München - Charlotte Knobloch wird nicht erneut für den Vorsitz des Zentralrats der Juden in Deutschland antreten. Das kündigte die 77-Jährige am Sonntag auf einer Direktoriumssitzung des Gremiums in Frankfurt am Main an. Das Direktorium und das Präsidium des Zentralrats sprachen Knobloch das volle und uneingeschränkte Vertrauen aus. "Mit Respekt und Anerkennung" hätten die beiden Gremien zur Kenntnis genommen, dass die Präsidentin bewusst einen Generationswechsel herbeiführen wolle, den sie aktiv unterstützen und begleiten werde, hieß es in einer Presseerklärung. Es herrsche Übereinstimmung, dass die Präsidentin ihr Amt bis zum Ende der Wahlperiode ausüben werde.
Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an ihrer Amtsführung gegeben. Knobloch wurde nachgesagt, dass sie im engeren Führungskreis des Verbandes keinen Rückhalt mehr habe. Unter dem Dach des Zentralrats sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und etwa 106.000 Mitgliedern organisiert.
Noch am Samstag hatte Knobloch in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" erklärt, gerade als Zeugin der Gräuel der Nazi-Herrschaft mache ihre Aufgabe sie glücklich - sie gebe ihr Kraft, dafür zu arbeiten, "dass jüdisches Leben in unserem gebrochenen Land wieder gelingen kann". Dafür wolle sie ihre Energie in den nächsten Jahren verwenden, auch als Präsidentin des Zentralrats.
Knobloch mahnte in dem Beitrag, dass alle, die Verantwortung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland tragen, nun füreinander einstehen müssten. "Respekt und Anerkennung für die Leistungen eines jeden von uns ist die notwendige Basis, damit uns gelingt, was wir uns vorgenommen haben. Noch nie war eine jüdische Vertretung auf Bundesebene so wichtig, damit unsere Anliegen und Aufgaben nicht vergessen werden."
Berichten zufolge gilt der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann als Favorit für die Nachfolge Knoblochs. Der Frankfurter Unternehmer betreibt eine Liegenschaftsverwaltung. Knobloch gehört zu den letzten ihrer Generation, die den Massenmord an den europäischen Juden überlebten. Ihr Nachfolger im Zentralrat wird niemand mehr sein, der die Gräueltaten der Nazi-Diktatur noch selbst erlebt hat.
Die 77-Jährige leitet seit 1985 die israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern. Nach dem Tod von Paul Spiegel rückte sie im Juni 2006 auch an die Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland.
flo/phw/dpa
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