Sonneborn-Truppe YouTube sperrt Sex-Wahlspot von Satirepartei

Familienpolitik hinter Milchglas: YouTube hat einen schlüpfrigen Wahlwerbespot der Satirepartei "Die Partei" gesperrt. Das ZDF scheint sich an der Liebesszene nicht zu stören, im Fernsehen lief der Spot bereits.

Werbespot der "Partei" (Screenshot): Zu anzüglich für YouTube

Werbespot der "Partei" (Screenshot): Zu anzüglich für YouTube


Berlin - Das Videoportal YouTube hat einen Wahlwerbespot der Satirepartei "Die Partei" gesperrt. Der ungewöhnliche Spot hatte seine Premiere am Dienstagabend um 22 Uhr im ZDF, die "Die Partei" hatte ihn kurz zuvor auf YouTube hochgeladen.

Das Video zeigt ein Paar beim Sex - allerdings nur in Konturen, als würde die Kamera durch ein Milchglas filmen. Untermalt von Stöhn-Geräuschen und Gitarrenmusik singt eine Stimme: "Die Partei - für eine Zukunft mit Zukunft" oder "Die Partei macht euch high. Die Partei, sei dabei." Ein "Beitrag der Partei 'Die Partei' zum Thema Familienpolitik" ist die Überschrift des Spots.

Während die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender offenbar keine Probleme mit der angedeuteten Sexszene haben, sind die Amerikaner da sensibler: YouTube nahm den Spot bereits am Mittwochmorgen von der Seite. "Partei"-Leute versuchten einige Male, ihr Filmchen wieder hochzuladen - nur um wenige Minuten später festzustellen, dass es erneut gesperrt wurde.

"Keine Antwort bekommen"

Bundeschef Martin Sonneborn (der übrigens für SPIEGEL ONLINE die Satirerubrik SPAM betreut) schrieb daraufhin an die Pressestelle von YouTube, bislang ohne Erfolg. "Ich habe klargemacht, dass es sich um den Wahlspot einer zugelassenen Partei handelt, aber noch keine Antwort bekommen", sagte er. Auch für SPIEGEL ONLINE war YouTube zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die Satiriker luden ihren Clip zwischenzeitlich bei einem anderen Portal hoch, auch dort wurde er aber anscheinend wieder entfernt. Als abgefilmtes Original konnte man den Spot am späten Nachmittag wiederum erneut auf YouTube sehen - fraglich ist nur, wie lange noch.

Die 2004 von Redakteuren der Zeitschrift "Titanic" gegründete Partei hatte schon 2009 versucht, bei der Bundestagswahl anzutreten. Damals wurde sie allerdings nicht zugelassen, erst dieses Jahr durfte sie antreten. Auf kommunaler Ebene hat es die Partei inzwischen mit einem Kandidaten in die Lübecker Bürgerschaft geschafft. Die Partei setzt sich laut Eigendarstellung für "Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" ein.


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kes/amz



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sozialemarktwirtschaft 11.09.2013
1. Ja,
den Spot habe ich gestern Abend zufällig im ZDF gesehen! Ein völlig durchgeknallter Wahlspot ohne jeden Sinn und Verstand! Was hat Sexgestöhne hinter der Milchglasscheibe mit der BTW zu tun?
Rikus 11.09.2013
2. Beitrag zur Familienpolitik
Von anderen Partien gibt es unpassendere Beiträge zum Thema Familienpolitik. Natürlich muss Youtube, als Teil eines US-Konzerns, das Filmchen zensieren. In den USA darf Gewalt in allen Extremen gezeigt werden, aber wehe etwas nackte Haut oder auch nur die Andeutung von Sex ist zu sehen... Die armen Kinder.
wolleb 11.09.2013
3.
Die Amis sind nicht sensibler, sie sind nur verklemmt.
EvilGenius 11.09.2013
4. Politische Zensur
Was besseres konnte Sonneborn ja nicht passieren!
dowhepole 11.09.2013
5.
Eine Frechheit, dass die Medien den Wahlkampf einer Partei aus der Mitte der Bevölkerung so behindern. Es ist schon schlimm genug, dass sich der Spiegel, die Süddeutsche, etc pp nicht mit dieser Partei beschäftigen, nein, auch die Prognoseinstitute betrügen hier. Meinen eigenen Metaanalysen zu Folge müsste die Partei eigentlich bei 10%, oder mehr liegen, wie kann es da sein, dass sie es nicht einmal aus den 'Sonstigen' heraus schafft.
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