Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ypsilanti meets Wagenknecht: Plausch im Plüsch-Sozialismus

Von , Halle

Andrea Ypsilanti bastelt an ihrem Comeback in der SPD - und lotet die Nähe zur Linkspartei aus. Dafür traf sich die gescheiterte Sozialdemokratin nun sogar mit der bekennenden Kommunistin Sahra Wagenknecht. Beide suchten angestrengt nach Gemeinsamkeiten.

Sozialdemokratin Ypsilanti, Linkspartei-Frau Wagenknecht in Halle: Manche Gemeinsamkeit Zur Großansicht
ddp

Sozialdemokratin Ypsilanti, Linkspartei-Frau Wagenknecht in Halle: Manche Gemeinsamkeit

Wo sie an diesem Abend gelandet ist, wird Andrea Ypsilanti schon nach wenigen Minuten klar: Moderator Roland Claus, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, hat die Sozialdemokratin in Halle an der Saale begrüßt - und kommt dann rasch auf das neue Wirkungsfeld der in Hessen gescheiterten SPD-Frau zu sprechen. Sie habe doch da kürzlich das "Institut Sozialistische Moderne" begründet, sagt Claus, worauf Ypsilanti sofort und wiederholt den Kopf schüttelt. Denn die sogenannte Denkfabrik, mit der sie gemeinsam mit Politikern von Grünen und Linkspartei am großen gesellschaftlichen Gegenentwurf werkeln will, heißt "Institut Solidarische Moderne".

"Ich kriege das nicht weg", sagt Claus, der letzter Bezirks-Chef der SED in Halle war, und lacht. Ypsilantis Konter: "Deshalb sitze ich ja hier."

Warum Ypsilanti am Mittwochabend im Varieté-Theater "Steintor" der Kommunistin Sahra Wagenknecht gegenüber sitzt, hat sich im Voraus tatsächlich mancher gefragt, auch der Hessin wohlgesinnte Parteifreunde. Moderator Claus spricht von dem traditionsreichen Haus als "Sozialismus in Plüsch". Hinter Ypsilanti schimmert nun der grau-grüne Glitzervorhang, vor der Bühne sind ein paar hundert Gäste, vorwiegend im Seniorenalter, sehr neugierig auf das Gipfeltreffen der "Frauen ganz links" - so das Motto der kommenden anderthalb Stunden.

Beide könnten von dem Abend profitieren

Sie könnten für beide das sein, was Ökonomen eine "Win-Win"-Situation nennen: Ypsilanti, 52, im dunklen Hosenanzug und heller Bluse, will sich nach langer Pause offenbar als wahres Aushängeschild der SPD-Linken profilieren. Dafür kann eine Diskussion mit Wagenknecht, 40, nicht schaden, die wie immer ganz klassisch im hochgeschlossenen Kostüm erschienen ist. Die Linkspartei-Frau wiederum muss - da sie im Mai Vizevorsitzende im neuen Vorstand werden soll - ihr Bild als Fundamentalistin weich zeichnen; Wagenknechts Ehemann nennt sie spaßhaft "Stalinistin". Wer könnte da gerufener kommen als Ypsilanti, die vor der Hessen-Wahl im Januar 2008 die Linke noch nach Kräften verteufelte.

Natürlich ist Halle ein Heimspiel für die Ostdeutsche Wagenknecht, auch wenn sie inzwischen Nordrhein-Westfalen im Bundestag vertritt. Aber da muss Ypsilanti jetzt durch. "Wir haben viel zu lange im eigenen Saft geschmort", sagt sie auf die Frage, was die SPD in den vergangenen Jahren falsch gemacht habe. Dafür gibt es zum ersten Mal Beifall. Aber ihre Partei sei noch weit davon entfernt, wieder richtig aufgestellt zu sein. "Will die SPD wieder eine soziale Partei sein?", fragt Wagenknecht scheinheilig. Für diesen Fall, selbstverständlich, könnte die Linke nach der Landtagswahl auch in Nordrhein-Westfalen mit den Sozialdemokraten koalieren. Das wirkt erst recht scheinheilig aus dem Munde von Wagenknecht, die bisher gegen jede Regierungsbeteiligung ihrer Partei getrommelt hat.

