2008 um mehr als 10.000 Euro überzogen war.

Die "konkreten Umstände" begründen nach Ansicht der Staatsanwälte den Anfangsverdacht, dass Wulff tatsächlich von Groenewold "für ein allgemeines dienstliches Wohlwollen" eingeladen wurde und die Kostenerstattungen erfunden sind. Die Wulff-Version bringt die Ermittler allerdings womöglich in Beweisnot: Um ihn und Groenewold anklagen zu können, müssen sie den Nachweis führen, dass entgegen der Darstellung der Beteiligten kein Bargeld übergeben wurde.

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insgesamt 603 Beiträge
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1. *Rofl*
by_the_way 26.02.2012
Zitat von sysopChristian Wulff muss erklären, wer zwei Sylt-Reisen für ihn und seine damalige Freundin Bettina nach Sylt bezahlte. Nach SPIEGEL-Informationen verteidigt sich der ehemalige Bundespräsident damit, dass die Mutter seiner Freundin das Geld geschenkt habe. Wulffs Sylt-Urlaub: Finanzspritze von der Schwiegermama - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817607,00.html)
Ich lach mich weg ob der hanebüchenen Erzählung von Fam. Wulff. Selbst Münchhausen könnte noch dazulernen. Sie hat das Geld in der Sockenschublade aufbewahrt und er haut es im Urlaub auf den Kopf. Und Mama Körner ist jetzt auch noch im mit im Boot, mal schauen zu welchem Zeitpunkt ihm seine Kinder Geld geschenkt oder geliehen haben. Die traurige Facette der Geschichte wird sein, daß er damit durchkommt. Naja, Bananenrepublik halt
2. *seufz*
silberstern 26.02.2012
Zitat von sysopChristian Wulff muss erklären, wer zwei Sylt-Reisen für ihn und seine damalige Freundin Bettina nach Sylt bezahlte. Nach SPIEGEL-Informationen verteidigt sich der ehemalige Bundespräsident damit, dass die Mutter seiner Freundin das Geld geschenkt habe. Wulffs Sylt-Urlaub: Finanzspritze von der Schwiegermama - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817607,00.html)
Die zwei kommen mir immer mehr wie im Sport erwischte Doper vor, die solange haarsträubende Geschichten zu Ihren Vergehen erfinden, bis ihnen jedes Einzelne nachgewiesen wurden. Ich ertrage dies nur physisch, weil ich hoffe, dass es noch dazu kommen wird.
3. Wenn Wulff...
ginfizz53 26.02.2012
Zitat von sysopChristian Wulff muss erklären, wer zwei Sylt-Reisen für ihn und seine damalige Freundin Bettina nach Sylt bezahlte. Nach SPIEGEL-Informationen verteidigt sich der ehemalige Bundespräsident damit, dass die Mutter seiner Freundin das Geld geschenkt habe. Wulffs Sylt-Urlaub: Finanzspritze von der Schwiegermama - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817607,00.html)
...sich hat bestechen lassen, sind die Nachforschungen und Veröffentlichungen gerechtfertigt. Einige Vorwürfe stehen auch noch im Raum. Wenn aber, wie in den letzten Wochen, das gesamte Privatleben eines Politikers durchschnüffelt und an die Öffentlichkeit gezerrt wird, mit der hinterher blauäugig gestellten Frage "Könnte da was dran gewesen sein?", so findet das nicht mehr meine Zustimmung. Ich kann mich nicht energisch gegen den gläsernen Bürger - das Wunschbild in Faschismus und Kommunismus - wehren, wenn ich dieses Recht nicht auch Politikern zugestehe. In diesem Sinne verurteile ich auch die Regelung, nach der Politiker in vorverurteilender Weise ihre gesamte Einkommenslage den Inquisitoren preisgeben müssen.
4. Jetzt muss die Schwiegermutter ran
hanspetersen 26.02.2012
Gebt Herrn Wulff den Ehrensold, damit er seine "Miesen" bei der Bank ausgleichen kann. Der erste Scheck oder auch vielleicht Bargeld können beim Zapfenstreich übergeben werden.
5. Diätenerhöhung sofort
blowup 26.02.2012
Es wird langsam Zeit mal über eine drastische Erhöhung der Diäten nachzudenken. Es ist doch eine Schande, dass selbst Ministerpräsidenten sich im ganzen Familien- und Bekanntenkreis Geld pumpen oder zusammmenschnorren müssen, um nur halbwegs über die Runden zu kommen. Was ist denn das für ein Land, wo die Führungsspitze nicht mal Geld für einen Inlandsurlaub oder einen Flug mit der Business-Class hat? Man kann Wulf ja dankbar sein, dass jetzt endlich mal das finanzielle Elend unserer politischen Klasse deutlich wird. Kein Wunder, dass man da kein kompetentes Personal bekommt. Wer will schon ein Leben mit Pump und Schnorrerei verbringen müssen.
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