ZDF-Last-Minute-Umfrage Schwarz-Gelb führt hauchdünn

Der Countdown läuft, am Sonntag wählt Deutschland. Und es bleibt spannend. Nach dem neuen ZDF-"Politbarometer" kommen Union und FDP auf eine knappe eigene Mehrheit vor der Opposition von SPD, Grünen und Linken. Die Liberalen erreichen allerdings gerade einmal 5,5 Prozent.

Wirtschaftsminister Rösler, Bundeskanzlerin Merkel: Knapper Vorsprung
DPA

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Berlin - Die heiße Phase des Wahlkampfs läuft - und sie wird durch eine Last-Minute-Umfrage befeuert. Zum ersten Mal veröffentlichte das ZDF drei Tage vor der Bundestagswahl neue Umfragewerte. Der TV-Sender bricht damit die Tradition des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, zehn Tage vor der Abstimmung keine Zahlen mehr zu präsentieren.

Nach der neuen Umfrage gibt es kurz vor dem Urnengang am 22. September einen knappen Vorsprung für die schwarz-gelbe Koalition. Ein Bündnis von Union und Liberalen erreicht 45,5 Prozent, die Opposition von SPD, Grünen und Linken kommt nach der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf insgesamt 44,5 Prozent.

Die Ergebnisse des Stimmungsbilds im Überblick:

  • Keine Veränderung gibt es bei der Union, sie liegt bei 40 Prozent.

  • Die SPD erreicht in der Umfrage 27 Prozent - ein Plus von einem Prozentpunkt.

  • Die FDP verliert 0,5 Prozentpunkte, sie kommt auf 5,5 Prozent. Damit würden die Liberalen nach diesem Stimmungsbild nur knapp in den Bundestag einziehen.

  • Die Grünen liegen bei neun Prozent (minus zwei Prozentpunkte).

  • Die Linke legt leicht um 0,5 Prozentpunkte zu, liegt bei 8,5 Prozent.

  • Die eurokritische Partei AfD erreicht wieder vier Prozent.

  • Die anderen Parteien, inklusive Piraten, kommen zusammen auf sechs Prozent (plus eins).

Damit zeigt die Zweitstimmenkampagne der FDP bisher wenig Wirkung, die Liberalen verlieren sogar. Vertreter der FDP hatten nach dem Bayern-Debakel begonnen, massiv um Leihstimmen von Unionsanhängern zu werben. CDU und CSU wehren sich. Sie befürchten, dass sie durch den Ausgleich der Überhangmandate nach dem neuen Wahlrecht am Ende benachteiligt werden könnten.

Drei Tage vor der Abstimmung ist der Wahlausgang nach wie vor offen, denn der statistische Fehlerbereich liegt nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen bei plus/minus zwei Prozentpunkten. Vor allem bei den kleinen Parteien ist dieser nach Angaben der Demoskopen zu berücksichtigen. Deshalb sei es auch nicht möglich, "zuverlässig zu projizieren, ob Liberale oder AfD die Fünfprozenthürde nehmen werden oder an ihr scheitern", wie es auf der ZDF-Homepage heißt.

Wie entsteht eine Umfrage? Klicken Sie auf die Grafik, um sie ganz sehen zu können.
SPIEGEL ONLINE

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Bei der Frage, wen die Deutschen nach der Bundestagswahl lieber als Kanzler hätten, liegt Angela Merkel mit 58 Prozent (Vorwoche: 59 Prozent) weiterhin deutlich vor ihrem SPD-Herausforderer. Peer Steinbrück erreicht unverändert 32 Prozent.

Zehn-Tage-Karenzzeit?

Die Veröffentlichung der Last-Minute-Umfrage des ZDF ist umstritten. Der Sender begründet sie damit, dass viele Wähler ihre Entscheidung erst kurz vor der Abstimmung fällen würden. Deshalb sei es wichtig für Bürger, den Stand zu wissen. Erhebungen von Meinungsforschern zeigen, dass mittlerweile ein Drittel der Wähler sich kurz vor der Wahl oder am Tag der Abstimmung entscheidet. Zudem steigt die Zahl der Wechselwähler, sie lag 2009 bei 30 Prozent laut Infratest dimap.

Die ARD stellte in der vergangenen Woche ihren letzten Deutschlandtrend vor und will bei der Zehn-Tage-Karenzzeit vor der Abstimmung bleiben. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn begründet dies damit, dass der Wähler nicht beeinflusst werden solle. Zudem würden viele Menschen Umfrage immer noch mit Prognosen verwechseln, also als Vorhersagen auf das Wahlergebnis deuten, und die Zahl der Briefwähler steigt.

Die ZDF-Umfrage ist aber nicht die letzte, die vor der Bundestagswahl veröffentlicht wurde. "Bild am Sonntag" will noch kurz vorher Zahlen präsentieren. Das Forschungsinstitut Emnid wird nach Angaben ihres Chefs Klaus-Peter Schöppner noch bis Freitagmorgen Wahlberechtigte befragen, wie er SPIEGEL ONLINE sagte. Insgesamt soll die Stimmung von knapp 2000 Bürgern erhoben werden.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte 1369 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch.

Zeitraum: 18. bis zum 19. September 2013 nachmittags

Statistische Fehlertoleranz: +/- zwei Prozentpunkte

heb

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insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
zensorsliebling 19.09.2013
1. Fast Drei Prozent....
Sind noch immer zwei zu viel. Raus mit Charlie's Truppen aus der Politik.
mottasvizzera 19.09.2013
2. Und wie hoch ist die Fehlerquelle ...
Zitat von sysopDPADer Countdown läuft, am Sonntag wählt Deutschland. Und es bleibt spannend. Nach dem neuen ZDF-"Politbarometer" kommen Union und Liberale auf eine knappe eigene Mehrheit vor der Opposition von SPD, Grünen und Linken. Die Liberalen erreichen allerdings gerade einmal 5,5 Prozent. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zdf-umfrage-schwarz-gelb-fuehrt-hauchduenn-vor-der-opposition-a-923386.html
... im Falle der FDP ? 0.499% oder 0.501% ?
gaviota 19.09.2013
3. Das verlässliche zwangsfinanzierte ZDF: Jubelsender...
...der CDU: er rechnet die CDU hoch, die AfD klein, lässt die FDP zittern und Merkel..siegen! Diese Rechnung wird in gewohnt-unverschämter Manier ohne den Wähler gemacht. Oder kommt es vielleicht gar nicht mehr auf ihn an? Brauchen wir UNO-Wahlbeobachter?
Semmelbroesel 19.09.2013
4. 40% für die Union?
Einfach lachhaft. Unter Merkel ging es immer bergab. Letzte BTW 33,8 %. 2013 32% :-)
markushatt 19.09.2013
5. Umfragen und Vorergebnisse
Dienen nur, die Meinung derer zu beeinflussen, die keine richtige politische Meinung haben, meistens auch Menschen, die sich ausschließlich über OR informieren. Sowas gehört verboten.
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