Es ist nicht leicht, gegen diese Frau anzukommen. Denn wenn Sahra Wagenknecht einmal in Fahrt gerät - die Beine übereinandergeschlagen, der Rücken gestreckt, den Kopf leicht schräg - ist sie kaum zu stoppen. Die Noch-Sprecherin der Kommunistischen Plattform kann dozieren, als sitze sie im Seminarraum. Manchmal klimpert Ypsilanti dann auf ihr Mikrofon, einmal hebt sie sogar die Hand, um endlich zu Wort zu kommen. Wenn die Sozialdemokratin es geschafft hat, zeigt Wagenknecht mitunter ein Lächeln, das ziemlich spöttisch erscheint.

In mancher Analyse sind sie sich einig

Dabei sind die beiden Frauen auf der Bühne in mancher Analyse nicht weit voneinander entfernt. Beispielsweise, wenn sie Hartz IV und die Folgen anprangern. Im Ton allerdings ist Wagenknecht ganz Anti-Kapitalistin: Sie spricht von "real existierender Barbarei", die Agenda 2010 sei "eine Schande und muss weg" - da jubelt der Saal. Das wiederum halte sie für zu billig, entgegnet Ypsilanti, man brauche doch bitte erstmal eine Alternative. Und während die Linkspartei-Politikerin von BMW bis Bertelsmann am liebsten jedes Großunternehmen verstaatlichen würde - inklusive der Banken -, ist für ihre SPD-Diskutantin klar: Außer im Bereich der Daseins-Vorsorge - also Bildung, Gesundheit, Soziales - habe der Staat nirgendwo etwas zu suchen.

Irgendwann meldet sich ein Mann im Publikum, der sich als Mitglied des Unternehmerstammtisches Markkleeberg vorstellt. In breitestem Sächsisch fragt er, wo denn Wagenknecht eigentlich hin wolle: "Soll es wieder so sein wie früher?". Nein, antwortet sie, milde lächelnd: "Ich will ja etwas Neues."

Ein anderer Zuhörer will von Ypsilanti wissen, warum man in den alten Bundesländern der Linkspartei immer noch so skeptisch gegenüberstehe. Hm, sagt die Hessin da, möglicherweise habe das schon auch mit der Herkunft der Partei aus dem "Unrechtsstaat DDR" zu tun. Im "Steintor" wird es plötzlich ganz leise. "Da hätte der Claus aber mal widersprechen können", sagt später eine ältere Dame, als sich der Saal leert.

Am Ende gibt es Blumen für die linken Frauen und Ypsilanti strahlt. Vielleicht hatte sie schlimmeres erwartet.

