Kandidaten-Streit: Grünen-Frauen rebellieren gegen den "Boys Club"

"Dear Boys": Den weiblichen Abgeordneten der Grünen geht die aktuelle Debatte um eine Kandidatin für die Bundestagwahl gegen den Strich. In einem Protestbrief rufen sie laut "Süddeutscher Zeitung" dazu auf, nicht mehr öffentlich über mögliche Bewerberinnen zu diskutieren.

Grünen-Politikerin Andreae: Unterzeichnerin des Protestschreibens Zur Großansicht
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Grünen-Politikerin Andreae: Unterzeichnerin des Protestschreibens

Berlin - Schon die Anrede des Briefes hat es in sich. "Dear Boys", leiten mehrere Grünen-Abgeordnete ihr Schreiben an die männlichen Parteikollegen ein. Darin kritisieren sie deren Debattenbeiträge zur Kür der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr scharf.

Man werde "nicht akzeptieren, dass offenbar einige wenige Männer in unserer Partei glauben, Personalvorschläge auf Kosten von Frauen machen zu können", heißt es in dem Protestbrief von zehn Grünen-Frauen, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert. Der bisherige Verlauf der Nominierungsdebatte schade dem Ansehen der Partei, heißt es in dem Schreiben weiter.

Laut dem Blatt wurde der Brief unter anderem von der Fraktionsvize Kerstin Andreae, der Haushaltsexpertin Priska Hinz, der Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer sowie der Forschungsexpertin Krista Sager unterzeichnet.

Anlass für das ungewöhnliche Anliegen sind einige Äußerungen von männlichen Grünen-Politikern darüber, welche Frau am besten geeignet wäre für das Spitzen-Duo, mit dem die Partei in den Bundestagswahlkampf 2013 ziehen will.

Die Verfasserinnen des Briefs forderten ihre Parteikollegen auf, solche "autokratischen Ausrufungen" zu unterlassen. Für die Wahl des Spitzen-Teams gebe es "ein klar vereinbartes Verfahren". Es sei Aufgabe des Bundesvorstandes, einen Vorschlag zu machen. Abgestimmt werde dann auf dem Parteitag.

Linker Flügel contra Realos

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte zuletzt Katrin Göring-Eckardt als mögliche Kandidatin für den Realo-Flügel der Partei ins Gespräch gebracht. Damit hatte er wiederum Hans-Christian Ströbele gegen sich aufgebracht, der Co-Parteichefin Claudia Roth unterstützt. Diese hat ihre Bewerbung bereits öffentlich gemacht.

Ein sofortiges Ende dieser Personaldebatte über Bande verlangen die Unterzeichnerinnen des Brandbriefs nun laut "Süddeutscher Zeitung": "Wir Grünen können froh sein, dass es in unseren Reihen mehrere Frauen gibt, die Spitzenkandidatinnen sein können, während es offenbar nur einen Mann gibt, der dafür im Gespräch ist." Damit spielen sie auf Fraktionschef Jürgen Trittin an, der als gesetzt gilt.

Seit Monaten streiten die Grünen intern über das passende Personal für den Bundestagswahlkampf. Am Dienstag hatte Trittin Überlegungen zu einem möglichen Führungstrio eine klare Absage erteilt. "Bundesvorstand und Parteirat haben eine Doppelspitze beschlossen - einstimmig", sagte Trittin "Zeit Online". "Es gibt ein geordnetes Verfahren, an das wir uns halten sollten: Anfang September wird entschieden, wie die beiden Spitzenkandidaten ausgewählt werden", sagte Trittin.

jok/AFP

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insgesamt 48 Beiträge
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1.
morlakar 26.07.2012
Wieso schadet es der Partei wenn einzelne ihre Meinung über möglcihe Kandidaten kundtun? Und was soll dieser sexistische Mist das nur Männer darüber nicht reden dürfen?
2.
niska 26.07.2012
Zitat von sysopDPA"Dear Boys": Den weiblichen Abgeordneten der Grünen geht die aktuelle Debatte um eine Kandidatin für die Bundestagwahl gegen den Strich. In einem Protestbrief rufen sie laut "Süddeutscher Zeitung" dazu auf, nicht mehr öffentlich über mögliche Bewerberinnen zu diskutieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846477,00.html
Frauen sind bei den GrünInnen gemessen an den Mitgliedern doch eh schon schonungslos überrepräsentiert. Da jetzt trotzdem noch weiterzuquengeln ist schon bezeichnend für die Quotentruppe.
3. ...
roxxor 26.07.2012
Zitat von sysopDPA"Dear Boys": Den weiblichen Abgeordneten der Grünen geht die aktuelle Debatte um eine Kandidatin für die Bundestagwahl gegen den Strich. In einem Protestbrief rufen sie laut "Süddeutscher Zeitung" dazu auf, nicht mehr öffentlich über mögliche Bewerberinnen zu diskutieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,846477,00.html
Sommerlochmärchen 2012
4. Lächerlich
leserin_45 26.07.2012
So sieht es aus, wenn man über seine eigenen Ideologien stolpert und diese sich verselbständigt haben. Dieses Gender-Gehabe nervt unglaublich.
5. Weiblicher Chauvinismus
arminpillhofer 26.07.2012
Dass der Geschlechterchauvinismus heute hauptsächlich weiblich besetzt ist, beweist auch dieser Brief der Grünen Frauenmachos. Allein die Anrede "dear boys" ist von einer unfassbaren weiblichen Herablassung. Man stelle sich das mal umgekehrt vor und Männer würden so über Frauen sprechen. Zu guter letzt auch noch der Hinweis, dass es nicht genug fähige männliche Kanditaten gebe. Auch hier zeigt sich wieder der weibliche Hochmut. Für Männer sollte so eine Partei unwählbar sein.
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