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NPD vs. SPD-Politiker Dahlemann: Kampf um die YouTube-Hoheit

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YouTube/PatrickDahlemann

Sein Auftritt bei einer NPD-Veranstaltung sorgt für Furore. Mit einer couragierten Rede begeistert SPD-Politiker Dahlemann die YouTube-Nutzer. Die Rechtsextremen wehren sich. Doch die dauerhafte Internet-Blockade des Clips dürfte kaum Erfolg haben.

Hamburg/Torgelow - Bei 190.420 Klicks war Schluss: Das YouTube-Video vom mutigen Auftritt des SPD-Manns Patrick Dahlemann auf einer NPD-Kundgebung in Torgelow ist auf seinem Kanal nicht mehr verfügbar - "aufgrund des Urheberrechtsanspruchs vom NPD-Landesverband MV", wie es heißt.

"Der Beitrag ist blockiert", sagt Dahlemann. Die rechtsextreme Partei habe sich bei YouTube beschwert. Das bestätigt Landeschef Stefan Köster auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Das Video ist rechtswidrig, Herr Dahlemann hat bei uns nicht nachgefragt, ob er unser Filmmaterial verwenden darf. Das ist eine Verletzung des Urheberrechts."

Die Rechtsextremen gehen nun auch gegen die zahlreichen Kopien des Films vor. Vielen Usern hat der Auftritt des 25-jährigen Kommunalpolitikers imponiert. Sie haben den Beitrag deshalb bereits selbst gepostet, den der Rechtsextremist Köster "eine Selbstdarstellungsshow Dahlemanns" nennt.

Mutige Gegenrede

Die NPD versucht nun mit rechtlichen Gründen das 15-minütige Video von Dahlemann im Internet zu verhindern. Schließlich kommt sie in dem Clip nicht gut weg - und das auf ihrer eigenen Veranstaltung.

Der SPD-Politiker hatte Ende Juli vergangenen Jahres in Torgelow die Herausforderung von NPD-Chef Stefan Köster angenommen. In dem 8700-Einwohner-Städtchen im Südosten Mecklenburg-Vorpommerns hatten die Rechtsextremen Stimmung gegen ein neues Asylbewerberheim machen wollen. Köster wollte den SPD-Politiker Dahlemann wohl provozieren, als er ihm das Mikrofon anbot.

Der Sozialdemokrat nahm an und hielt eine mutige, knapp fünf Minuten lange Gegenrede gegen die Asyl-Hetze der NPD.Er wehrte sich gegen die Parolen der rechtsextremen Partei gegen Asylbewerber, appellierte an die Menschlichkeit der Bewohner in Torgelow - hier ein Auszug:

"Ich verstehe, dass Sie vor allem Angst haben, aber bitte fallen Sie darauf nicht rein, was Ihnen die aus dem gesamten Land eingeflogenen Neonazis zu sagen haben", rief Dahlemann (Minute 1:57).
Oder: "Bitte vergessen Sie nicht, das sind Menschen, die freiwillig bereit sind, ihre Heimat zu verlassen, weil sie Angst um ihr Leben haben, weil sie Angst haben, ihre politische Meinung zu vertreten oder weil sie aufgrund einer anderen Hautfarbe und ihrer Religion verfolgt werden." (Minute 1:30)

Dahlemanns Video zeigt auch Äußerungen des NPD-Landeschefs Stefan Köster. Diese werden aber mit Einordnungen und Zahlen durch den SPD-Mann gegengeschnitten. Auch ein Polizeidirektor kommt zu Wort (9:42), er widerspricht der Behauptung der Rechtsextremen, durch eine neue Asylbewerberunterkunft in Wolgast gebe es wachsende Gewalt und Kriminalität. "Wir dürfen uns nicht von den Neonazis einschüchtern lassen", begründet der SPD-Mann sein Vorgehen.

Dahlemann, der für seinen Mut auch Lob von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bekam, will nun alles dafür tun, damit sein Video auch wieder online gehen kann. Er prüfe selbst rechtliche Schritte, um bei YouTube Einspruch gegen die Blockade einlegen zu können. Er habe zwar Material der NPD verwendet, aber eigene Sequenzen hinzugefügt, sagt er. Die NPD hatte einen Film von der Veranstaltung auf YouTube gepostet, später dann aber gelöscht.

So oder so, das Wichtigste sei, dass sein Video weiter online zu sehen sei, sagt Dahlemann. Dafür werde er sich nun einsetzen. Schließlich dürfe man sich von den Neonazis nicht einschüchtern lassen. Inzwischen ist sein Film auf anderen Videoportalen zu sehen.

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