Streit über Sommerzeit Eine Stunde für die Ewigkeit

Viele Fans hat die Zeitumstellung nicht, ganz im Gegenteil. Doch Brüssel bügelt noch jede Reformidee ab - zum Ärger von Herbert Reul. Seit zehn Jahren wehrt sich der CDU-Mann gegen das Zeigergedrehe.

Aus 2 mach 3 Uhr: EU-Kommission verteidigt die Zeitumstellung
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Aus 2 mach 3 Uhr: EU-Kommission verteidigt die Zeitumstellung

Von , Brüssel


Ein Thema muss schon ein großes absurdes Potenzial mitbringen, um ins Sperrfeuer von John Oliver zu geraten. Als der Satiriker in seiner Sendung "Last Week Tonight" auf dem US-Sender HBO kürzlich die Sinnlosigkeit der Zeitumstellung sezierte, jubelte sein Publikum. "Warum gibt es das überhaupt noch?" heißt das Segment in Olivers Sendung, das genüsslich alle Argumente für die halbjährliche Umstellung in die Tonne trat. (Das Video sehen Sie am Ende des Textes.)

Auch auf dieser Seite des Atlantiks ärgern sich viele Menschen, dass sie in der Nacht auf diesen Sonntag eine Stunde weniger schlafen dürfen. Außer tagelanger Müdigkeit hat die Regel aus ihrer Sicht wenig Folgen - und schon gar keinen positiven Effekt. Daher wünschen sich auch 73 Prozent der Deutschen laut einer aktuellen Forsa-Umfrage, dass die Uhren nicht mehr umgestellt werden müssen.

Bis der Wunsch erhört wird, dürfte es aber noch dauern. Schon die Frage, wer überhaupt die politische Initiative ergreifen müsste, ist nicht so leicht zu beantworten. Eigentlich regeln die Nationalstaaten die Zeitumstellung. Doch es würde für völlige Verwirrung sorgen, wenn ein Güterzug aus Aachen eine halbe Stunde früher in Lüttich ankäme, als er losgefahren ist. Deshalb legt eine EU-Richtlinie seit 2002 fest, dass die Sommerzeit "dauerhaft, EU-weit und für alle Mitgliedstaaten verbindlich" erhalten bleiben muss.

Energieeinsparungen sind "nicht gerade enorm"

Darauf verwies auch der Petitionsausschuss des Bundestags, als er das Thema vergangenen November - kurz nach der Umstellung auf die Winterzeit - behandelte. Die Parlamentarier wollen neue Erkenntnisse über den Sinn der Zeitumstellung sammeln, immerhin. Das Forschungsprojekt "Bilanz der Sommerzeit" wird vor Ende 2015 aber wohl nicht abgeschlossen.

Und so verteidigt die EU-Kommission die halbjährliche Umstellung. Mit dürftigen Argumenten allerdings. Mehr Zeit für "Freizeitaktivitäten am Abend" war schon das Stichhaltigste, was ein Kommissionsbeamter bei einer Anhörung im EU-Parlament vergangene Woche aus einer Studie der Kommission aus dem Jahr 2007 zitieren konnte. Die Energieeinsparung, wegen der die Umstellung einst eingeführt wurde, sei "nicht gerade enorm". Die negativen Auswirkungen, allgemeine Müdigkeit und daraus folgende Unfallgefahr, sind laut Studien aber genauso klein.

Organisiert hatte die Befragung Herbert Reul, Chef der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament (EP) und seit Jahren der eifrigste Kämpfer gegen das Zeigergedrehe. Anfangs sei er noch allein gewesen, jetzt seien zu seiner Anhörung schon 20 EP-Abgeordnete gekommen. Deshalb will er, dass die EU-Kommission die Initiative übernimmt und - falls die Mitgliedstaaten zustimmen - die Abschaffung koordiniert.

"So blöde Sprüche" will Reul von der Kommission nicht hören

Darauf hat Europas oberste Behörde aber wenig Lust: Eine Kommissionssprecherin erklärt, dass "verschiedene Berichte, Untersuchungen und Wirkungsstudien" die Vorteile der seit dem Ersten Weltkrieg praktizierten Zeitumstellung gezeigt hätten. Auch seien die Mitgliedstaaten mehrheitlich für den Status quo. Dann zitiert sie das Motto von Jean-Claude Juncker, dass seine Kommission großen Themen große Aufmerksamkeit schenken wolle ("big on big things"). "Diese immer wieder aufkommende Debatte, so interessant sie sein mag, zählt nicht dazu."

