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25. Dezember 2016, 09:20 Uhr

Bundesregierung

Zahl der türkischen Asylbewerber verdreifacht

Die politische Krise in ihrer Heimat veranlasst offenbar vermehrt Türken, Asyl in Deutschland zu beantragen. Die meisten Flüchtlinge zählen zu einer Gruppe, die besonders unter dem Regime in Ankara zu leiden hat.

Seit dem Putschversuch in der Türkei am 15. Juli werden in Deutschland deutlich mehr Asylanträge türkischer Staatsbürger verzeichnet. Insgesamt seien von Januar bis November dieses Jahres 5166 Asylanträge von Türken eingegangen, berichtete die Funke Mediengruppe ("Hamburger Abendblatt", "WAZ") und berief sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.

Im November habe es allein 702 entsprechende Anträge gegeben - im Januar 2016 waren es 119. Einen Zusammenhang mit dem Putschversuch vom Juli wolle die Bundesregierung allerdings nicht herstellen: "Spekulationen zu möglichen Ursachen für den Anstieg der Zahlen nimmt die Bundesregierung nicht vor", heißt es in der Antwort.

80 Prozent Kurden

Annähernd 80 Prozent der Antragsteller sind demnach Kurden. In der Türkei geht die Regierung seit dem gescheiterten Putsch verstärkt gegen Oppositionelle vor, besonders gegen kurdischstämmige Politiker. Die neuen Zahlen zeigen, dass 2016 etwa drei Mal so viele Türken um Asyl in Deutschland ersucht haben dürften wie ein Jahr zuvor. Damals hatte es 1767 Anträge gegeben.

Die Linken-Politikerin Ulla Jelpke übte scharfe Kritik an der deutschen Türkei-Politik: "Die Türkei ist alles andere als ein sicherer Herkunftsstaat oder ein Ort, an dem Flüchtlinge eine sichere Bleibe finden können", sagte sie. Ankara führe einen "erbarmungslosen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung".

Jüngst war bekannt geworden, dass in den USA mehr als zwei Dutzend türkische Offiziere Asyl beantragt hatten. Sie arbeiten im Nato-Hauptquartier Norfolk, Virginia, und weigern sich, nach ihrer Dienstzeit dort in die Türkei zurückzukehren. Man beschuldige sie zu Unrecht, am Putschversuch beteiligt gewesen zu sein. In ihrer Heimat drohe ihnen Gefängnis.

sms/dpa

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