Diesen Artikel...
Forum - Ist Rot-Rot-Grün ein Projekt der Zukunft?
insgesamt 5110 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
capu65, 01.02.2010
Zitat von sysopZwischen Politikern von SPD, Linke und Grünen gibt es zurzeit verschiedene gemeinsame Projekte. Kann daraus für 2013 eine Koalition auf Bundesebene entstehen?
Nein! Nach vier Jahren Schwarzgelb: Ja!
2.
Iwan Denissowitsch 01.02.2010
Zitat von sysopZwischen Politikern von SPD, Linke und Grünen gibt es zurzeit verschiedene gemeinsame Projekte. Kann daraus für 2013 eine Koalition auf Bundesebene entstehen?
Das fehlte noch... Eine 3-Parteien-Regierung. Noch mehr Lähmung durch Grabenkämpfe braucht dieses Land nun wirklich nicht.
3.
immerfreundlich 01.02.2010
Zitat von sysopZwischen Politikern von SPD, Linke und Grünen gibt es zurzeit verschiedene gemeinsame Projekte. Kann daraus für 2013 eine Koalition auf Bundesebene entstehen?
Eine etwas sinnfreie Frage Meinen Sie, ob ein Demokrat die Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei gut finden soll? Darauf ein klares NEIN. Man arbeitet nicht mit denen zusammen, egal ob die nun SED, PDS, Die Linke oder sonstwie heissen Hinsichtlich der Stabilität einer solchen Koalition sieht es doch auch mau aus. Sowohl die SPD und die Grünen einerseits als auch die exSED anderseits haben keine einheitliche und stabile Sichtweise auf das Thema. Kann man sich vorstellen daß die konservativen SPD-Elemente (die es ja durchaus auch gibt) wirklich mit Wagenknecht und Co zusammenarbeiten können? Oder andersrum - wird der rotbraune Flügel der exSED nicht sich und seinen kommunistischen Freunden in der Partei untreu wenn sie mit den "Hartz4-Verbrechern, Krieghetzern und Kapitalistenverbrechern" zusammenarbeiten? Wie soll das überhaupt aussehen? Lafontaine hin, Demokratieverständnis her - auf Bundesebene kann sich keiner verstecken. Weder die SPD, noch die Grünen und am wenigsten die (west)-Kommunisten. So viel Pragmatismus hätte auch einschneidende Konsequenzen. Entgegen der Kreide die die SED gefressen hat bleibt sie in der öffentlichen Wahrnehmung eine Partei des Kommunismus. Und ein kommunistisches Deutschland wäre im globalen Wettbewerb verheerend. Kombiniert man das mit allen (schwachsinnigen) Forderungen der exSED in den Bereichen Nato, Europa, Wirtschaftliches, Soziales dann wäre eine entscheidende Mitarbeit der Linken im Bund das Ende für die SPD und ein schwerwiegender Schaden für die Bundesrepublik Daher als Demokrat in Deutschland: hoffentlich wird die Linke niemals Regierungsverantwortung in Deutschland erhalten. Programatisch ein Deasaster - vergleichbar der Kernschmelze aller Kernkraftwerke in Deutschland zur gleichen Zeit.
4.
schniggeldi 01.02.2010
Zitat von Iwan DenissowitschDas fehlte noch... Eine 3-Parteien-Regierung. Noch mehr Lähmung durch Grabenkämpfe braucht dieses Land nun wirklich nicht.
Wäre nicht anders als jetzt. CDU, CSU und FDP sind auch drei Parteien. Darauf sich gerne auch gegen die große Schwester zu profilieren legt die Seehofer-CSU viel Wert.
5.
Alka Wumm 01.02.2010
Zitat von sysopZwischen Politikern von SPD, Linke und Grünen gibt es zurzeit verschiedene gemeinsame Projekte. Kann daraus für 2013 eine Koalition auf Bundesebene entstehen?
Das wird so kommen und es wird eine echte Abwrackkoalition.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Ypsilantis Achterbahn-Karriere: Erst gefeiert, dann geächtet

