Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zentralrat der Juden: Knobloch verzichtet auf weitere Amtszeit

Charlotte Knobloch zieht einen Schlussstrich: Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Vorsitzende des Zentralrats der Juden im November will sie nicht erneut kandidieren. Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an ihrer Arbeit gegeben.

Noch-Zentralratspräsidentin Knobloch: Keine weitere Kandidatur im November Zur Großansicht
DDP

Noch-Zentralratspräsidentin Knobloch: Keine weitere Kandidatur im November

München - Charlotte Knobloch wird nicht erneut für den Vorsitz des Zentralrats der Juden in Deutschland antreten. Das kündigte die 77-Jährige am Sonntag auf einer Direktoriumssitzung des Gremiums in Frankfurt am Main an. Das Direktorium und das Präsidium des Zentralrats sprachen Knobloch das volle und uneingeschränkte Vertrauen aus. "Mit Respekt und Anerkennung" hätten die beiden Gremien zur Kenntnis genommen, dass die Präsidentin bewusst einen Generationswechsel herbeiführen wolle, den sie aktiv unterstützen und begleiten werde, hieß es in einer Presseerklärung. Es herrsche Übereinstimmung, dass die Präsidentin ihr Amt bis zum Ende der Wahlperiode ausüben werde.

Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an ihrer Amtsführung gegeben. Knobloch wurde nachgesagt, dass sie im engeren Führungskreis des Verbandes keinen Rückhalt mehr habe. Unter dem Dach des Zentralrats sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und etwa 106.000 Mitgliedern organisiert.

Noch am Samstag hatte Knobloch in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" erklärt, gerade als Zeugin der Gräuel der Nazi-Herrschaft mache ihre Aufgabe sie glücklich - sie gebe ihr Kraft, dafür zu arbeiten, "dass jüdisches Leben in unserem gebrochenen Land wieder gelingen kann". Dafür wolle sie ihre Energie in den nächsten Jahren verwenden, auch als Präsidentin des Zentralrats.

Knobloch mahnte in dem Beitrag, dass alle, die Verantwortung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland tragen, nun füreinander einstehen müssten. "Respekt und Anerkennung für die Leistungen eines jeden von uns ist die notwendige Basis, damit uns gelingt, was wir uns vorgenommen haben. Noch nie war eine jüdische Vertretung auf Bundesebene so wichtig, damit unsere Anliegen und Aufgaben nicht vergessen werden."

Berichten zufolge gilt der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann als Favorit für die Nachfolge Knoblochs. Der Frankfurter Unternehmer betreibt eine Liegenschaftsverwaltung. Knobloch gehört zu den letzten ihrer Generation, die den Massenmord an den europäischen Juden überlebten. Ihr Nachfolger im Zentralrat wird niemand mehr sein, der die Gräueltaten der Nazi-Diktatur noch selbst erlebt hat.

Die 77-Jährige leitet seit 1985 die israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern. Nach dem Tod von Paul Spiegel rückte sie im Juni 2006 auch an die Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland.

