Bundesweite Serie Mutmaßliche Rechtsextreme senden Drohmails an Zentralrat der Juden

Deutsche Politiker, Gerichte und Behörden sind Berichten zufolge seit Monaten Ziel von Gewaltdrohungen aus mutmaßlich rechtsextremen Kreisen. Auch der Zentralrat der Juden ist betroffen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (Archivfoto - November 2014)
DPA

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (Archivfoto - November 2014)


Der Zentralrat der Juden ist von einer bundesweiten Serie von Gewaltdrohungen mutmaßlich Rechtsextremer gegen Politiker und Institutionen betroffen. In dem Zusammenhang sei eine Drohmail eingegangen, teilte der Zentralrat auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

Demnach geht generell regelmäßig Hasspost ein, ob nun postalisch, per Mail oder über soziale Medien. Die Zahl könne bis zu mehreren Hundert Zuschriften pro Tag erreichen, teils mit Gewaltdrohungen. "Letzteres schon seit Langem nicht mehr anonym und zunehmend aggressiv", so der Zentralrat. Bei Androhung von Gewalt werde der Staatsschutz eingeschaltet.

Seit Monaten anhaltende Serie von Gewaltdrohungen

Seit mehreren Wochen gehen Medienberichten zufolge bundesweit Gewaltdrohungen gegen Politiker, andere öffentlich herausgehobene Personen, Verbände, Institutionen oder Behörden ein. Es gehe um mehr als 100 verschickte E-Mails, die mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder "Wehrmacht" unterzeichnet worden seien, berichteten die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR. Darunter seien auch Bombendrohungen. Federführend bei den Ermittlungen ist die Berliner Staatsanwaltschaft, die sich im Laufe des Tages dazu äußern wollte.

Dass die Absender bislang nicht ermittelt wurden, hängt dem Vernehmen nach auch damit zusammen, dass sie beim Versenden ihrer Botschaften darauf achten, dass diese E-Mails nicht zurückverfolgt werden können. Ob es sich wirklich um Rechtsextremisten handelt und ob möglicherweise auch Trittbrettfahrer unterwegs sind, ist unklar.

Wegen entsprechender Drohungen seien am Montag der Hauptbahnhof Lübeck sowie am Dienstag das Finanzamt Gelsenkirchen vorsorglich geräumt worden, hieß es in den Berichten. Laut Polizei Koblenz gab es am Dienstag auch eine Bombendrohung gegen das dortige Finanzamt. Die Hamburger Polizei sperrte aus dem Grund am Mittwoch kurzzeitig mehrere Straßen, bevor sie Entwarnung gab. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es im Januar Bombendrohungen gegen das dortige Oberlandesgericht und die Staatsanwaltschaft gab.

asa/dpa



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