Kritik an ARD-Auswahl Grünen-Politikerin Roth findet Naidoos ESC-Teilnahme "voll daneben"

Xavier Naidoo soll Deutschland beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertreten. Jetzt gibt es viel Kritik - auch aus der Politik. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth nennt Naidoo einen "homophoben Künstler".

Xavier Naidoo auf der Bühne: Soll für Deutschland beim ESC singen
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Xavier Naidoo auf der Bühne: Soll für Deutschland beim ESC singen


Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ist entsetzt über die Entscheidung der ARD, den Sänger Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest (ESC) zu schicken.

"Es ist kein Zeichen von Stärke, wenn die ARD nicht mehr dem Zuschauerwillen vertraut, sondern einfach mal festsetzt, welcher Künstler Deutschland beim ESC repräsentieren soll. Demokratie sieht anders aus", sagte Roth SPIEGEL ONLINE. "Und dass ausgerechnet Xavier Naidoo in Zeiten von Pegida und AfD das Gesicht Deutschlands in der Welt sein soll, finde ich voll daneben."

Die Entscheidung, dass Naidoo für Deutschland zum ESC fährt, wurde am Donnerstag bekannt. Wie ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber in Hamburg mitteilte, wurde der 44-Jährige als "Ausnahmekünstler" ohne den üblichen Vorentscheid nominiert. Die Kür des Sängers sorgt für heftige Kritik.

"Mit dieser mindestens unsensiblen Entscheidung erweist die ARD dem Ansehen des Landes einen Bärendienst. Auch hat es eine ganz eigene Ironie, wenn zum ESC mit seiner großen LGBT-Anhängerschar [LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender - die Red.] ausgerechnet ein homophober Künstler geschickt wird, der bei Montagsdemos auftritt", sagte die ehemalige Grünen-Vorsitzende weiter.

Zwar sei Naidoo "ein Musiker, der mit den Söhnen Mannheims für die deutsche Popmusik stilprägend war", so Roth, aber er repräsentiere nicht ein Deutschland, in dem die Menschenwürde uneingeschränkt gelte.

Auftritt bei den "Reichsbürgern" 2014

In den sozialen Netzwerken erinnerten am Donnerstag viele Beiträge an einen Auftritt Naidoos vor den rechtsextremen sogenannten Reichsbürgern am Tag der Deutschen Einheit 2014. Diese Bewegung spricht der deutschen Verfassung jede Legitimation ab. Später sagte Naidoo, er habe sich bei dem Besuch informieren wollen.

2012 hatte es zudem eine Anzeige gegen den Sänger wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung gegeben, weil er auf seinem mit Rapper Kool Savas veröffentlichten Nummer-eins-Album "Gespaltene Persönlichkeit" einen sogenannten Hidden Track untergebracht hatte, in dem es um Ritualmorde an Kindern ging. Das Lied empfanden die Kritiker als homophob, juristische Konsequenzen hatte es aber nicht.

Naidoo sagte zu seiner Kür, er wolle zeigen, "wofür ich stehe - für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander". Naidoos Alben wurden in Deutschland millionenfach verkauft. Er bekam zahlreiche Preise, darunter mehrfach den "Echo". Sein Hit "Dieser Weg" war 2006 die inoffizielle Hymne der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.

In den vergangenen Jahren schnitt Deutschland beim ESC enttäuschend ab. Beim diesjährigen Sieg des Schweden Mans Zelmerlöw wurde Ann Sophie mit null Punkten Letzte. Auch in den Vorjahren landeten die deutschen Starter Elaiza und Cascada weit hinten.

amz/dpa

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