flo/phw/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mit Dieter Graumann Fortschritt
wunhtx 07.02.2010
Mit Dieter Graumann wird sich das Verhältnis zum deutschen Bürger mit hoher Wahrscheinlichkeit erheblich positiv verändern. Allerdings ist die Stellung von Knobloch eher durch den Generalsekretär Kramer beschädigt worden, der seine parteipolitische Meinung in die Arbeit des Zentralrates umsetzte und dadurch auch den Anschein erweckte, der Zentralrat betreibe Wahlkampf. Nach außen trat der Zentralrat mehr durch Polemik des Herrn Kramer auf als durch sachorientiertes Handeln der Vorsitzenden. Der Wechsel an der Spitze wird für beide Seite ein Vorteil sein. Mit Frau Knobloch geht die letzte Überlebende des Holocaustes. Ihre Verdienste sind größer als die von Spiegel. Knobloch hat das geleistet, was ihr möglich war. Sie hat auch die Versöhnung gesucht. Nach Bubis und Spiegel war dies ein Lichtblick. Dem sollten nun Strahlen folgen.
2. So kann man es auch sehen...
empedocles 07.02.2010
Zitat von wunhtxMit Dieter Graumann wird sich das Verhältnis zum deutschen Bürger mit hoher Wahrscheinlichkeit erheblich positiv verändern. Allerdings ist die Stellung von Knobloch eher durch den Generalsekretär Kramer beschädigt worden, der seine parteipolitische Meinung in die Arbeit des Zentralrates umsetzte und dadurch auch den Anschein erweckte, der Zentralrat betreibe Wahlkampf. Nach außen trat der Zentralrat mehr durch Polemik des Herrn Kramer auf als durch sachorientiertes Handeln der Vorsitzenden. Der Wechsel an der Spitze wird für beide Seite ein Vorteil sein. Mit Frau Knobloch geht die letzte Überlebende des Holocaustes. Ihre Verdienste sind größer als die von Spiegel. Knobloch hat das geleistet, was ihr möglich war. Sie hat auch die Versöhnung gesucht. Nach Bubis und Spiegel war dies ein Lichtblick. Dem sollten nun Strahlen folgen.
Ich sehe die ganzen Personalien der letzten Jahre nicht ganz so hell leuchtend und denke, dass die Vorsitzenden nach Bubis intellektuelle Defizite hatten. Das hat sich nicht gerade positiv auf das Ansehen beim Rest der Republik ausgewirkt. Für das "Suchen nach Versöhnung" hätte ich gerne ein paar Belege, wenn Ihnen das möglich ist. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Dame - vor allem, wenn sie in Israel "öffentlich" wurde - nicht versöhnt, sondern ermahnt hat. Der erhobene Zeigefinger ist schlecht, wenn man aufeinander zugehen möchte.
3. Kein leichtes Amt
Gandhi, 07.02.2010
Allein schon wegen der Vergangenheit. Aber die Gegenwart macht dieses Amt noch schwerer, als es schon ist, schliesslich gibt es genuegend Mitglieder, sehen wollen, wahrend andere ihre Humanitaet nicht kompromittiert sehen wollen. Wie reagiert man denn , nachdem ueber ein Jahr lang die Vorgehenseise in Gaza als gerechtfertigt verteidigt wurde, und nun zwei Generaele einen Verweis (aber sonst nichts!) erhalten haben, weil sie gegen Richtlinien (Einsatz von Weissem Phosphor) verstossen hatten. Solche Sachen dienen nicht dem Frieden, schon gar nicht dem in der Vereinigung, dazu kommen dann noch die anderen Streitpunkte, wo die Streithasen aufeinander losgehen. Dass Frau Knobloch da nicht noch einmal antreten will, ist nur allzu verstaendlich. Nich jeder hat eine so dicke Haut, an der jede Kritik (ob berechtigt oder unberechtigt) einfach abprallt.
4. Endlich ein mal eine gute Nachricht vom Zentralrat!!!
Herzkasper, 07.02.2010
Zitat von sysopCharlotte Knobloch zieht einen Schlussstrich unter die Debatte um ihren Posten. Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Vorsitzende des Zentralrats der Juden im November will sie nicht erneut kandidieren. Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an ihrer Arbeit gegeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,676410,00.html
Vielleicht hört dann mal endlich die gebetsmülenhafte Mahnerei auf. Es wird Zeit, dass auch mal andere, positivere Apekte des modernen deutsche-jüdischen Lebens in Deutschland hervorgehoben werden. Herr Broder, Sie sind am Zug !!!
5. dem stimme ich zu.
mullemaus5 07.02.2010
Zitat von empedoclesIch sehe die ganzen Personalien der letzten Jahre nicht ganz so hell leuchtend und denke, dass die Vorsitzenden nach Bubis intellektuelle Defizite hatten. Das hat sich nicht gerade positiv auf das Ansehen beim Rest der Republik ausgewirkt. Für das "Suchen nach Versöhnung" hätte ich gerne ein paar Belege, wenn Ihnen das möglich ist. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Dame - vor allem, wenn sie in Israel "öffentlich" wurde - nicht versöhnt, sondern ermahnt hat. Der erhobene Zeigefinger ist schlecht, wenn man aufeinander zugehen möchte.
für den zdj hatte ich mich nie sonderlich interessiert. dann hörte ich aus welchen gründen auch immer bei einer rede von frau knobloch bewusst zu. es ging damals um das outing von günter grass. frau knoblochs rede war eine einzige hetze gegen GG. unversöhnlich, spalterisch. ein negativer eindruck entstand bei mir. dieser setzte sich fort, als ich in folge ihren anderen statements zuhörte. teilweise war ich entsetzt. deswegen hatte ich ihr aus gegebenem anlass ein mal eine protestmail geschickt, selbstverständlich keine antwort bekommen. das war schade, denn ich hätte wirklich gerne von ihr gehört, warum sie immer stänkert. ich kenne die verdienste von frau knobloch nicht; aber zu den menschen, die im alter weise werden, verzeihen können, gehört sie meiner meinung nicht. das verwundert mich schon aufgrund dessen, weil sie betroffene ist, ein schweres schicksal zu bewältigen hatte.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: