Regelung für ganz Deutschland: Zentralrat der Muslime plädiert für gesetzliche islamische Feiertage

Tag der Offenen Moschee in Berlin (Archivbild): "Toleranz in unserer Gesellschaft stärken" Zur Großansicht
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Tag der Offenen Moschee in Berlin (Archivbild): "Toleranz in unserer Gesellschaft stärken"

Etwa vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Der Chef ihres Zentralrats plädiert jetzt dafür, zwei gesetzliche islamische Feiertage hierzulande einzuführen. In einigen Bundesländern haben Gläubige bereits das Recht, an religiösen Feiertagen freizunehmen.

Berlin - Vom früheren Bundespräsidenten Christian Wulff stammt der Satz: "Der Islam gehört zu Deutschland." Der Zentralrat der Muslime sieht das genauso - und plädiert jetzt für die Einführung gesetzlicher islamischer Feiertage in der gesamten Bundesrepublik.

Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek schlägt je einen Tag im Fastenmonat Ramadan und in der Zeit des islamischen Opferfestes vor. Das wäre "ein wichtiges integrationspolitisches Zeichen" und würde "die Toleranz in unserer Gesellschaft" unterstreichen, so Mazyek in den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe.

Dabei gehe es nicht um arbeitsfreie Tage für alle Bürger, sondern um das Recht der Muslime, beruflich an islamischen Feiertagen freigestellt zu werden. In der Arbeitswelt wäre das von Vorteil, meint Mazyek. So könnten etwa bei der Polizei muslimische Beamte für Kollegen einspringen, die an Ostern freinehmen wollten.

Die Frage der islamischen Feiertage ist in Deutschland umstritten. In der Bundesrepublik leben etwa vier Millionen Muslime. Der "WAZ" zufolge spricht sich CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach gegen gesetzliche islamische Feiertage aus. Er sieht dafür "weit und breit keine Notwendigkeit". Deutschland habe "keine islamische Tradition". Die bisherigen religiösen Feiertage seien in einer christlichen-abendländischen Tradition entstanden.

Hamburg dagegen gewährt bereits ein Recht auf berufliche Freistellung an religiösen Feiertagen - im vergangenen Jahr unterzeichneten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Vertreter muslimischer und alevitischer Verbände einen Staatsvertrag, in dem unter anderem muslimische und alevitische Feiertage künftig denselben Status erhalten wie nichtgesetzliche christliche kirchliche Feiertage.

Zuspruch kam damals auch aus anderen Bundesländern, etwa Baden-Württemberg und Berlin. Die Hauptstadt hat das Recht auf Feiertage für muslimische Arbeitnehmer und Schüler ebenfalls umgesetzt.

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Guntram Schneider (SPD) hält laut "WAZ" eine Ausweitung der gesetzlichen Feiertage aber für "wirtschaftlich nicht finanzierbar". Eine sinnvolle Lösung könne aber eher so aussehen, "dass die Betriebe ihren nichtchristlichen Mitarbeitern an deren höchsten gesetzlichen Feiertagen Urlaubstage gewähren beziehungsweise ausgleichsfrei geben, dort wo es Arbeitszeitkonten gibt".

CDU-Rechtsexperte Patrick Sensburg ruft dem Berichte zufolge dazu auf, "erst mal die Feiertage, die wir haben, auch zu schützen und nicht aufzuweichen". Er empört sich vielmehr über das unchristliche Verhalten seiner Mitbürger: Es sei ein Unding, was am Karfreitag in Berlin an Partyveranstaltungen abgehe.

kgp/dpa

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