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07. Januar 2012, 12:30 Uhr

Wulffs Verhältnis zu den Medien

"Manchmal schock' ich Redakteure"

Der Bundespräsident hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht erst seit dem Anruf beim "Bild"-Chef. Schon als Ministerpräsident wetterte Christian Wulff gegen kritische Berichterstattung. Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater.

Berlin - Die Aufzeichnung der Pressekonferenz mit Christian Wulff fängt harmlos an, wenn auch mit der eher ungewöhnlichen Frage nach seinem Lieblingstier.

So kann Wulff erst einmal von seiner Vorliebe für Tapire erzählen ("Die finde ich ganz witzig") und für Rundschwanzseekühe, auch Manatis genannt ("Wie kleine Elefanten, die im Wasser schwimmen"). Der CDU-Mann berichtet noch, dass seine Familie mal einen Hund besaß, der stolze 19 Jahre alt wurde und aufs Wort gehorchte ("eine tolle Erfahrung"), und dass seiner Tochter Pferde gehörten.

Es ist eine Veranstaltung aus glücklicheren Zeiten, jedenfalls aus Wulffs Sicht. Er ist auf Einladung der "Braunschweiger Zeitung" gekommen, um an einer "Kinder-Pressekonferenz" teilzunehmen; das Durchschnittsalter der Fragesteller liegt bei zehn Jahren. Damals, zu Beginn des Jahres 2008, sieht die Republik in Wulff noch nicht den taumelnden, stammelnden Bundespräsidenten, gegen den immer neue Vorwürfe laut werden, sondern nur den braven Ministerpräsidenten von Niedersachsen; vom 500.000-Euro-Kredit ist noch keine Rede, von wütenden Mailbox-Nachrichten auch nicht.

Doch selbst bei dieser harmlosen Veranstaltung, fast vier Jahre vor seinem umstrittenen Anruf beim "Bild"-Chefredakteur, zeigte Wulff, wie sehr ihm Journalisten auf die Nerven gehen - und wie nachtragend er bei kritischer Berichterstattung ist.

Nachtragender Wulff: Zwei Jahrzehnte Erinnerung an kritische Berichte

Er sagt zwar, er könne mit Kritik gut umgehen, aber nur, wenn er sie für berechtigt halte. "Wenn Kritik unberechtigt ist, bin ich genauso ärgerlich wie jeder, der sich kritisiert fühlt, das aber nicht einsehen will." Und dann wendet er sich an sein Publikum, die fragestellenden Kinder, damit die verstehen, dass es beim Berufspolitiker Wulff und der Presse genauso ist wie bei ihnen, wenn sie von ihren Eltern einen Rüffel bekommen. Schließlich würden die Kinder auch schmollen und sich zurückziehen, wenn die Eltern meckern. "Insofern bin ich bei Kritik, wenn sie unberechtigt ist, manchmal sehr grimmig", so Wulff.

Noch 20 Jahre später könne er sich an unliebsame Berichterstattung erinnern, prahlt Wulff, und erzählt dann, wie er Journalisten direkt angehe: "Manchmal schock' ich Redakteure, die was geschrieben haben, und sage: Damals, '81, linke Spalte, dritte Seite - und das nehmen die mir manchmal übel!" Denn Wulff weiß: "Wenn Journalisten mal kritisiert werden, dann kann ich euch sagen, dann ist was los." Das könnten die Journalisten nämlich überhaupt nicht aushalten.

"Wir Politiker werden ja ständig kritisiert", sagt Wulff, "wir haben ein ganz dickes Fell." Er wolle aber auch, dass Menschen mit dünnem Fell in der Politik sein können. Das jedoch sei schwierig, man lese ja jeden Tag was über sich in der Zeitung. "Das ist nicht alles nur positiv."

Über die Androhung von Strafanträgen, Rubikon-Überschreitungen und Kriegsführung spricht er nicht.

otr

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