Die Linke - Aufstieg und Krise
Gründung
16. Juni 2007: Die Linke entsteht auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Die ostdeutsche Linkspartei.PDS verschmilzt mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG), die auch aus Politikern besteht, die von der SPD enttäuscht sind. Gleichberechtigte Vorsitzende werden Oskar Lafontaine von der WASG und Lothar Bisky von der PDS.
Erste Erfolge
27. Januar 2008: Die Linke befindet sich im Aufwind. Sie schafft in Hessen erstmals den Einzug in den Landtag. Sie will Zünglein an der Waage spielen und eine rot-grüne Minderheitsregierung tolerieren. Doch der Versuch der SPD unter Andrea Ypsilanti scheitert an Abweichlern aus den Reihen der SPD.
Einzug in zahlreiche Landtage
2009 und 2010: Nach ihrem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010 ist die Partei in 13 Landtagen vertreten. Allerdings kommt es weder in Thüringen noch im Saarland - wo die Partei mit dem Spitzenkandidaten Lafontaine aus dem Stand 21,3 Prozent erreicht - zur erhofften Regierungsbeteiligung.
Feier nach der Bundestagswahl
27. September 2009: Bei der Bundestagswahl wird die Linke hinter Union, SPD und FDP viertstärkste Kraft: 11,9 Prozent bedeuten ein unerwartet gutes Ergebnis. Gregor Gysi, Chef der Bundestagsfraktion, wertet das Abschneiden als "historisches Ereignis". Die Partei hat nun 76 Abgeordnete, die Zahl der Mitglieder steigt auf knapp 78.000.
Verzicht auf Fraktionsvorsitz
9. Oktober 2009: Auf der Klausurtagung der Linksfraktion im brandenburgischen Rheinsberg kündigt Parteichef Lafontaine überraschend an, auf seinen Fraktionsvorsitz im Bundestag zu verzichten.
Rot-Rot in Brandenburg
6. November 2009: In Potsdam wird Matthias Platzeck von SPD und Linken zum Brandenburger Ministerpräsidenten gewählt. Es ist nach Berlin die zweite Regierungsbeteiligung der vereinigten Partei. Mehrere Stasi-Enthüllungen bei der Linkspartei sorgen jedoch für harsche Kritik am rot-roten Bündnis.
Krebserkrankung Lafontaines
17. November 2009: Parteichef Lafontaine gibt bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist und sich einer Operation unterziehen wird. Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow stößt eine Nachfolgedebatte an und sorgt für heftigen Widerspruch aus der Partei.
Machtkampf in der Linken
11. Januar 2010: Im wochenlangen Machtkampf an der Spitze der Partei gerät Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch durch Äußerungen von Fraktionschef Gregor Gysi immer stärker unter Druck. Bartsch habe sich gegenüber dem erkrankten Lafontaine illoyal verhalten und dem SPIEGEL Informationen gegeben.
Bundesgeschäftsführer räumt Posten
15. Januar 2010: Dietmar Bartsch kündigt an, nicht mehr für das Amt des Bundesgeschäftsführers zu kandidieren. In den letzten Wochen sei eine Situation entstanden, die die Politikfähigkeit der Partei gefährde. Bartsch erhielt einen neuen Posten und wurde zum Fraktionsvize im Bundestag gewählt.
Lafontaines Rückzug
23. Januar 2010: Lafontaine verkündet seine Entscheidung: Er wolle im Mai nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren und sein Bundestagsmandat aufgeben.
Neue Doppelspitze
15. Mai 2010: Auf dem Parteitag in Rostock werden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch zu den neuen Vorsitzenden der Linken gewählt. Sie folgen damit auf Oskar Lafontaine und Lothar Bisky.
Ermittlungen gegen Ernst
21. Juli 2010: Die Berliner Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie gegen den Chef der Linken wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Grund sind Flüge des Politikers zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen von Unternehmen, die Ernst über den Bundestag abgerechnet hatte. Ende Oktober 2010 erklärt die Staatsanwaltschaft die Einstellung der Ermittlungen. Die überprüften Flüge Ernsts hatten sich als überwiegend mandatsbezogen herausgestellt.
Ärger um Bezüge
Parteichef Ernst stößt im September 2010 auf Kritik bei Parteifreunden, als bekannt wird, dass der Bayer Mehrfachbezüge aus Partei und Fraktion erhält. Ernst bezog neben seinen Bundestagsdiäten in Höhe von 7668 Euro monatlich auch 3500 Euro von der Partei und 1913 Euro von der Bundestagsfraktion. Parteiinternen Kritikern war das zu viel – um so mehr, da Ernsts Co-Chefin Gesine Lötzsch auf die Bezahlung für den Vorstandsjob verzichtete. Im September 2010 beugt sich Ernst den Kritikern und erklärt, künftig auf seine monatliche Zulage für die Mitarbeit im Fraktionsvorstand verzichten zu wollen.
