Deutsche Reaktionen auf den WWF-Skandal "Naturschutz kann lebensbedrohlich sein"

Die Bundesregierung arbeitet seit Jahren mit dem WWF zusammen. Nun gibt es massive Vorwürfe gegen die Organisation. Umweltpolitiker fordern Aufklärung und ein vorläufiges Ende gemeinsamer Projekte.

Kampf gegen Wilderer (Symbolbild)
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Kampf gegen Wilderer (Symbolbild)

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Die Anschuldigungen wiegen schwer: Laut einem Bericht des Online-Magazins "BuzzFeed" soll die Natur- und Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund For Nature (WWF), Wildhüter finanziell und logistisch unterstützen, die schwerste Verbrechen begehen. Die Bundesrepublik arbeitet seit Längerem mit der Organisation an verschiedenen Projekten. Umweltpolitiker zeigen sich von den Vorwürfen erschüttert und fordern Konsequenzen.

Der Überblick:

  • Die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl ist selbst Mitglied des WWF und Vorsitzende des Umweltausschusses. Sie fordert, der WWF müsse die Vorwürfe aufklären und sofern sie haltlos seien, nachvollziehbar entkräften. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte der WWF damit nicht nur sich selbst immensen Schaden zugefügt. Der Schutz von Wildtieren rechtfertigt keine Gewalt gegen Menschen," sagte Kotting-Uhl weiter. Die WWF-Zentrale hat eine Presseerklärung veröffentlicht, wonach die Anschuldigungen von unabhängiger Seite untersucht werden sollen.
  • Umweltpolitiker Olaf in der Beek (FDP) äußerte sich erschüttert. "Gewaltsame Übergriffe, sexueller Missbrauch und sogar Mord stehen als Anschuldigungen im Raum. Bis diese Vorwürfe nicht restlos aufgeklärt sind, darf kein weiterer Cent aus der Staatskasse an den WWF fließen", sagte er. Sämtliche Projekte des Umweltministeriums und des Entwicklungsministeriums mit dem WWF müssten ausgesetzt werden.

    In der Beek bezeichnete Natur- und Umweltschutz sowie den Kampf gegen Wilderei und den Schmuggel von Wildtieren als "extrem wichtige Anliegen". Aber nichts davon rechtfertige in irgendeiner Weise den Einsatz von Gewalt, die Finanzierung von obskuren paramilitärischen Gruppen und schon gar nicht Menschenrechtsverletzungen, sagte der FDP-Politiker weiter. "Wer im Kampf für den Tierschutz die Menschenrechte bricht, der hat jeden moralischen Anspruch verloren, " so in der Beek.
  • Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Marie-Luise Dött, äußerte sich zurückhaltender. Die konkreten Anschuldigungen gegen den WWF wollte sie nicht kommentieren. "Der WWF setzt sich seit Jahren engagiert für den Umweltschutz ein. Dafür gebührt den Mitarbeitern Dank und Respekt", sagte die CDU-Politikerin. Sie gehe davon aus, dass die Organisation die Vorwürfe prüfen und ausräumen werde.
  • SPD-Politikerin Gabi Weber begrüßte die schnelle Bereitschaft des WWF, den Vorwürfen nachzugehen. "Dies sollte allerdings auch durch unabhängige Dritte getan werden, um jede Einflussnahme auf die Untersuchung auszuschließen", sagte sie weiter. "Natürlich müssen sich Ranger gegen das meist brutale Vorgehen der Wilderer zur Wehr setzen können. Dazu brauchen sie eine entsprechende Ausstattung. Was aber scheinbar fehlt, ist eine Ausbildung der Ranger in Bezug auf Menschenrechte", sagte die Sprecherin der Arbeitsgruppe wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der SPD-Bundestagsfraktion.

Gefährlicher Naturschutz

  • Deutlichere Worte kamen aus der Linken. "Naturschutz kann lebensbedrohlich sein - das zeigen die Enthüllungen zum WWF", sagte Eva-Maria Schreiber, Obfrau der Linksfraktion im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Bundesregierung finanziere über den WWF etliche Projekte im Kongo-Becken. Und sie sei einer der wichtigsten Geldgeber für diese Schutzgebiete.

