Zensus 2011 Deutschland hat weniger Einwohner als angenommen

Es war die erste Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland - nun liegen die Ergebnisse des Zensus 2011 vor. 80,2 Millionen Menschen leben demnach in der Bundesrepublik, das sind anderthalb Millionen weniger als vorher angenommen.

DPA

Hamburg - 80,2 Millionen Menschen leben in der Bundesrepublik. Das sind 1,5 Millionen weniger als bislang gedacht. Bislang waren die Statistiker von einer Einwohnerzahl von 81,7 Millionen ausgegangen. Das geht aus dem Zensus 2011 hervor, der ersten Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland. Der Stichtag war der 9. Mai 2011. Damals sollen genau 80.219.695 Menschen in der Bundesrepublik gelebt haben. Jeder Fünfte ist 65 oder älter.

In Deutschland leben auch deutlich weniger Ausländer als bislang angenommen. 6,2 Millionen ausländische Staatsbürger wurden gezählt - 1,1 Millionen weniger als gedacht.

  • Insgesamt lebten in Deutschland etwa 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund; das waren rund 19 Prozent der Bevölkerung. Den höchsten Anteil hatte im Ländervergleich mit 27,5 Prozent Hamburg. Im Osten Deutschlands lag dieser Anteil in allen Bundesländern unter 5 Prozent, in Berlin haben 23,9 Prozent einen Migrationshintergrund.

Mehr Wohnungen als angenommen

Größer als bisher angenommen ist dafür die Zahl der Wohnungen in Deutschland.

  • Die Statistiker zählten 500.000 Wohnungen mehr als erwartet - insgesamt 41,3 Millionen Wohneinheiten. 4,4 Prozent der Wohnungen stehen leer. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist jede zehnte Wohnung unbewohnt, in Hamburg nur etwa 1,5 Prozent.
  • Die deutsche Durchschnittswohnung ist 90,7 Quadratmeter groß. Knapp 55 Prozent der Deutschen lebten zur Miete.

  • 2011 gab es in Deutschland 18,2 Millionen Ehen und 34.000 eingetragene Lebensgemeinschaften. 40 Prozent der eingetragenen Lebensgemeinschaften waren zwischen zwei Frauen geschlossen, 60 Prozent zwischen zwei Männern. 5700 Kinder lebten in Familien, bei denen die Eltern das gleiche Geschlecht hatten. 86 Prozent von ihnen lebten in Lebenspartnerschaften von Frauen.

Jeder dritte Ostdeutsche ist konfessionslos

Auch nach der Religion fragten die Statistiker:

  • 66,8 Prozent der Deutschen sind demnach Christen, 10,5 Prozent Atheisten. Im Osten Deutschlands liegt der Anteil der Konfessionslosen mit rund 33 Prozent weit über dem entsprechenden Anteil im Westen (6 Prozent). Nur 1,9 Prozent gaben an, muslimischen Glaubens zu sein. Die Statistiker gehen jedoch davon aus, dass viele Muslime von dem Recht Gebrauch machten, ihre Konfessionszugehörigkeit zu verschweigen.

Der Zensus 2011 war die erste Volkszählung in Deutschland seit 24 Jahren. Die Einwohner wurden zuletzt 1987 in der damaligen Bundesrepublik und 1981 in der DDR gezählt. Auf der Grundlage der damaligen Ergebnisse wurden die Daten bislang fortgeschrieben und im Laufe der Zeit immer ungenauer.

syd/dpa



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insgesamt 174 Beiträge
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Seite 1
tiit 31.05.2013
1. 1,5 Mill Menschen weniger
als die hervorragende deutsche Verwaltung bisher vermutet hat? Wozu gibt es überhaupt eine Verwaltung, wenn mal eben 1,5 Mill Einwohner als "Karteileichen" geführt werden? Auch wenn es sich um mehrere Jahre handelt, sollte so eine grosse Differenz nicht vorkommen?! Wo sind diese 1,5 Mill Menschen geblieben???
elwu 31.05.2013
2. Die Ergebnisse
werden interessant. Haben sie doch erhebliche Auswirkungen auf andere Statistiken, etwa die Arbeitslosenquote, Demografie usw.
lapaz 31.05.2013
3. Zahlen schon wieder überholt
Seit Mai 2011 gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Leute aus den östlichen EU-Staaten. Die Krise in Südeuropa hat sich seitdem eher verschärft als entspannt, und damit die potentiellen Gründe einer Auswanderung. Diese Zahlen sind also auch nicht mehr als hochaktuell anzusehen. Aber warum das Statistische Bundesamt auch so lange gebraucht hat, um eine Hochrechnung (nicht Zählung) über die Bevölkerung auszuwerten erschließt sich mir nicht so ganz.
chb_74 31.05.2013
4. Zu negative Darstellung
Zitat von sysopDPAEs war die erste Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland - nun liegen die Ergebnisse des Zensus 2011 vor. 80,2 Millionen Menschen leben demnach in der Bundesrepublik, das sind anderthalb Millionen weniger als vorher angenommen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zensus-2011-in-deutschland-leben-80-2-millionen-menschen-a-902992.html
Wenn die Differenz zwischen Fortschreibung und Erhebung der Realität in 24 bzw. 30 Jahren gerade mal 1,9% beträgt, sind die Methoden der Fortschreibung wohl als sehr präzise zu bezeichnen. Jede kalibrierte Laborpipette, deren Benutzung indirekt über Leben und Tod entscheiden kann, darf einen größeren Fehler haben - nur um das mal in Relation zu setzen. Die Botschaft muss also lauten: "Eigentlich brauchen wir Volkszählungen nur noch alle 40-50 Jahre, denn dazwischen schaffen wir es, das auch so hinreichend genau fortzuschreiben. Wir können also zukünftig Geld sparen, ohne was zu verlieren!"
potzlow 31.05.2013
5. Artikel fertig schreiben
Liebe Redaktion, es ist schön das ihr schnell informieren wollt. Mir würde es jedoch besser gefallen, wenn ihr erst den Beitrag fertig schreibt und ihn dann öffentlich schaltet. Bei Eilmeldungen von internationaler Bedeutung, kann ich über soetwas hinwegsehen, aber bei einem Beitrag wie jetzt zum Zensus, gibt es glaube ich genug Zeit, den Beitrag erst zu vollenden und dann damit online zu gehen. Ich glaube nicht nur mir fällt soetwas mittlerweile auf und wir als Leser_innen hätten den Eindruck, dass die Beiträge recherchiert sind und nicht nur aus dem Ticker übernommen werden und dann ein Beitrag drumherum gebaut wird.
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