Der spöttische Unterton der Antwort bringt den Rheinländer Reul zum Kochen. "Wer sich mit Glühbirnen beschäftigt, sollte so blöde Sprüche nicht machen", schäumt der CDU-Mann. Ihm sei ja klar, dass es Wichtigeres gebe, gerade aktuell. Doch die Kommission blockiere seit Jahren alle Initiativen, obwohl das Thema vielen Menschen nahegehe. "Manchmal bringt Bewegung in solchen Fragen mehr für Europa als die großen Themen."

Woher kommt Reuls Enthusiasmus, woher sein Eifer im Kampf gegen die Sommerzeit? Schuld ist eine Bürgerin, die eindrücklich schilderte, wie die verlorene Stunde ihren Biorhythmus durcheinanderbringe. Das ist rund zehn Jahre her, ein langer Kampf und vielleicht aussichtslos. Doch Aufgeben kommt nicht infrage, sagt Reuls: "Die werden sich wundern, wie viel Ausdauer ich noch habe."



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frankfreifrank 28.03.2015
1. Jeder Mann
Zeitumstellung? Jeder Daseins-Virtuose - eben Jeder - und alle Schreiber und erst recht die Chronomediziner gehören dazu - drehen täglich, aus Spaß, als Sportehrgeiz, aus touristischen oder materiellen oder beruflichen oder Flieger- oder TV- oder den so lieben Sexual-Bedürfnissen - an seiner eigenen, inneren Uhr, willkürlich, na, eben selbstbestimmt Dass dann ein einstündiger Verschub den "inneren Chronometer" lahm legen soll, ist Unsinn. Der legendäre Bauer weiß, dass Kühe - und wahrhaftig die grunzenden Schweine - nicht auf Zeitbedürfnisse oder abgespielte Musik gepolt sind, sondern auf das Erscheinen und das Gemüt des Bauern. Und das ist heute von den EU-Agrarordnungen bespielt; vulgo für alle auch von den Überlagerungen, die die Volkskrankheit Pegidität ausmachen – bei allen Schreihälsen Eine Zeitumstellung rüttelt also an dem individuell getim- und getackteten Freiheitsbedürfnis. Und da wird jederman - jeder Mann, wenn er gefragt wird - jeder Bürger zum UnBürger: Da will mir jemand was. Ups! Frauen . sind seit Ewigkeiten auf Dauerbelasstungen gepolt.
Klaus.Freitag 28.03.2015
2. Winterzeit ist das Problem
Die Sommerzeit ist herrlich- es ist abends länger hell in diesem manchmal schon nordisch anmutendem Land. Ich verstehe die Unzufriedenheit der Deutschen nicht- wahrscheinlich liegt es an der mangelnden Sonne, Serotoninunterversorgung. Al meine Kinder klein waren, konnte man sie im Winter nach 16.30 Uhr nicht mehr raus zum Spielen schicken, weil es dunkel war. Morgens geht man im Dunkeln arbeiten, abends kommt man im Dunkeln nach hause- schrecklich. Der Deutsche scheint es einfach gerne dunkel zu mögen, damit er daheim rummiefen kann und nicht vor die Tür braucht. Wie schön ist es doch im Sommer, bis 22.30 uhr noch auf dem Rad oder auf der Terrasse sitzen zu können- nach der Arbeit hat man fast noch den halben tag Helligkeit. Das Problem ist nicht die Sommerzeit, sondern die Winterzeit.
Übungsleiter 28.03.2015
3. Blöde Argumente
"Eigentlich regeln die Nationalstaaten die Zeitumstellung. Doch es würde für völlige Verwirrung sorgen, wenn ein Güterzug aus Aachen eine halbe Stunde früher in Lüttich ankäme, als er losgefahren ist." Komisch, dass es keine Verwirrung gibt, wenn Zeitzonen von Zügen überfahren werden. Oder bei Flugzeugen. Dann kann man nämlich auch "früher" ankommen als man losgefahren ist. Aber es ist auch noch kein Politiker dafür bekannt geworden, dass er Fehler eingesteht und ändert.
sanctum 28.03.2015
4.
Der Durchschnittsbürger kapierts nunmal nicht. Nicht die Sommerzeit gehört abgeschafft, sondern die Umstellung auf die Winterzeit. Sonst wäre es im Sommer ja schon um 8 dunkel. Würde also gerade für die arbeitende Bevölkerung nicht viel Zeit bleiben.
Didoxion 28.03.2015
5. Normalzeit abschaffen ...
... Sommerzeit das ganze Jahr über. Das verlängert den Feierabend und verhindert, dass im Sommer schon zu nachschlafender Zeit die Sonne über den Horizont kriecht. Selbst Heiligabend wäre es nicht schon um 16h dunkel ... immerhin beugt Tageslicht Depressionen vor.
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