    Die Bundesregierung müsse sich zu den Vorwürfen verhalten, forderte die Politikerin. Schreiber hat in der Vergangenheit bereits zwei Anfragen zur Zusammenarbeit mit dem WWF gestellt. Dabei ging es unter anderem um Berichte über Menschenrechtsverletzungen in den Schutzgebieten des Kongo-Beckens. "Gerade dort haben sich in der letzten Zeit Berichte über Menschenrechtsverletzungen gehäuft, die von fehlenden Mitspracherechten bis hin zu Vertreibungen, Vergewaltigungen und Mord reichen", sagte sie. Die Bundesregierung müsse daher die gesamte Schutzgebietsförderung prüfen.
  • Auch die AfD forderte eine Aufklärung der Vorwürfe gegen den WWF. "Die Spenden von Privatpersonen und die staatlichen Zuwendungen unter anderem für die Bewaffnung von marodierenden Söldnern zu missbrauchen, nähme dem WWF jegliche Seriosität. Damit würde er sich auf das gleiche Niveau der Wilderer begeben," sagte Andreas Bleck. Der AfD-Politiker sitzt im Umweltausschuss des Bundestags. "Eine mögliche Beihilfe zu diesen Menschenrechtsverletzungen seitens des WWF kann nicht im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes sein", sagte Blecker weiter.
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insgesamt 8 Beiträge
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thor.z1367 05.03.2019
1. Ja das wäre schlimm, aber
Um den die Tiere zu schützen muss man oft schwere Geschütze auffahren. Da die Gegenseite ohne mit der Wimpern zu zucken einen töten würde. Das ist das Dilemma, wenn dann in der Organisation darüber nachdenkt wie kann man dagegensteuern kann. Dann kann es zu solchen Aktionen kommen.Das sollte so nicht sein, das ist moralisch gesehen jenseits von gut und böse. Ich kann es aber verstehen, wenn jemand meint man könne nur so die Tierwelt und Umwelt retten. Das es kriminell und genauso so krank ist wie die Gegenseite muss man nicht betonen. Das muss geahndet werden.
hiho_filu 05.03.2019
2. Das nenne ich mal konkrete Maßnahmen..
Ich hätte mit einem militärisch organisierten Umweltschutz nicht wirklich ein Problem. Die ganzen Wilderer und ihre Lakaien einfach nachhaltig ausradieren und gut ist. Die Gegenseite tritt noch sehr viel agressiver auf den Plan, also von daher...
Naturschützer 05.03.2019
3. Naturschutz ist oft wie Krieg
Bevor die oft lebensgefährliche oder nicht selten tödliche Arbeit von Naturschützern u.a. in Afrika, Asien oder Südamerika in Misskredit gebracht wird, sollten Ergebnisse unabhängiger Untersuchungen zu den hier angeführten Anschuldigungen abgewartet werden. Fakt ist, dass jährlich Dutzende Rangerinnen und Ranger durch schwer bewaffnete, skrupellose, oft kartellgesteuerte Wilderer ermordet bzw. bei der Ausübung ihrer wichtigen Arbeit ermordet werden. Ja, WWF und andere Naturschutzverbände müssen leider die Arbeit von Rangern in Überseeregionen finanzieren und letztlich auch kontrollieren, da oft korrupte oder gleichgültige Regierungen oder Regierungsbehörden in betreffenden Ländern ihren Verpflichtungen zum Schutz letzter Habitate nicht nachkommen oder eigenes Personal, das diese Aufgaben übernehmen sollte, schlecht ausrüsten oder monatelang nicht bezahlen. Es soll hier auf keinen Fall anderes Unrecht gerechtfertigt werden, aber es muss klar sein, dass Naturschutz inzwischen oft wie Krieg ist. Und ja, den Vorwürfen muss nachgegangen werden. Die Lobby der geschundenen und ausgeplünderten Natur ist aber insgesamt viel zu gering (letztlich auch vor unserer eigenen Haustür) und es braucht gerade auch hier, wie im Kampf gegen andere kriminelle Handlungen wie Drogen-, Waffen- oder Menschenhandel, harte Mittel, um ihr irgendwie zu etwas Recht zu verhelfen. Naturschutz ist letztlich der wichtigste Menschenschutz. Stereotype Empörung von politischen Vertretern oder "Menschenrechtlern", die oft an anderen verantwortlichen Stellen versagen, sind hier nicht angebracht.
tilmazio 05.03.2019
4. In Deutschland ist jede dritte Art von Aussterben bedroht
Wer dafür bezahlen möchte, dass vom WWF gedungene Söldner auf die wehrlose Landbevölkerung losgeht (die oft aus den Wildparks und Naturschutzgebieten vertrieben wurde und darum kein Auskommen mehr hat) sollte sich vielleicht erstmal mit dem eigenen Lebenswandel beschäftigen. Wenn der WWF in Deutschland Söldner einsetzt, die Autofahrer oder Wochenend-Kurzurlauber mit Easy Jet oder Idioten, die jedes Jahr ein neues Hamdy kaufen, verprügeln, werde ich auch Mitglied. Bis dahin ist dieses Recht-so-Gerede hier grüner Kolonialismus von Leuten, die sich an die eigene Nase fassen sollten, wenn es um massive Umweltverschmutzung und Weltzerstörung im größtmöglichen Masstab geht. Im Vegleich zu den Umweltschäden, für die jeder einzelne Deutsche durch seine schlichte Existenz verantwortlich ist, ist jeder AFrikaner ein Umweltheiliger...
iris_koch 06.03.2019
5. WWF-Strategie schadet der Natur
Selbstverständlich müssen Wildhüter gut ausgerüstet und bewaffnet sein, um die Tiere effektiv schützen zu können. Doch der WWF agiert hier in kriminell-mafiösen Strukturen - und das kommt keineswegs der Natur und den Tieren zugute! Es geht mit Sicherheit sogar nach hinten los. Denn nachhaltiger Schutz kann nur in Kooperation mit der lokalen Bevölkerung funktionieren und braucht deren Akzeptanz. Dass gegen Wilderer hart durchgegriffen muss, ist keine Frage. Aber es hilft der Natur und den Tieren überhaupt nicht, wenn Unschuldige malträtiert und getötet werden. Deswegen müssen diese Vorwürfe aufgeklärt werden. Im übrigen handelt es sich hier bei weitem nicht um die einzige fragwürdige Aktivität des WWF. Auch dass die Organisation nach wie vor Trophäenjagd unterstützt und im Gegensatz zu vielen Artenschutz-Organisationen weltweit ein Verbot des Elfenbeinhandels NICHT für notwendig hält, ist ein schwerwiegender Kritikpunkt.
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