NPD-Verbotsdebatte: Zentralrat der Juden widerspricht eigenem Generalsekretär
Soll es ein neues Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme NPD geben oder nicht? Der Zentralrat der Juden sah sich jetzt zu einer klarstellenden Erklärung veranlasst - weil Generalsekretär Kramer sich gegen einen neuen Anlauf ausgesprochen hatte.
Berlin - Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Äußerungen seines Generalsekretärs zum Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme NPD widersprochen. Der Zentralrat trete "weiterhin resolut für das NPD-Verbotsverfahren" ein, hieß es in einer Erklärung, die das Präsidium des Zentralrats am Donnerstag nach Angaben seines Präsidenten Dieter Graumann einstimmig verabschiedete.
Die von Generalsekretär Stephan Kramer geäußerten Zweifel an den Erfolgsaussichten eines Verbots entsprächen "nicht der Linie, die der Zentralrat der Juden schon seit vielen Jahren geschlossen vertritt".
Kramer hatte sich am Mittwoch bei einer Veranstaltung im thüringischen Sondershausen gegen ein neues Verbotsverfahren ausgesprochen. "Das gibt eine Niederlage mit einer Ansage de luxe", sagte Kramer dabei laut der "Thüringer Allgemeinen". "Rechtes Gedankengut lässt sich nicht verbieten, sondern nur bekämpfen."
Das Ratspräsidium stellte in seiner Erklärung klar, dass es nach wie vor "eindringlich" dafür werbe, dass Bundestag und Bundesregierung sich der Initiative des Bundesrats für ein Verbotsverfahren nun rasch anschließen. "Wir sehen darin ein Zeichen einer kämpferischen Demokratie, die ihren Feinden entgegentritt." Aus Sicht des Präsidiums hätte "die NPD schon längst verboten werden müssen", hieß es weiter.
Die Länder hatten im Dezember im Bundesrat für einen NPD-Verbotsantrag gestimmt. Die Klageschrift des Bundesrats soll Ende des ersten Quartals 2013 vorliegen. Außer dem Bundesrat sind auch Bundestag und Bundesregierung klageberechtigt, haben aber noch nicht entschieden, ob sie sich der Klage anschließen.
hen/AFP
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