Lötzsch und der Kommunismus
3. Januar 2011: Linke-Chefin Gesine Lötzsch löst mit einem Beitrag zum Kommunismus in der marxistischen Zeitung "Junge Welt" heftige Kritik aus - bei Union und SPD, aber auch in den eigenen Reihen. "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung", schreibt sie darin unter anderem. Die für den 8. Januar vorgesehene Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der von der "Jungen Welt" organisierten Rosa-Luxemburg-Konferenz sagt Lötzsch kurzfristig ab, hält dort aber einen Vortrag in eigener Sache.
Wahlpleiten im Südwesten
27. März 2011: Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheitern die Genossen deutlich an der Fünfprozenthürde und verpassen den Einzug in die Parlamente. Die Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst führen das schlechte Abschneiden aber nicht auf eigene Fehler zurück - sondern erklären die Wahlpleiten vor allem mit der Atomkatastrophe in Japan: Der Reaktorunfall in Fukushima habe die öffentliche Debatte in den Wahlkämpfen bestimmt und damit typische Themen der Linken in den Hintergrund gedrängt. Auch bei führenden Genossen stößt diese Analyse auf Unmut, von fehlender Selbstkritik ist die Rede.
Gysi spekuliert über Lafontaine-Rückkehr
6. April 2011: Fraktionschef Gregor Gysi sorgt in der Partei für erhebliche Irritationen, weil er öffentlich über eine mögliche Rückkehr von Oskar Lafontaine auf die bundespolitische Bühne spekuliert. "Er schließt es für Notsituationen nicht aus", sagt Gysi. Wenige Wochen zuvor hatte sich Lafontaine optimistisch über seine Genesung geäußert. Er habe den Krebs voraussichtlich überwunden, sagte der Saarländer. Gysis Vorstoß verschärft die parteiinterne Debatte über die amtierende Doppelspitze Lötzsch und Ernst. Die beiden gelten als angeschlagen.
Basis rebelliert gegen Parteichefs
10. April 2011: Die Parteibasis signalisiert der Parteispitze ihre Unzufriedenheit mit der Analyse der Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Erklärungsversuche der Parteiführung träfen "kaum den Kern der Probleme", heißt es in einer Protestnote von Dutzenden Kreisvorsitzenden. Anlass des Briefs ist die Absage einer geplanten Konferenz der Kreisvorsitzenden, auf der eine offene Aussprache vorgesehen war. Die Parteispitze hatte die Absage des Treffens zunächst damit begründet, dass man "keine geeigneten Räume zu akzeptablen Preisen" gefunden habe. Wenig später beugt sich die Parteispitze dem Druck der Basis: Die Konferenz soll jetzt noch vor der Sommerpause stattfinden.
Lötzsch warnt vor Selbstzerstörung
19. April 2011: Parteichefin Lötzsch reagiert alarmiert auf den wochenlangen Streit in der Linken und warnt die Genossen vor dramatischen Folgen: Vielen Parteimitgliedern sei offenbar nicht bewusst, "wie schnell man eine Partei zerstören kann und wie schwer es ist, sie wieder aufzubauen", sagt sie der Parteizeitung "Neues Deutschland".
Streit mit Zentralrat der Juden
Juni 2011: Das Urteil ist vernichtend: Viele Mitglieder der Linken würden unter einem "geradezu pathologischen blindwütigen Israel-Hass" leiden, schreibt Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem Zeitungsbeitrag. In der Partei spuke noch immer "der alte anti-zionistische Geist der DDR". Grund für Graumanns Vorwurf war unter anderem eine umstrittene Antisemitismus-Erklärung der Linksfraktion. In der Erklärung hieß es, dass die Abgeordneten sich in Zukunft "weder an Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesjährigen Fahrt einer 'Gaza-Flotille' beteiligen". Israel-kritische Abgeordnete hatten nach der Abstimmung von einem "Maulkorberlass" gesprochen.
Glückwunschschreiben an Fidel Castro
August 2011: Die Linke-Chefs Lötzsch und Ernst sorgen mit einem Geburtstagsgruß an Fidel Castro in Teilen der Partei für heftige Irritationen - manchen Genossen wundern sich über das schwärmerische und kritikfreie Schreiben.
Ruf nach Lafontaine
Oktober 2011: Parteivize Sahra Wagenknecht spricht sich in einem Zeitungsinterview für die Rückkehr Lafontaines auf die bundespolitische Bühne aus: Die frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform schlägt den Saarländer als Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl vor.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: