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24. April 2018, 09:25 Uhr

Antisemitismus in deutschen Großstädten

Zentralrat der Juden warnt vor Tragen der Kippa

Nach neuen antisemitischen Vorfällen schlägt der Zentralrat der Juden Alarm. Er rät jüdischen Männern davon ab, "sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen".

Sind Juden in Deutschland nicht mehr sicher? Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat dazu eine klare Haltung: Er warnt davor, in deutschen Großstädten eine Kippa zu tragen, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung.

Er rate Einzelpersonen davon ab, "sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen", sagte Schuster dem RBB-Sender Radioeins. Die Kippa wird in den allermeisten Fällen von Männern getragen.

Er habe das Gefühl, dass "man im Großteil der Gesellschaft verstanden hat, dass wir auch an einem gewissen Wendepunkt angekommen sind". Wenn es nicht gelinge, offenem Antisemitismus entgegenzutreten, "dann stellt dies letztendlich auch eine Gefahr für unsere Demokratie dar", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden.

Debatte nach neuem antisemitischen Vorfall

Am vergangenen Dienstag attackierte ein Flüchtling aus Syrien einen jungen Israeli mitten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Der Täter schlug mit einem Gürtel auf den Mann ein, der eine Kippa trug.

Nach dem Übergriff stellte sich der 19-jährige Tatverdächtige der Polizei. Der Angriff intensivierte die seit Monaten anhaltende Debatte über Antisemitismus in Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Wochenende im israelischen Fernsehen vor anhaltendem Hass auf Juden in Deutschland gewarnt. Sie sprach von einer "anderen Form des Antisemitismus", die durch Menschen arabischer Herkunft ins Land komme.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich unterdessen gegen Antisemitismus gewandt. "Antisemitismus, Rassismus und Hass sind große Sünden im Islam, deshalb werden wir das auch niemals dulden", sagte Zentralratspräsident Aiman Mazyek der "Rheinischen Post".

dop/AFP/dpa

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